Von Assassinen, Piraten und Fantasy

Wer sich für Videospiele interessiert, der wird in den letzten Jahren nicht um einen bestimmten Begriff herumgekommen sein. Die „Assassin’s Creed“-Reihe – seit ein paar Jahren zum Steckenpferd des französischen Publishers Ubisoft avanciert – hat sich zu einem der Anführer der Videospiel-Welt aufgeschwungen. Die Reihe brilliert mit schön gestalteten, offenen Spielwelten, einem simplen Gameplay und guter Grafik.

Rein technisch gesehen bietet die Serie also schon ein gutes Gerüst für einen Erfolg und auch der sechste Teil tanzt dabei nicht aus der Reihe. Es macht eine Menge Spaß, als Pirat und Assassine die karibische See unsicher zu machen. Vor allem die Geschichte ist eine der Stärken der Reihe. Sie ist spannend, bietet dramatische, unerwartete Wenden und eine globale Verschwörung.

Assassinen
Die Assassinen der vergangenen Spiele (Bild von fluxgamestar.com)

Dies sind die Dinge, die Ihnen auch in jedem Spielemagazin gesagt werden. Aus der Sicht eines Weltenbummlers bietet die Reihe aber noch einen weiteren interessanten Aspekt, denn Assassin’s Creed ist ein Paradebeispiel für eine verdrehte Welt, also eine Welt, die unserer zwar ähnelt, sich aber durch Details von ihr unterscheidet.

Sollten Sie die Reihe noch nicht gespielt haben, haben das jedoch vor, so muss ich Sie an diesem Punkt warnen. Ab hier werde ich ohne zu zögern spoilern. Wenn Sie also ihre Freude am Spiel erhalten wollen, sollten Sie hier aufhören zu lesen.

Drohender Untergang

Im Falle von Assassin’s Creed liegen diese Details im ewigen Kampf zwischen Assassinen und Templern und natürlich in uralten Tempeln und Apparaturen, erbaut von der sogenannten Ersten Zivilisation. Diese waren vor den Menschen auf der Welt und wurden durch einen gewaltigen Sonnensturm vernichtet. Der drohte auch uns am 21. Dezember 2012, ebenjenem Datum, das die Maya auf ihren Kalendern markiert hatten.

Hier verflocht Ubisoft seine Spielwelt geschickt mit tatsächlichen Fakten, gab dem ganzen jedoch noch einen kleinen phantastischen Schwung mit. Die Warnung wurde laut ihnen nicht als erstes von den Maya gemacht, sondern von den Mitgliedern der ersten Zivilisation. Einige wenige von diesen konnten sich mit Hilfe von hochentwickelter Technologie am Leben erhalten, zumindest in digitaler Form, und konnten so den Menschen diese Warnung zukommen lassen.

Erste Zivilisation
Mitglieder der ersten Zivilisation (Bild von assassinscreed.wikia.com)

Während der vergangenen fünf Teile ging es in der Reihe darum, dass der Assassine Desmond Miles den nahenden Weltuntergang verhindern will. Dazu brauchte er die Edensplitter – hochtechnisierte Gerätschaften, mit denen die bereits verstorbenen Mitglieder der ersten Zivilisation mit ihm sprechen können –, die er mit der Erinnerungen seiner Vorfahren finden konnte. Wie genau das funktioniert, erfahren Sie noch. Es gelang ihm, den Weltuntergang aufzuhalten – wie unschwer zu erraten ist, da es einen neuen Teil gibt -, auch wenn er dabei das Leben ließ

Assassinen, Templer und Piraten

Auch im aktuellen Teil – der IV vorne stehen hat, aber doch schon der sechste ist – geht es um eine Gerätschaft, die die Erste Zivilisation zurückgelassen hat: Das Observatorium. Es ermöglicht es seinen Benutzern, den Aufenthaltsort einer Person augenblicklich herauszufinden, sofern man über das Blut dieser Person verfügt. Dieses wurde nebenbei von dem gleichen Mitglied der ersten Zivilisation erbaut, das auch das Abwehrsystem gegen den Sonnensturm errichten konnte.

Wie sollte es anders sein, wollen die Templer natürlich dieses Gerät in die Finger bekommen. Ob sie wissen, dass es sich dabei um eine Hinterlassenschaft der Ersten Zivilisation handelt, wird aber nicht erwähnt. Um das Observatorium zu finden, müssen sie einen bestimmten Mann in die Finger bekommen, den Weisen. Nur dieser weiß über den Standort des Observatoriums Bescheid.

* Pirat und Assassine – Edward Kenway (Bild von gamingcapacity.com)

Auf der anderen Seite stehen die Assassinen, die das natürlich verhindern wollen, da sie wissen, dass eine solche Apparatur für Leute wie die Templer zu große Macht böte. Soweit so bekannt. Die bösen Templer wollen etwas und die guten Assassinen wollen es verhindern. Interessant daran ist allerdings der Hauptcharakter der Geschichte, Edward Kenway. Er ist ein Pirat und lediglich auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Auch er will das Observatorium finden.

Seine Verbindung zu den Assassinen besteht lediglich am Rande. Am Anfang der Geschichte tötet er einen Assassinen, der die Gemeinschaft an die Templer verraten wollte und nimmt dessen Platz ein. Dadurch liefert er den Templern erst die Informationen, die diese zur Auffindung des Observatoriums benötigen. Edward selbst erkennt erst zum Ende des Spiels, dass der Weg des Assassinen-Credos der richtige für ihn ist.

Lange Suche

Bis dahin ist er auf der Suche nach dem Weisen, um das Observatorium zu finden. Der ist ein Mann namens Bartholomew Roberts, der zu Beginn der Geschichte schon kurz in den Händen der Templer war, ihnen aber wieder abhanden ging. Von diesem Zeitpunkt an war er zunächst Gefangener und später Angestellter eines Sklavenhändlers und nach dessen Tod durch Edwards Hand befehligt er sein Schiff. Dieses wird später von den Templern übernommen und Roberts muss sich im afrikanischen Dschungel verstecken, bis er letztlich von Edward gerettet wird.

Observatorium
Bartholomew Roberts im Observatorium (Bild von Youtube.com)

Daraufhin schwingt sich Roberts zu einem großen Piraten auf und macht sich gemeinsam mit Edward auf den Weg zum Observatorium. Er benötigt dessen Fähigkeiten im Kampf, um die Hüter zu vertreiben. Diese sind Maya-Krieger, was erneut eine Verbindung zwischen der Ersten Zivilisation und dem Indianer-Volk zeigt, wie schon das Datum des Weltuntergangs. Ansonsten würde Roberts Edwards Hilfe nicht benötigen, da wie gesagt nur er das Observatorium finden kann.

Das wiederum liegt daran, dass Roberts Erinnerungen an ein Leben aus der Ersten Zivilisation hat. Bei ihm handelt es sich um eine Reinkarnation Aitas, des Erbauers des Observatoriums. Dieses ganze Konzept erinnert stark an die Animus-Technologie von Abstergo Industries – den Templern in der Neuzeit. Damit konnte Desmond Miles in den vorangegangenen Teilen auf die Erinnerungen seiner Vorfahren zugreifen, die noch in seiner DNA gespeichert lagen. Im aktuellen Teil der Reihe hat Abstergo Industries diese Technologie sogar noch weiter ausgebaut, und erlaubt jetzt mittels einer DNA-Probe von Desmond auch Dritten den Zugriff auf diese Erinnerungen.

Fiktion und Realität

Diese Theorie ist dabei nicht einmal so sehr aus der Science Fiction entnommen, wie es zuerst den Anschein haben mag. Es gibt Theorien, die auf das gleiche Phänomen hinweisen, auch wenn diese in der Psychologie stark umstritten sind. So sollen Leute auch in der Realität schon auf die Erinnerungen ihrer Vorfahren zugegriffen haben. Inwieweit dies der Wahrheit entspricht, ist allerdings nicht sicher. Man muss aber zugeben, dass eine solche Erfahrung mit Sicherheit interessant wäre.

002_Animus
Version 1.0 des Animus (Bild von de.assassinscreed.wikia.com/)

Im aktuellen Spiel ist diese Technik jedoch weit verbreitet und das nicht nur in den Kreisen von Assassinen und Templern, die schon auf diese Technologie zugreifen konnten. Abstergo Industries ist im sechsten Teil der Serie nämlich dabei, sie für die Allgemeinheit zugänglich zu machen. Zumindest in einem gewissen gewinnbringenden Rahmen. Unter dem Namen Abstergo Entertainment wollen sie so Stoff für neue Geschichten aus der echten Vergangenheit der Menschheit ziehen.

Diese Aufgabe bekommt der Spieler zugeteilt. Er soll die Erinnerungen von Edward Kenway nacherleben, damit Abstergo die Daten vermarkten kann. Selbst dem unaufmerksamsten Spieler sollte aber auffallen, dass es sich dabei nur um einen Vorwand handelt. Es sollte klar ersichtlich sein, dass die heutigen Templer damit nur herausfinden wollten, wo sich das Observatorium befindet, schließlich gelang dies ihren Vorgängern in der Kolonialzeit nicht.

Hier schließt sich letztlich der Kreis zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Der Krieg zwischen Templern und Assassinen lebt noch heute weiter und auch der Einfluss der Ersten Zivilisation ist noch nicht verschwunden, wirkt vielleicht noch stärker fort als zuvor.

Weltenwertung:

Beeindruckend:

Ubisoft ist es gelungen eine plausible alternative Version unserer Welt zu zeichnen. Es gibt keine großen Fehler in der Gestaltung, alles wirkt vom Aufbau her recht logisch. Die Idee der Ersten Zivilisation gefällt mir sehr gut und auch die Art und Weise, wie sie noch heute fortwirkt ist gut gestaltet.

Auch die Idee des Observatoriums finde ich gelungen, auch wenn sich hier in meinen Augen ein kleiner Logikfehler verbirgt. Wenn Abstergo Industries eines der größten Unternehmen der Gegenwart ist, sollte es ihnen normalerweise ein leichtes sein, den Standort des Observatoriums auszuforschen. Der ungefähre Standort, also das karibische Meer, war ihnen bekannt und gleiches galt auch für die Pläne der Templer der Kolonialzeit.

Trotz dieses Makels hat Ubisoft eine gute Mischung aus pseudohistorischer Erzählung, Science Fiction und Fantasy geschaffen, die mich immer wieder in ihren Bann zieht. Ich kann das Spiel somit nur weiter empfehlen.

Wie findet ihr die Assassin’s Creed-Reihe? Gefällt euch die Geschichte um Assassinen und Templer und sind euch noch andere Fehler in der Welt aufgefallen? Hinterlasst mir doch einen Kommentar.

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ainur sagt:

    Wer is der Assassine ganz rechts im Bild? Edward ist das nicht…

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    1. Das ist Nikolai. Er kommt in keinem Spiel vor, sondern lediglich in einem AC-Comic, in dem es um die russische Revolution geht. Den Comic hab ich bis dato leider noch nicht gelesen, ich werd ihn mir in Zukunft aber besorgen und dann eine kleine Review darüber schreiben 😉

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