Mae govannen! – Seid gegrüßt!

Wer durch ferne Welten reist, der wird nicht immer alles verstehen – zumindest wenn der Weltenschöpfer gute Arbeit geleistet hat. Immer wieder werden Weltenbummler vor sprachliche Barrieren gestellt, die sie nicht immer sofort lösen können. Das liegt einfach daran, dass die Schöpfer ihnen nicht die richtigen Informationen geben, da sie wollen, dass die andere Sprache ein Mysterium für die Weltenbummler darstellt.

Dabei sind die Möglichkeiten, wie die Weltenschöpfer Sprachen in ihre Welten eingliedern können, vielfältig und jede hat ihre Vor- und Nachteile. Welche sie nutzen möchten, hängt gänzlich davon ab, wie viel Arbeit sie sich machen möchten. Auch wenn mehr Arbeit nicht gleichzeitig auch für mehr Tiefe stehen muss.

Was er versteht, verstehe auch ich

„Sein Kovarisch war nicht besonders gut, aber dennoch konnte er ein paar Brocken von dem verstehen, was der Händler ihm da wütend an den Kopf warf. Die Wörter Hurensohn, Dieb und verdammter ließen ihn zumindest erahnen, was der Mann von ihm wollte.“ Wenn der Weltenbummler einen solchen Abschnitt vor sich liegen hat, wird er schnell erkennen, wie der Weltenschöpfer hier die sprachliche Gestaltung durchdacht hat.

Weltenschöpfer Pierre Grimbert nutzt viele Sprachen (Bild von Ji-Elle)
Weltenschöpfer Pierre Grimbert nutzt viele Sprachen (Bild von Ji-Elle)

Es gibt ganz klar mehrere Sprachen, denn es wird namentlich eine genannt, aber in den Augen des Lesers wird nie in diesen gesprochen. Der Schöpfer hat klar darauf Wert gelegt, dass der Weltenbummler all das versteht, was auch der jeweilige Charakter versteht, der im Moment im Zentrum des Geschehens steht. Wenn der aber etwas nicht versteht, wird einfach beschrieben, was er hört, anstelle von für den Leser unverständlichen Worten.

Der große Vorteil dieser Technik ist klar der geringe Zeitaufwand. Man muss sich lediglich die Namen der Sprachen und ihren ungefähren Klang überlegen und nicht eigene Vokabeln und eine Grammatik. Außerdem geht dadurch in der Stimmung kaum etwas verloren, da man ja weiß, dass es eine andere Sprache ist. Bekannte Autoren, die diese Technik einsetzen, sind zum Beispiel Trudi Canavan oder Pierre Grimbert. Auch George R. R. Martin geht in diese Richtung, bei ihm lässt sich eher eine Mischform erkennen.

Ich verstehe ALLES

„Ich marschierte auf den Händler zu. Seine Haut war dunkel, sein Haar noch dunkler und seine Kleidung war von einem Stil, den ich noch nie gesehen hatte. Ganz klar konnte er nicht von hier sein. ‚Hallo, mein Freund!‘, grüßte er mich als ich näher kam. ‚Was kann ich für Euch tun?’“ Bei diesem Beispiel ist wieder gut zu erkennen, wie das Verhältnis der Sprachen in dieser Welt aussieht. Der Händler ist zwar eindeutig aus einem anderen Teil der Welt, aber dennoch spricht er die Sprache des Erzählers perfekt. Es wird nicht einmal ein Akzent erwähnt.

Weltenschöpfer D. J. MacHale setzt auf großes Verständnis (Bild von Rodrigo Fernández)
Weltenschöpfer D. J. MacHale setzt auf großes Verständnis (Bild von Rodrigo Fernández)

Der Weltenschöpfer hat hier eindeutig auf die billigste Form der Sprachdarstellung gebaut. Es gibt nämlich nur eine Sprache. Jeder versteht jeden ohne die geringsten Probleme. Wenn dies einfach nur auf diese Weise auftaucht, ohne dass eine Erklärung mitgeliefert wird, ist das ziemlich schwach, denn meist wird das Thema der Sprachen dann völlig ausgespart. Das ist nicht wirklich zuträglich für die realistische Darstellung einer Welt, denn schließlich ist es recht unwahrscheinlich, dass sich nicht mehrere Sprachen entwickeln.

Wenn allerdings eine schlüssige Erklärung mitgeliefert wird, warum der erzählende Charakter jeden ohne Probleme versteht, dann kann das sogar von Vorteil für die Stimmung sein. In den meisten Fällen schwächt es das ursprüngliche Manko aber einfach nur ab. Typische Beispiele für diese Form der Sprachdarstellung findet man bei D.J. MacHale und bei Markus Heitz.

Ich verstehe gar nichts…

„’Kra ti ak’nural pi to gakurr!‘ Verständnislos blickte sie den kleinen Mann an, der wütend mit den Armen fuchtelte. Sie hatte kein Wort von dem verstanden, was er gerade gesagt hatte.“ Und nicht anders geht es in diesen Momenten den Weltenbummlern, die in solchen Momenten halb belustigt halb verwirrt das Buch in ihren Händen anstarren werden.

Der Weltenschöpfer hat in solchen Fällen klar auf die dritte Möglichkeit zurückgegriffen, um Sprachen darzustellen. Wie in der ersten Variante gibt es in der Welt verschiedene Sprachen, die verwendet werden, doch hier werden diese Sprachen auch erstmals zumindest bröckchenweise aufgeschrieben. Die meist willkürlich zusammengestückelten Silben haben dabei aber nicht mehr Sinn als das Gebrabbel eines glücklichen Babys.

Im Star-Wars-Universum gibt es unzählige Sprachen
Im Star-Wars-Universum gibt es unzählige Sprachen (Bild von http://m.mtv.com/news/article.rbml?id=1724030)

Die Worte sollen aber auch gar keinen Sinn ergeben. Es geht eigentlich nur darum, dass die Sprache dem Weltenbummler näher gebracht wird. Oftmals werden nur bestimmte Wörter – meist Titel oder besondere Gegenstände – in der anderen Sprache abgebildet. Von tatsächlicher Grammatik sind diese Sprachen aber noch weit entfernt. George R. R. Martin und auch Christopher Paolini sind Weltenschöpfer, die diese Variante verwenden, und auch im Star Wars-Universum wird man ihr immer wieder begegnen.

Ich kann es verstehen, wenn ich es lerne

„’Sila gil erin-lu govaded vin‘, meinte der Elb, als er langsam auf den Krieger zugeschritten kam und obwohl sein Elbisch besser sein könnte, wusste der, was gemeint war: ‚Ein Stern scheint auf die Stunde unserer Begegnung.’“ Eine eindeutige Grammatik und eine Vielzahl von entwickelten Vokabeln bestimmen den letzten Typ der Sprachformen in fernen Welten. Deshalb handelt es sich klar um den aufwendigsten von allen.

Allerdings ist dieser Typ auch jener, der mit Abstand die meiste Atmosphäre und den meisten Realismus für eine Welt erzeugen kann. Ob das Ergebnis den Aufwand lohnt ist dennoch fraglich, denn auch der erste Typ kann eine enorme Fülle an Atmosphäre schaffen, wenn er richtig genutzt wird. Ganz klar ist zumindest, dass es für Weltenbummler ein tolles Erlebnis ist, wenn sie über eine erfundene Sprache stolpern.

Die Sprache der Elben kann erlernt werden (Bild von sindarin.de)
Die Sprache der Elben kann erlernt werden (Bild von sindarin.de)

Die großen Vorreiter in diesem Gebiet sind natürlich J. R. R Tolkien – der nicht nur eine sondern gleich zwei Sprachen geschaffen hat –, die Macher von Star Trek mit ihrem Klingonisch und auch Avatar-Schöpfer James Cameron, mit Na’Vi. All diese Sprachen sind dabei aber natürlich auf ihren jeweiligen Zweck hingeschnitten. Wer also in Sindarin das Wort für Rolltreppe sucht, wird bestimmt nicht fündig werden.


Wie die Sprachen in fernen Welten dargestellt werden hängt also immer davon ab, wie viel Aufwand sich ein Weltenschöpfer machen will. Allerdings bedeutet mehr Aufwand nicht automatisch immer ein besseres Ergebnis.

Wie wichtig sind euch Sprachen in fernen Welten und habt ihr selbst vielleicht schon einmal versucht eine zu erlernen? Hinterlasst mir doch einen Kommentar (:

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. jery22 sagt:

    Ich hab keine Zeit, Sprachen einer Fantasie-Welt zu erlernen, ich bin damit beschäftigt, mir selbst welche auszudenken 😉 Mittlerweile allerdings nur mehr die Vokabel und die Grammatik, die ich für ein konkretes Beispiel brauche, sei es ein kurzer Dialog oder einen Fluch. Die Zeiten, wo ich mit Begeisterung Wochen damit verbrachte, mir eine Sprache auszudenken (einmal Linguist, immer Linguist), sind vorbei, weil ich es nicht mehr fürs Worldbuilding brauche.
    Heute spielt Sprache bei meinem Weltenbau eine untergeordnete Rolle, weil mir die soziopolitischen und ökonomischen Aspekte wichtiger sind. Es gibt mehrere Sprachen in meiner Welt, ab und zu werden einige Vokabel benutzt, um anzuzeigen, dass ein Charakter aus einem anderen Gebiet stammt oder gar einer anderen Rasse angehört, und mehr brauche ich nicht für mich. Der Leser mag selbst beurteilen, ob ihm das reicht oder zu wenig ist. Oder gar zu viel 😉
    Lg, Jery

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    1. Dass du selbst Sprachen für deine Welt entwickelst finde ich toll, selbst wenn es nur Bruchstücke sind. Es kann ihr einfach so viel mehr Tiefgang geben, wenn man ein wenig Arbeit in diese Dinge steckt und das habe ich bei eigenen Projekten schon selbst erleben können.
      Den Schwerpunkt auf die sozialen und ökonomischen Aspekte einer Welt zu legen, kann ich auch gut verstehen und ich habe es selbst gerne so gehandhabt.
      Wie viel man als Leser an Sprachen in einer Welt mag oder nicht mag, ist natürlich rein subjektiv. Ich persönlich bevorzuge – als Autor, wie auch als Leser – die erste Variante, da sie simpel und elegant ist. Außerdem muss ich gestehen, dass es mir zu viel Aufwand wäre, eine neue Sprache zu lernen – vor allem, wenn ich mit niemandem darin sprechen kann; mir reichen schon die Sprachen unserer Welt 😀
      Ein paar Brocken Sindarin zu können, ist aber trotzdem ein gutes Gefühl 😉

      Lg, WB

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