Mjöllnir – Nordische Mythologie in Bilderform

Schon in früheren Artikeln auf phanwelten habe ich erwähnt, dass die nordische Mythologie eine große Rolle in der klassischen Fantasy spielt. Schon von Tolkien an haben sich Weltenschöpfer immer wieder an ihr orientiert, wenn sie ihre Geschichten schrieben. In den meisten Fällen spielt sie nur eine unterstützende Rolle. Heute möchte ich mich aber auf eine Geschichte konzentrieren, die die Welten auf Yggdrasil ins Zentrum des Geschehens rückt.

Dabei wird die ganze Idee jedoch auf eine andere Weise dargestellt, als es in der klassischen Form der nordischen Mythologie der Fall ist. Es kommt zu einer Vermischung der klassischen Motive mit den typischen Stilmitteln, die in der High Fantasy genutzt werden. Dies ist ein gewagter Schritt, den die beiden Macher eingegangen sind. Und ein weiterer recht gewagter Schritt ist das Darstellungsmitteln, das sie für die Erzählung ihrer Geschichte verwendet haben: ein Comic.

Ein Zwerg mit eines Gottes Namen

Der Comic Mjöllnir erzählt die Geschichte des Zwergs Thor, der in seinem Leben schon so manchen Krieg geschlagen hat und der ewigen Kämpfe schon zu Beginn der Geschichte müde ist. Er will eigentlich nichts lieber, als ein beschauliches Leben mit seiner Familie zu führen. Nicht so jedoch die Menschen. Die überfallen immer wieder die Dörfer der Zwerge, denen sie sich überlegen fühlen.

Zwerg Thor sieht vom Cover herab

Einer von ihnen, der sich der König der Spiele nennt, entführt immer wieder Zwerge, um sie in seiner Kampfarena gegen wilde Bestien und seine Soldaten antreten zu lassen. Zu Beginn der Geschichte führt Thor ein Kommando Zwerge in dessen Stadt, um zwei dieser Zwerge zu befreien. Die Zwerge stürmen die Arena, können aber nur einen der Zwerge retten. Als sie mit ihm fliehen wollen, werden die Tore der Arena geschlossen und der König der Spiele hat sie nun in seiner Gewalt.

Thor wird seines Beils beraubt, aber er fordert ihn dennoch heraus. Die Menschen geben ihn wegen seinem Namen nur einen Hammer für den Kampf. Der stellt sich aber schnell als der Hammer des Gttes Thor heraus: Mjöllnir. Der Zwerg Thor beschwört einen Blitz und tötet damit den König der Spiele. Die restlichen Menschen der kleinen Stadt lassen die Zwerge ziehen, da sie Angst haben, sie könnten es wirklich mit einem Gott zu tun haben.

Die erste Hälfte des Comics entspinnt sich nun langsam immer weiter in eine Richtung, in der alle zu glauben beginnen, Thor könnte tatsächlich ein Gott sein. Immer wieder ruft er einen Blitz hervor, wenn er keine andere Möglichkeit sieht, wie er sich oder seine Lieben schützen kann. Als sein Sohn von einem Mordkommando getötet wird, das eigentlich ihm galt, holt er ihn ebenfalls mit einem Blitz ins Leben zurück. Seine Seele ist jedoch in Niflheim, der Unterwelt, gefangen. Thor macht sich auf den Weg entlang der Regenbogenstraße, um den einzigen Mann zu finden, der seinen Sohn von dort zurückholen kann.

Er findet ihn und stellt ihn zur Rede. Er will ihn zwingen, dass er seinen Sohn ins Leben zurückholen soll. Was er dabei nicht weiß, ist, dass dieser Mann die Reinkarnation des Gottes der Täuschung, Loki, ist und damit sein Bruder. Denn er ist tatsächlich Thor, der Gott des Donners und des Krieges. Wenig später offenbart ihm Loki dieses Wissen und schlägt ihm einen Handel vor. Das Leben seines Sohnes dafür, dass er mit ihm Ragnarök ausruft, den Krieg gegen die Götter.

Gezeichnete Gewalt

Die zweite Hälfte des Comics wird vom Krieg zwischen den Göttern und den Bewohnern Midgards bestimmt, der in einem gut gelungenen Finale endet, das ich an dieser Stelle jedoch nicht offenbaren will. Ich kann nur so viel sagen, dass es durchaus zufriedenstellend ist und auf jeden Fall eine fantastische Dramatik in sich trägt.

Vor allem die Kampfszenen sind sehr gut gemacht.
Vor allem die Kampfszenen sind sehr gut gemacht.

Was in meinen Augen auch die Beschreibung fantastisch verdient – sofern ich das beurteilen kann – ist der Zeichenstil des Comics. Er ist bestimmt von klaren Linien, die aber nicht an Details sparen. Außerdem wurden vor allem die Kämpfe wirklich gut dargestellt, was in diesem Genre nicht unwichtig ist. Man kann also gut erkennen, dass eine Menge Arbeit in die Darstellung der Geschichte, der Charaktere und auch der nordischen Landschaft gesteckt wurde, was der Lebendigkeit und dem Realismus der Welt auf jeden Fall zuträglich ist.

Die Wahl eines Comics als Darstellungsmittel für die Geschichte habe ich ohnehin recht interessant gefunden, denn bisher habe ich die klassische High Fantasy noch nie in dieser Form betrachten können. Der große Vorteil ist einfach, dass man durch die Bilder eine äußerst lebendige Welt gestalten kann. Was aber nicht bestritten werden kann, ist, dass in einem Buch die meisten Hintergründe an den Leser gebracht werden können. Der Comic lebt einfach von einer wesentlich schnelleren Erzählweise, durch die ein paar Details verschwinden können.

In weltlichen Belangen

Dennoch kann man ohne zu zögern sagen, dass die Macher mit dem, was sie zur Verfügung hatten, eine recht schlüssige Welt schaffen konnten. Dabei darf man aber nicht vergessen, welchem Zweck die Welt im Falle von Mjöllnir diente. Den Autoren ging es ohne Zweifel nicht darum, eine schlüssige und auch schöne Welt zu erschaffen. Diese diente ihnen höchstwahrscheinlich nur als Mittel zum Zweck: als Rahmen für ihre Geschichte.

Aber auch die restlichen Illustrationen im Buch sind sehr schön gestaltet

Man erkennt dies an einigen Punkten. Beispielsweise werden keine Orte genannt, die für die Geschichte nicht von Relevanz wären, außerdem erfährt man nur sehr wenig über die Vergangenheit der Welt. Beides ist aber dem Gedanken, eine spannende, schnelle Geschichte zu schreiben geschuldet. In meinen Augen hätte es der Geschichte aber sicher auch nicht geschadet, hätte man ihr ein wenig mehr Details angedeihen lassen.

Andererseits ist der Teil der Welt, der gezeigt wurde, durchaus stimmig und gut durchdacht, was es nur umso trauriger macht, dass man die Welt nicht weiter gestaltet hat. Wie an der Geschichte klar wird, orientierten sich die Macher mit ihrer Welt stark an der nordischen Mythologie, auch wenn sie diese ein wenig zurechtbiegen. Die Regenbogenstraße, die entlang des Weltbaums Yggdrasil von einer Welt zur anderen führen sollte, wird in der Geschichte nämlich erwähnt. Der Weltenbaum selbst geht allerdings unter.

Weltenwertung: Cool gemacht
Die Welt bekommt von mir ein starkes C für cool gemacht. Ich hätte mir für die Welt sicherlich ein wenig mehr Details gewünscht und ich hätte es gern gesehen, wenn die Vergangenheit ein wenig mehr ins Zentrum der Geschichte gerückt würde. Die Dinge jedoch, die von der Welt gezeigt werden – und das ist auch nicht unbedingt wenig – sind aber schön gestaltet und erzeugen dadurch eine recht runde Welt. Für Freunde der nordischen Mythologie und des kleinen Volkes ist er Comic also auf jeden Fall einen Blick wert.

Wie steht ihr zur nordischen Mythologie und den Wiedergeburten, die sie immer wieder erfährt? Und was ist eure Meinung zu Comics – kindisch oder gute Begleitliteratur? Hinterlasst mir doch gerne einen Kommentar (:

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