Fremde Welten: Eine nicht ganz so böse Fee

Von Jessica Braunegger

„Es waren einmal vor langer Zeit zwei verfeindete Königreiche. Eines gehörte den Menschen, die voller Neid und Habsucht auf ihr Nachbarreich blickten, aber es nicht wagten dort hinzugehen. Dieses Reich war voller Schönheit und Magie und gehörte allerlei fantastischen Wesen. Dort lebte eine junge Fee, deren Schönheit und Güte die aller anderen übertraf und ihr Name war Maleficent.“

So beginnt Maleficent – Die Dunkle Fee, die Neuverfilmung des Disney-Klassikers Dornröschen aus dem Jahr 1959. Jetzt, 55 Jahre später, wird die Geschichte erneut erzählt, diesmal jedoch aus der Sicht der bösen Fee Malefiz, die in der Neufassung ihren englischen Originalnamen „Maleficent“ behalten durfte.

Krieg und Liebe

Zu Beginn ist Maleficent noch eine sehr junge Fee, der schon als Kind große Hörner aus der Stirn wachsen. Mit ihren mächtigen Schwingen verbringt sie ihre Zeit damit, fliegend das magische Reich zu erkunden, mit den anderen magischen Wesen herumzutollen und Bäume zu heilen. Eines Tages schleicht sich der Menschenjunge Stefan aus dem Menschenreich ein, um einen Edelstein zu stehlen, die es im Land der Magie wie Sand am Meer gibt. Maleficent erwischt den jungen Dieb und bugsiert in wieder zurück in seine Heimat, nicht allerdings ohne Freundschaft mit dem bettelarmen Burschen zu schließen. Diese Freundschaft hält sich über Jahre und mit der Zeit wird mehr daraus – mit 16 Jahren schenkt Stefan Maleficent den ersten Kuss, den Kuss der wahren Liebe.

Der Rabe ist ein Symbol von Malefiz (Bild von Elias Chatzoudis)
Der Rabe ist ein Symbol von Malefiz (Bild von Elias Chatzoudis)

Je älter die beiden aber werden, desto mehr beginnt Stefan sich von ihr zu entfernen und wendet sich stattdessen dem Menschenreich und dem Streben nach Macht und Reichtum zu. Maleficent ist inzwischen erwachsen und zur mächtigsten Fee aufgestiegen, der Hüterin des magischen Reiches. Bei einem Angriff der Menschen auf ihre Heimat schafft sie es den alten König zu verwunden, der aus Zorn denjenigen zu seinem Thronfolger bestimmt, der es schaffen sollte Maleficent zu töten. Stefan ergreift seine Chance und kann sich das Vertrauen seiner früheren Liebe wieder erschleichen. Er verabreicht ihr einen Schlaftrunk, bringt es aber nicht übers Herz sie zu töten – stattdessen schneidet er ihr die Flügel ab.

Maleficent ist außer sich vor Schmerz über den Verrat ihres Geliebten, der ihre Flügel im Schloss als Trophäe aufhängt und durch Hochzeit mit der Tochter des Königs zum neuen Herrscher der Menschen wird. Das Herz der Fee versteinert und das Reich der Magie wird fortan zu einem finsteren und trostlosen Ort. Der Rabe Diaval wird ihr treuer Begleiter und Spion, den sie nach belieben in einen Menschen, einen Wolf und später sogar in einen Drachen verwandelt.

Der unbrechbare Fluch

Als Maleficent von der Geburt von Stefans Tochter erfährt, lässt sie es sich nicht nehmen bei der Taufe der Prinzessin aufzutauchen und ihr ein „besonderes“ Geschenk zu machen – die ultimative Rache an Stefan. Die dunkle Fee verflucht die kleine Aurora dazu sich an ihrem 16. Geburtstag an einer Spindel zu stechen und in einen ewigen Schlaf zu sinken. Auf Stefans Betteln hin lässt sie sich scheinbar erweichen und meint der Fluch könne durch den Kuss der wahren Liebe gebrochen werden – eine zusätzliche Pein für ihren ehemaligen Geliebten, der gleich wie sie nicht mehr an die Existenz der wahren Liebe glaubt.

Der König lässt daraufhin alle Spinnräder des Reiches in den tiefsten Verließen des Schlosses verbrennen und schickt seine Tochter mit drei guten Feen fort, um sie in der Abgeschiedenheit des Waldes sicher großzuziehen. Erst einen Tag nach Auroras sechzehntem Geburtstag soll sie wieder ins Schloss zurückkehren. Und damit sind wir am Beginn der ursprünglichen Geschichte von Dornröschen angelangt.

Gleiches gilt aber auch für den Drachen (Bild von J. Scott Campbell)
Gleiches gilt aber auch für den Drachen (Bild von J. Scott Campbell)

Düster, sarkastisch und trotzdem noch Disney

Von der ursprünglichen Dornröschen-Fassung unterscheidet sich Maleficent dadurch, dass der Film bei weitem düsterer ist als sein Vorgänger. Die dunkle Fee Maleficent ist gemein und sarkastisch – kurz gesagt ein richtiger Badass. Trotzdem bleibt sie durch und durch ein Disney-Charakter, denn tief in ihrem Inneren ist sie immer noch die herzensgute Fee von damals. Sie wird zu Auroras Beschützerin und Mutterersatz, auch wenn sie es sich selbst nicht eingestehen möchte, dass sie das „kleine Monster“ schon längst ins Herz geschlossen hat.

Unterdessen geht das Königreich der Menschen langsam zu Grunde. König Stefan, der in der 1959er-Version als das arme Opfer dargestellt wurde, verfällt durch die Rachsucht immer mehr in Wahn. Er ist so besessen davon Maleficent zu töten, dass er nicht einmal ans Sterbebett seiner Frau geht, sondern während ihrer letzten Stunden auf die abgetrennten Feenflügel starrt und Rachepläne schmiedet. Wie schon vorauszuahnen war mündet die Geschichte in einem gigantischen Kampf zwischen gut und böse. Nur steht die vermeintlich böse Maleficent eigentlich auf der Seite des Guten und erhält dabei auch tatkräftig Unterstützung von Prinzessin Aurora selbst.

Eine durch und durch zauberhafte Welt

Mit „Maleficent“ hat Regisseur Robert Stromberg eine ganz und gar magische Welt geschaffen. Tolle Special-Effects, Kamera und Schnitt sorgen dafür, dass sich nicht nur Kinder während des Films in der fremden Welt verlieren. Komponist James Newton Howard, der bereits zusammen mit Hans Zimmer an der Batman-Trilogie arbeitete, hat auch bei diesem großartigen Soundtrack ganze Arbeit geleistet.

Aber was muss man zu der nicht ganz so bösen Fee noch groß sagen?
Aber was muss man zu der nicht ganz so bösen Fee noch groß sagen?

Angelina Jolie überzeugt als Maleficent auf ganzer Linie und stellt sie als Fee mit Ecken und Kanten dar, was sie umso authentischer wirken lässt. Einzig und allein Prinzessin Aurora muss ich etwas bekritteln. Sie wirkte zu brav, unbeholfen und viel zu naiv im Gegensatz zu den anderen Figuren, die weit weniger perfekt waren als sie. Die Darstellung einer durch und durch makellosen Prinzessin machte sie nicht so sympathisch wie andere Figuren, tat dem Rest des Films aber keinerlei Abbruch in seiner Qualität.

Dornröschen war als Kind mein absoluter Lieblingsfilm, doch wie ich zugeben muss gefällt mir Maleficent doch um Längen besser. Und wie die Off-Stimme am Ende des Films verrät: „Diese Geschichte ist etwas anders, als man sie euch als Kinder erzählt hat. Aber dies ist die wahre Geschichte und ich muss es ja wissen, denn ich bin diejenige, die von allen Dornröschen genannt wird.“

Habt ihr den Film schon gesehen und wenn nicht, werdet ihr ihn euch überhaupt ansehen? Und was haltet ihr von den vielen Neufassungen der alten Märchen, die den Markt zurzeit überfluten? Hinterlasst mir doch einen Kommentar (:

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7 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wortman sagt:

    Irgendwann werde ich mir den wohl auch mal anschauen.
    Ich halte gar nichts davon, dass Neufassungen den Markt überschwemmen. Sieht es doch so aus, als wäre bei Drehbuchautoren und Regisseuren derzeit mächtig die Luft raus.

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    1. Florian Born sagt:

      Ja, das mit den Neufassungen nimmt langsam ein wenig überhand, da hast du Recht. Doch es kommen auch immer wieder gute neue Sachen in die Kinos. Sehr zu empfehlen in der letzten Zeit wären zum Beispiel Transcendence, der neue X-Men-Film und auch A long Way down (hat zwar nichts mit Fantasy oder SciFi zu tun, ist aber trotzdem zu empfehlen 😉 ).

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      1. Wortman sagt:

        Transcendence möchte ich mir auch ansehen. Den Rest eher nicht 😉

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        1. Florian Born sagt:

          Transcendence ist wirklich sehr zu empfehlen 🙂

          Dazu wollte ich doch auch mal etwas schreiben… *kritzelkritzel*

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      2. Wortman sagt:

        Ich glaube, ich finde in diesem Blog noch eine Menge zu lesen 🙂

        Kennst du John Carter oder Kaena – Die Prophezeiung? Könnte dir auch gefallen.

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        1. Florian Born sagt:

          John Carter habe ich mir schon überlegt, ob ich es ansehen soll. Mit der Empfehlung wird es bestimmt früher der Fall werden 😀

          Oh und danke fürs Folgen 😉

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      3. Wortman sagt:

        Hätte ich den Blog eher gesehen, wäre ich früher gefolgt 🙂 Ich bin totaler Fantasyfan 😀

        Also mir gefällt John Carter sehr gut. Hab ihn schon dreimal gesehen 🙂

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