Ōkami to Kōshinryō – Die Reisen eines Wolfes

Wenn man sich das Grundkonzept des Animes Spice and Wolf ansieht, würde man nicht vermuten, was sich dahinter in Wahrheit verbirgt. Der Wolfsgott Horo taucht während des Erntefestes in einem kleinen Dorf unvermittelt im Wagen des fahrenden Händlers Lawrence auf und zwar in der Form einer gutaussehenden, jungen und vor allem nackten Frau mit einem Wolfsschwanz und -ohren. Nach dem ersten verständlichen Schock, erfährt Lawrence, dass die junge Dame nichts lieber will, als in ihre Heimat hoch im Norden zurückzukehren.

Da er ein wahrer Gutmensch ist, will er ihr diese Möglichkeit natürlich nicht vorenthalten und so machen sich die beiden auf den Weg gen Norden. Und wer hätte es gedacht, trotz des Umstandes, dass er ein Mensch ist und sie ein Gott, verlieben sich die beiden und kommen einander im Laufe der ersten beiden Staffeln immer näher, obwohl ihrer Beziehung immer wieder Steine in den Weg gelegt werden.

Der Wolf und die Wirtschaft

So weit, so schnulzig. Hinter der Fassade des ungewöhnlichen Paares, dass ihre Heimat finden möchte, wo sie letzten Endes wieder getrennt würden, verbirgt sich aber eine Geschichte, die es in sich hat. In Spice and Wolf geht es um die Wirtschaft einer Welt, die dem europäischen Spätmittelater nachempfunden ist. Dabei fließen Themen wie der Handel mit Währungen, Börsenspekulationen und Wechselkurse in die Geschichte ein, weshalb die Welt schon allein deshalb eine beeindruckende Tiefe bekommt.

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Die Wolfgöttin Horo in ihrer Menschenform (Bild von wallpapervortex.com)

Neben diesen vielen nicht unwichtigen wirtschaftlichen Aspekten glänzt die Geschichte aber auch mit einer Vielzahl an interessanten Charakteren, lustigen Dialogen und zum Teil auch mit einigen äußerst philosophischen Passagen. Gerade diese überraschen hin und wieder ein wenig, da man so etwas schließlich nicht wirklich von einem Anime gewohnt ist. Sie sind aber meist so elegant in die Geschichte eingeflochten, dass sie den Erzählfluss nicht wirklich unterbrechen.

Ganz im Gegensatz dazu stehen die wirtschaftlichen Themen, die den Fokus des Animes darstellen. Die sind hin und wieder recht verwirrend und wenn man nicht genau aufpasst, kann es leicht sein, dass man irgendetwas nicht richtig versteht. Das ist aber eher schlecht, weil man will schließlich die Gesamtheit der Geschichte wahrnehmen und nicht nur die emotionalen Teile, die die Beziehung von Horo und Lawrence ins Zentrum rücken.

Der Wolf und die Macht

Weit weniger aufmerksam muss man sein, wenn man die Welt wahrnehmen will, denn die 24 Episoden spielen hauptsächlich in den großen Städten der namenlosen Welt. Dabei beschränkten sich die Schöpfer auch hier auf einige ausgewählte Orte, die dafür mit wesentlich mehr Liebe zum Detail gestaltet wurden. Die Hintergründe der Welt sind aber dennoch gut ins Licht gerückt.

Es gibt einen klaren Machtkampf zwischen der Kirche und dem Händlervolk, da der Klerus auch selbst in der Wirtschaft mitmischt. Der Adel verschwindet dabei immer weiter in der Bedeutungslosigkeit, während die Gilden immer mehr Macht gewinnen. Einige Händler können sich bis an die Spitze der Nahrungskette schwingen, fallen hin und wieder aber auch gleich schnell wieder zurück.

In ihrer Wolfsform wirkt sie gleich beendruckender (Bild von dusub.blogspot.com)
In ihrer Wolfsform wirkt sie gleich beendruckender (Bild von dusub.blogspot.com)

Apropos Nahrungskette: In der Natur stehen die Wölfe dort sehr weit oben und bedrohen die Straßen, die die Händler nutzen, um zwischen den Städten hin und her zu gelangen. Horo ist dabei einer der mächtigsten Wölfe und kann sich in ein Untier von einer Länge von zehn Metern (ohne Schweif) verwandeln. Das tut sie aber nur sehr selten, da sie dafür das Getreide braucht, dassie am Anfang der Serie in Lawrence‘ Wagen gefunden hat. Nur durch dieses hatte sie sich in erster Linie in einen Mensch verwandeln können. Diese Verbindung zum Getreide kommt dadurch zustande, dass Horo eine Erntegöttin ist.

Der Wolf und Mutter Kirche

Trotz dieser Tatsache spielt das Übernatürliche nur eine untergeordnete Rolle in Spice and Wolf. Neben ihr taucht nur ein einziger anderer Gott auf und sie verbringt die meiste Zeit der Serie in ihrer menschlichen Gestalt. Das ist aber auch gut so, denn als Wolf richtet die gute Dame eine Menge Ärger an – vor allem wenn jemand ihren Lawrence bedroht. Trotzdem hätte ich mir gewünscht, man hätte auch andere Götter ein wenig mehr ins Zentrum des Geschehens geholt.

Vor dem Anime kam der Manga (Bild von anime.contemplation.com)
Vor dem Anime kam der Manga (Bild von anime.contemplation.com)

Das hätte auch noch zusätzlichen Spielraum für einen meiner liebsten Aspekte der Geschichte ermöglicht: Die Kirche möchte den Glauben an die alten Götter ausrotten, um dadurch ihre Macht noch weiter zu steigern. Dazu macht sie gnadenlos Jagd auf diese und bezahlt den Menschen große Summen dafür, wenn sie sie in ihre Hände übergeben. Das Ganze stellt damit eine etwas überzeichnete Version der europäischen Hexenjagd dar, die von der Kirche betrieben wurde.

Für Anime-Gucker ist die Serie also auf jeden Fall einen Blick wert. Wer jedoch dessen Ende ebenfalls erfahren will, der muss auf den Manga zurückgreifen, da die Produktion des Anime mit der zweiten Staffel und einem leichten Cliffhanger geendet hat.

Weltenwertung:

Beeindruckend

Die Welt ist gut gestaltet und brilliert vor allem durch eine gute Darstellung der Wirtschaft und des Machtkampfes zwischen Adel, Klerus und Bürgern. Die Idee mit den alten Göttern, die immer mehr aus der Welt verdrängt, von der Kirche gar gejagt werden, finde ich sehr gut. Normalerweise würde ich ihr nur ein C geben, da die Vergangenheit der Welt kaum erwähnt wird, die Zeichner des Animes haben in der Gestaltung der Welt – vor allem durch die wunderschönen Panorama-Zeichnungen – so gute Arbeit geleistet, dass die Welt dadurch wieder enorm an Tiefe gewinnt. Deshalb bekommt die Welt von Spice and Wolf ein B von mir.

Wenn ich euch jetzt neugierig gemacht habe, seht euch auf jeden Fall den Anime an: Staffel 1 und Staffel 2 habe ich euch hier verlinkt. Und falls ihr euch für das Thema der Wirtschaft in fernen Welten interessiert, habe ich dazu vor kurzem auch einen Artikel veröffentlicht.

Wie steht ihr zu Animes? Wenn ihr sie mögt, was ist euer liebster, und wenn nicht, warum? Hinterlasst mir doch einen Kommentar (:

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