Wie Alice in das Loch

Es ist nicht leicht, über ein Buch zu schreiben, dass einem rundum gefallen hat. Was will man schließlich groß darüber sagen. Es ist gut. Das war’s dann auch schon. Bei einem Buch, dass Fehler aufweißt, ist das einfacher. Man kann sagen, was einem nicht gefallen hat und vielleicht sogar anmerken, was man anders gemacht hätte, wenn man es denn weiß. Dieser ganze Stoff fällt allerdings weg, wenn man über ein Buch schreibt, dass einem wirklich gut gefallen hat, bei dem man nicht wüsste was man ändern sollte. Ich werde es jetzt dennoch versuchen.

Das Buch, von dem ich im Moment spreche, ist Der Anschlag vom großen amerikanischen Mystery- und Horror-Autor Stephen King. Sollte dieser Mann jemandem in meiner Leserschaft kein Begriff sein, so solle er das bitte so schnell wie möglich ändern. Es ist ja nicht so, als hätte er erst wenig veröffentlicht. Vor allem mit Titeln wie The Shining, Es und The Green Mile hat er weltweite Bekanntheit erlangt. Eines seiner Bücher, Arena, wird im Moment als Fernsehserie verfilmt und reiht sich dabei in eine nur unwesentlich kürzere Filmographie ein.

Der Anschlag gehört allerdings zu Kings neueren Werken. Es ist im Jahre 2011 erschienen, was aber nicht bedeutet, dass seither nicht auch noch drei andere Werke aus seiner Feder bei uns auf den Markt kommen konnten. Die Schreibgeschwindigkeit von diesem Mann ist wahrlich gewaltig. Wie kann man es schaffen, so viele Bücher in einem solch Zeitraum zu schreiben? Immerhin ist er mit seinen 66 Jahren ja auch nicht mehr der Jüngste. Und die ganzen Bücher, die er unter seinen zwei verschiedenen Pseudonymen auf den Markt gebracht hat, sind noch nicht einmal miteingerechnet. Aber ich merke, ich schweife mal wieder ab.

Alles begann in einer Burgerbude

Die Geschichte von Der Anschlag beginnt in einer Schule. Dort sitzt der Englischlehrer Jake — aus dessen Sicht auch erzählt wird — und korrigiert die letzten Arbeiten seiner Schüler. Er bekommt auf einmal einen Anruf vom Burgerbrater seines Vertrauens, Al, der ihn bittet, doch in dessen Laden zu kommen. Seine Stimme klingt schrecklich, was Jake verwundert. Er war doch erst gestern bei ihm und da sah er noch quickfidel aus. Schnell beendet er seine Arbeit und fährt dann zu seinem Freund.

Beim Trailer angekommen, in dem sich dessen Laden befindet, kommt die nächste Überraschung. Al sieht aus, als wäre er halb tot. Krebs, erklärt er. Seit vier Jahren. Jake ist selbstverständlich verwirrt, doch Al erklärt ihm die Sachlage daraufhin sehr anschaulich. Er bringt seinen liebsten Gast in die Abstellkammer seines Ladens. Ein kleiner Raum, in dem es nach Kaffee und Putzmittel riecht. Er fordert ihn auf weiterzugehen, wo es doch eigentlich nichts geben sollte. Ehe Jake sich versieht befindet er sich auf einer unsichtbaren Treppe, die ihn hinaus aus dem Trailer und hinein in eine andere Welt führt. In die Welt des Jahres 1958.

Stephen King -- Meister von Mystery und Horror (Bild von Pinguino)
Stephen King — Meister von Mystery und Horror (Bild von Pinguino)

Erstaunt durchstreift er diese ein paar Stunden lang und kehrt dann zu Al in das Restaurant zurück. Er war zwei Minuten weg. Nicht länger. Denn so lange dauert jeder Trip in die Vergangenheit, egal wie lange man dort bleibt. Warum das Loch im Raum-Zeit-Kontinuum dort ist, weiß Al nicht. Er selbst ist auch nur darüber gestolpert und nutzte es daraufhin zu seinem Vorteil. Er kaufte das billige Fleisch im Jahr 1958 und brachte es durch den Kaninchenbau zurück in die Gegenwart. So nennt er das Loch und das passt gut. Er ist verborgen und bringt einen in eine Welt, in der irgendwie alles anders ist.

Nur mal kurz die Welt retten

Al erklärt Jake dann, warum er ihm davon erzählt hat. Er hat den Plan, etwas zu verhindern, was am 22. November 1963 geschah: Das Attentat auf John F. Kennedy, den damaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten. Er glaubt nämlich, dass dadurch einige der schlimmsten Dinge der Weltgeschichte nach diesem Zeitpunkt verhindert werden können. Die Geschichte wäre nicht gut, wenn Jake nicht letzten Endes einwilligen würde. Er wird es tun. Er wird JFK retten. Aber dabei wird er es nicht belassen, denn es gibt noch andere Dinge, die er in der Vergangenheit verändern möchte.

Wie jeder sofort erraten kann, entwickelt sich die Geschichte um den Englischlehrer in der Vergangenheit natürlich nicht einfach. Die Vergangenheit hat nämlich wirklich etwas dagegen, verändert zu werden und legt Jake deshalb immer wieder Steine, geplatzte Reifen und aggresive Psychopathen in den Weg. Das ist aber nicht das einzige, was die Vergangenheit für ihn inpetto hat. Von wütenden Mafiosi über grantige Kleinstädter muss sich Jake mit allerlei Dingen herumschlagen, während er darauf wartet, dass der Tag der Tage näherrückt.

Mit all diesen kleinen Nebengeschichten füllt Stephen King einen Zeitraum von insgesamt fast sechs Jahren mit so viel Inhalt, dass man nicht weiß, wie einem geschieht, wenn alles zu Ende erzählt ist. Aber nicht nur das macht dieses Buch so unglaublich. Die Charaktere sind glaubwürdig und bringen alle ihr eigenens Leben und ihre eigene Geschichte mit sich. Und der Stil, mit dem King seine Welt in Worte kleidet ist einfach unbeschreiblich gut. Ein wahrhaft königliches Vergnügen also, es zu lesen.

Der Anschlag führt einen zurück in die 50er und 60er
Der Anschlag führt einen zurück in die 50er und 60er

Im Lauf der 60er-Jahre

Über die Welt lässt sich jedoch nicht besonders viel sagen. Das liegt aber nicht daran, dass er sie nicht ausführlich genug beschreibt, denn das ist bestimmt nicht der Fall. Es liegt einfach daran, dass es über die Welt selbst kaum etwas zu sagen gibt, da es sich ja um die Vergangenheit unserer eigenen Welt handelt. King erzählt über das Amerika der 50er und 60er Jahre. Er schreibt über die Leute, über die Nettigkeit und Unfreundlichkeit und darüber, dass damals doch alles viel besser war, als es jetzt ist.

Das ist auch einer der wenigen Punkte, die ich an er Darstellung der Welt bekritteln kann. So gut sie auch sein mag, hat King sich doch hin und wieder dazu hinreißen lassen, sie ein wenig besser darzustellen, als sie in Wirklichkeit war, doch das kann man ihm nicht einmal jemand verübeln. Die frühen 60er waren die Zeit, in der Stephen King aufgewachsen ist. Dass er sie deshalb ein wenig illusorischer sieht, als sie in Wirklichkeit waren, ist also verständlich. Wie viele Leute denken heute schließlich wehmütig auf die späten 90er zurück, da dies doch die beste Zeit gewesen sei.

Durch die vielen genannten Lieder, durch seinen szenischen Schreibstil und durch die vielen Details macht er das aber schnell wieder wett, denn das Amerika der frühen 60er lebt einfach. Zumindest erscheint es einem so, wenn man das Buch liest. Letzten Endes kann es dem Leser aber doch mehr oder weniger egal sein, wie die Welt gestaltet wurde, denn es zählt in diesem Fall einfach nur die Geschichte und der wunderbare Stil von Stephen King, mit dem er den Leser in seinen Bann zieht und gleichzeig verzaubert. Er zieht ihn hinein in den Karninchenbau seiner Phantasie und lässt ihn daran teilhaben. Alles in allem ein wirklich brillantes Buch.

Weltenwertung: Beeindruckend

Es ist schwer für mich, diese Welt zu bewerten, da es sich hierbei technisch gesehen um unsere Welt handelt und dabei wurde diese nicht einmal wirklich verändert. Wenn ich aber deren Darstellung betrachten muss, so kann ich sagen, dass diese wirklich großartig ist. Allerdings wurde sie nur zum Wohl der Geschichte so gut gemacht, was für den Stil dieses Buchs aber sehr gut passt. Deshalb bekommen die 60er-Jahre Amerikas aus der Feder von Stephen King von mir ein wohlgemeintes B für beeindruckend.

Mögt ihr Stephen King und was habt ihr schon von ihm gelesen oder gesehen? Und was haltet ihr von dem doch recht gewagten Thema, das er hier gewählt hat? Hinterlasst mir doch einen Kommentar (:

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