Dunkel war’s

Wer die Fantasyliteratur der vergangenen Jahre beobachtet, dem wird auffallen, dass diese in letzter Zeit einen Schwenk erfahren hat. Allem voran möchte ich bitte noch klarstellen, dass ich diesen Schwenk nicht als negativ empfinde. Ich wollte nur sagen, dass er mir aufgefallen ist. Mehr nicht. Also sollte er genau euren Geschmack treffen, so steinigt mich bitte nicht virtuell! Wo war ich? Ach ja! Der Schwenk! Ich spreche hier die ganze Zeit von einem Schwenk und sage nie wohin.

Mir scheint so, als habe die Fantasy einen starken Schwenk hin zum Düsteren erfahren. Mir ist dabei durchaus klar, dass sie nie wirklich ein Genre war, dass sich durch seine enorme Fröhlichkeit ausgezeichnet hat. Was ich damit meine ist, dass die Fantasy in ihren Anfängen klar auf das Element des Epischen gesetzt hat. Es wurden riesige Schlachten ausgetragen und gigantische Monster bekämpft. Dies waren die großen Kernelemente der Fantasy. Dies beginnt sich immer stärker aufzuhören, wie mir scheint.

Stattdessen haben wir Protagonisten, die durch Gassen schleichen. Diebe und Attentäter bevölkern die Buchseiten und nehmen uns mit durch ihre Abenteuer, die sich — wer hätte es gedacht — meist in finsteren Gassen und alten Verliesen abspielen. Anstelle von Riesen haben wir oft Vampire und Werwölfe und anstelle von großen Armeen sind unseren Helden Meuchelmörder und dunkle Magier auf den Fersen. Woher kommt aber dieser Hang zum Düsteren?

Nähe zum Horror

Wie immer habe ich ein paar Theorien im Angebot, die ich euch vorstellen möchte, doch zur Abwechslung ist jede von diesen einigermaßen logisch. Die erste von ihnen geht von der näheren Genre-Umgebung der Fantasy aus. Wie den meisten bekannt sein sollte, handelt es sich bei ihr um ein Sub-Genre der Phantastik. Andere bekannte Genres die hier einzugliedern sind, sind die Science-Fiction, Mystery und — einige wissen es sicher schon — der Horror.

Dem möchte man nicht in einer dunklen Gasse begegnen (Bild von Mineworker)
Dem möchte man nicht in einer dunklen Gasse begegnen (Bild von Mineworker)

Der Horror ist also sozusagen ein Schwester-Genre der Fantasy. Dies ist nicht nur an den Ursprüngen erkennbar, sondern an auch den Themen, die behandelt werden. Beide Genres spielen gerne mit dem Unbekannten. Während sich die Fantasy hierbei aber eher mit der Sagenwelt beschäftigt, konzentriert sich der Horror auf die Ängste der Menschen. Dass hier Überschneidungen aufkommen, ist natürlich vorprogrammiert. Man muss sich also nicht wundern, wenn man auch in der Fantasy auf Riesenspinnen oder wackliege Brücken in großen Höhen stößt.

Hier ist aber trotzdem ein großer Unterschied erkennbar, denn der im Gegensatz zum Horror spielt die Fantasy nicht mit den Ängsten des Lesers, sondern mit denen ihrer Protagonisten. Diese müssen sich immer wieder ihren schlimmsten Albträumen stellen. Immerhin bieten die ja wunderbaren Erzählstoff und halten den Spannungsbogen möglichst hoch. Es scheint aber, dass viele Autoren keine anderen Ideen mehr haben, als ihre Helden von einem Horroszenario ins nächste zu schicken, um das Intersse der Leser aufrecht zu erhalten.

Nähe zur Realität

Ob man seinem Helden so viele schreckliche Dinge antun sollte, ist für mich aber fraglich. Die meisten von ihnen haben so etwas wirklich nicht verdient. Das Thema Protagonisten bringt mich gleich zu meiner nächsten Theorie. Ist euch schon einmal aufgefallen, dass es in letzter Zeit einen sehr starken Hype gegeben hat, der Diebe, Attentäter und andere Vertreter der dunklen Gewerbe ins Zentrum der Geschichte stellt? Lasst mich ein paar Beispiele bringen:

Wir hätten hier zum Beispiel Azoth aus der Die Nightangel-Trilogie — Auftragsmörder –, Garret aus Die Chroniken von Siala — Dieb –, Malden aus Ancient Blades — noch ein Dieb –, Altair aus Assassin’s Creed — noch ein Auftragsmörder –, Bruce Wayne — auch ein eher finsterer Geselle — und noch viele andere, die aufzuführen ich jetzt zu faul bin. All diese Herrschaften lassen eine klare Linie erkennen, die weg von Schwarz-Weiß-Kultur führt, wie sie in den Anfängen der Fantasy noch gerne betrieben wurde.

Und zu dem Ziel von Garett aus Thief will man auch nicht werden (Bild von Elfiika)
Und zu dem Ziel von Garett aus Thief will man auch nicht werden (Bild von Elfiika)

Stattdessen kommt es zu einem verstärkten Hang hin zu den Grauzonen und dafür bieten sich jene Helden, die gar keine Helden sind, einfach wunderbar an. Sie bewegen sich wie ihre Feinde in den Grauzonen und machen die Welt und die Geschichten bei weitem realistischer. Neben diesem neuen Hang zu den Grauzonen hat der Hype um Diebe und Attentäter noch einen ganz anderen Grund. Er lässt sich scheinbar einfach besser verkaufen als die alten Heldenepen.

Nähe zur Welt

Die letzte Theorie, die ich auf Lager habe, führt mich wieder weg von Verkaufszahlen und hin zum welten-theoretischen Bereich — ja, ich habe diesen Begriff soeben erfunden und ich stehe dazu. Wenn man sich Fantasy-Welten im Allgemeinen besieht, dann wird einem schnell auffallen, dass das meist eher düstere, raue Orte sind. Monster und das schlimmste Gesindel versteckt sich hinter jeder Ecke und will dem Protagonisten am liebsten bei lebendigem Leib die Haut abziehen.

Da ist es nur verständlich, dass Autoren die Geschichte gerne ein wenig düsterer aufziehen und nicht überall Frohsinn und Heiterkeit herrscht. Es gibt hier aber auch noch einen anderen Weg, den man beschreiten kann; neben dem der Schatten. Wie es George R. R. Martin in seinem Lied von Eis und Feuer vormacht, kann man auch in einem solchen Szenario einer harten Welt, den Weg des Epischen entlang schreiten.

Ihr Ziele scheinen auch nicht die reinsten zu sein (Bild von Saara Mäkinen)
Ihr Ziele scheinen auch nicht die reinsten zu sein (Bild von Saara Mäkinen)

Das Problem dabei ist allerdings, dass dieser Weg oft bedeutend schwerer ist. Lieber erzählt man von einem Dieb oder Mörder als sich an die Schwierigkeiten eines Kriegsschauplatzes oder eines Armenviertels heranzuwagen. Denn das Elend einer Welt in Worte zu packen ist bedeutend schwerer und kann, wenn man es nicht wirklich beherrscht, recht leicht schal und unfertig erscheinen. Die Düsternis um einen Dieb ist dabei bedeutend leichter zu meistern.


Was haltet ihr vom Trend zum Düsteren? Wie gefallen euch Diebe und Attentäter als Protagonisten und gefällt euch erzähltes Elend besser als eräzhlte Düsternis? Hinterlasst mir doch gerne einen Kommentar (:

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wortman sagt:

    Weg von der Cinderella- Fantasy hin zu den düsteren und gefährlichen Orten… das ist es, was echte Fantasy ausmacht. Sachen wie Game of Thrones u.a. würde im Weichzeichnerlook vöölig untergehen. Das Fantasy sich mit in den Bereich Mystery oder Grusel/Horror mit einbindet, ist ja kein Schaden. Ich würde eher sagen, dass wertet dieses Genre noch auf.

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    1. Florian Born sagt:

      Ich gebe dir Recht 🙂
      Und was auch noch zu sagen ist, ist dass die Fantasy dadurch ein wenig salonfähiger wird 🙂

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      1. Wortman sagt:

        Ich glaube, in den letzten Jahren hat sich die Fantasy mehr als salonfähig gemacht. Allein durch HdR und GoT.

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