Ein Hacker gegen den Rest der Welt

Endlich — nach langem Ärgern, Probieren und Verzweifeln — habe ich es geschafft, Watch Dogs zu bezwingen und die Geschichte rund um den Hacker Aiden Pierce zu Ende zu bringen. Dabei bin ich unzählige Male durch Chicago gefahren, habe mir Verfolgungsjagden mit der Polizei und Banden geliefert und mehr Verbrecher getötet, als von Videospiel-Kritikern gut geheißen werden könnte.

Dabei konnte ich eine durchaus gute Grafik und eine flüssige Spielmechanik erleben. Vor allem die Bewegungen des Protagonisten überzeugten mich in den meisten Fällen — auch wenn er hin und wieder nicht nachvollziehbare Quantensprünge vollführt. Auch die große offene Welt des nachgebildeten Chicago, in die einen die Entwickler bringen, überzeugt auf ganzer Linie. Sie wirkt lebendig, realistisch und selbst wenn die Autos teilweise unrealistisch langsam fahren, macht sie durchaus Spaß.

All das ist man von Ubisoft gewohnt und all diese Informationen könnt ihr auch in den unzähligen Testberichten herausfinden. Dafür braucht ihr mich nicht wirklich. Ich stelle dafür ganz andere Fragen. Ist die gezeigte Welt der nahen Zukunft zumindest einigermaßen realistisch? Kann Hacking wirklich so ablaufen, wie Aiden es demonstriert? Und am wichtigsten: Was taugt die Story? Fangen mit einfach mal mit letzterer an:

Hacker, koruppte Politiker und die eigene Familie

Die Geschichte fängt damit an, dass der Hacker Aiden Pierce — wohlgemerkt unser Protagonist — von einem Auftragskiller angegriffen wird. Der Angriff geht schief und an seiner statt stirbt seine kleine Nichte. Daraufhin macht sich Aiden auf die Suche nach dem Verantwortlichen für diesen Angriff. Er will die Attacke auf seine Familie nicht ungesühnt lassen, doch gleichzeitig macht sich auf einmal ein alter Partner bemerkbar. Der kommt auf ihn zu und sagt, dass jemand wegen eines alten Jobs an ihren Fersen klebt. Aiden soll dieses Problem lösen.

Hacker Aiden Pierce hat Chicago im Griff (Bild von AcerSense)
Hacker Aiden Pierce hat Chicago im Griff (Bild von AcerSense)

Der Protagonist will nicht mit dem alten Partner zusammenarbeiten. Zu sehr ist er mit der Suche nach dem Auftraggeber beschäftigt. Sein Ex-Partner lässt nicht mit sich scherzen und entführt kurzerhand Aidens Schwester und bedroht ihr Leben. Nur wenn Aiden für ihn denjenigen findet, der die Informationen über den alten Job hat, lässt er sie wieder frei. Aber als wäre das nicht genug muss Aiden auch immer wieder für seinen Kumpel Jordi einspringen und Fixer-Aufträge erledigen, weil er dem Mann mit asiatischer Herkunft einen Gefallen schuldig ist.

Dazu kommen noch die Hacker der Gruppe DedSec, die mitmischen wollen und natürlich die ein oder andere Bande, die auch noch ein Stückchen von Aiden abhaben will. Die Geschichte entwickelt sich zu einem schnell erzählten, dramatischen Thriller, der jedes Element des Genres ausschöpft. In seinem Zentrum steht dabei ein realistischer Protagonist, der versucht, es alleine mit dem Rest der Welt aufzunehmen und lernen muss, dass er das nicht schaffen kann. Für seine Familie muss er Opfer bringen, die nicht bringen will und Entscheidungen fällen, die zu groß für einen einfachen Mann sind.

Chicago wie es sein könnte?

Die Geschichte spielt dabei — wie bekannt sein dürfte — im Chicago der nahen Zukunft. Es werden zwar keine genauen Daten genannt, doch man kann davon ausgehen, dass der Plot circa im Jahr 2016 oder ein wenig später angesiedelt ist. Die Stadt wurde in dieser zukünftigen Welt mit einem hochtechnisierten Computernetzwerk namens ctOS ausgestattet. Dieses kontrolliert sämtliche Kameras, Straßensperren, Lautsprecher und Brücken im öffentlichen Raum und kann jederzeit darauf zugreifen.

Dabei kommt noch hinzu, dass das Netzwerk Informationen über jeden Bewohner Chicagos gespeichert hat, die über Gesichtserkennungs-Software aufgerufen werden können. Gehalt, Alter, Familienstand, Krankheitsgeschichte, Vorlieben, Ticks und so weiter. Alles, was für die Stadt von Nutzen sein könnte, wird in riesigen Servenfarmen gehortet. All das dient — zumindest laut Angaben der Blume Technologies Group lediglich der Sicherheit der Bürger. Mit dem CtOs sollen Verbrechen nämlich nicht nur erkannt sondern auch verhindert werden können, denn natürlich kann die Polizei jederzeit Zugriff auf das Netzwerk bekommen.

Clara Lille von DedSec steht ihm zur Seite (Bild von vgwallpapers)
Clara Lille von DedSec steht ihm zur Seite (Bild von vgwallpapers)

Es stellt sich hierbei dann natürlich die Frage, ob ein solches System, das jederzeit auf Smartphones und Tablets der bürger zugreifen kann, nicht auch Schattenseiten hat. Meiner Meinung nach ist die Antwort „Ja“. Denn dadurch kann ein Rechtsstaat sehr schnell zu einem Überwachungs- oder Polizeistaat werden, in dem die Rechte der Bürger mir nichts dir nichts mit Füßen getreten werden könnten.

Durch die Hintertür — das klingt irgendwie falsch…

Für den Spieler und natürlich auch für den Protagonisten stellt das CtOs aber ein gelungene Möglichkeit dar. Aiden Pierce ist es nämlich gelungen, sich Zugriff zum CtOs zu verschaffen, indem er eine Backdoor in die Hauptserver des ctOS installiert hat. Damit kann er von überall mit seinem Smartphone auf die Daten zugreifen und so Informationen zu jedem Bürger Chicagos erhalten und dabei sogar noch einen Schritt weiter gehen. Von einigen Bürgern kann er Kontodaten hacken, was noch stärker verdeutlicht, was das System über jeden einzelnen Bürger weiß.

Eine Überwachungskamera stellt keine Schwierigkeit dar (Bild von prophets10)
Eine Überwachungskamera stellt keine Schwierigkeit dar (Bild von prophets10)

Das Hacking selbst wurde von Ubisoft dabei realistisch dargestellt. In vielen Hollywood-Produktionen ist es ja der Fall, dass es aufgemotzt wurde, da es ja sonst zu langweilig sei. In Watch Dogs ist das aber zum Glück nicht der Fall. Mitarbeitern des Kaspersky Lab wurde das Drehbuch des Spiels gezeigt und diese meinten, dass sehr gut gemacht und nahe an der Realität sei.

Dabei wirkt das Hacken im Spiel aber nicht einmal langweilig. Es geht flott vonstatten und ist spannend aufbereitet. So muss man sich zum Beispiel zuerst recht oft manuell Zugang zu einem gewissen Bereich verschaffen, wenn man ihn hacken will. Trotzdem geht es so leicht, dass man beim Spielen hin und wieder Angst um die eigenen Daten bekommt, vor allem wenn bedenkt, dass solche Smartcities, wie in Watch Dogs präsentiert, in gar nicht allzu ferner Zukunft liegen könnten.

Weltenwertung: Beeindruckend

In Watchdogs wird eine gut gemacht zukünftige Welt präsentiert. Sie wirkt realitätsnah und strotzt an vielen Stellen nur so vor Details. Die Stadt wird gut dargestellt und die Personen wirken sehr echt. Vor allem das ctOS ist es aber, was Watch Dogs seinen Reiz gibt, vor allem wenn man bedenkt, dass es in unseren Städten in naher Zukunft nicht viel anders aussehen könnte. Leider weist das Spiel hin und wieder kleine Macken in der Darstellung auf und es gibt einige Dinge, die vielleicht ein wenig besser hätten erklärt werden können. Deshalb bekommt die Welt von mir ein B für Beeindruckend.

Habt ihr Watch Dogs schon gespielt und werdet ihr es überhaupt spielen? Und glaubt ihr, dass ein System, wie im Spiel dargestellt, auch in der Realität entstehen könnte? Hinterlasst mir doch einen Kommentar (:

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