Die Wege der Magie — Teil 1

Was wäre die Fantasy ohne Magie? Natürlich, sie wäre immer noch voller fremder Wesen in ebenso fremden Welten. Sie wäre voller Kriege und voller Intrigen. Sie wäre voller Abenteurer und finsterer Schurken und sie wäre immer noch voller hübscher Jungfrauen und Drachen, die sie entführen wollen. Aber ihr würde etwas fehlen, nämlich das was uns Weltenbummler an der Fantasy am meisten fasziniert. Ihr würde das fehlen, was wir nicht haben. Ihr würde der größte Reiz fehlen, den sie auf uns auswirkt. Ihr würde das fehlen, was uns verzaubert.

Die Magie ist vermutlich der Faktor, der die Fantasy am stärksten von allen anderen Genres der Literatur abhebt. Ihre Existenz ist das, was die Fantasy erhält und ihre Bewiesenheit und Erklärbarkeit in den fernen Welten ist, was sie von der Mystery und dem Horror abgrenzt, die doch beide nur in Rätseln sprechen. In unzähligen fernen und verdrehten Welten ist die Magie an der Tagesordnung. Sie ist für Menschen wie auch für Elfen, Zwerge und Orks oft nichts besonderes mehr.

In manchen Welten ist die Magie etwas Alltägliches, was in Schulen oder Universitäten unterrichtet wird. In manchen ist es eine natürliche Begabung, die weder erlernt noch erklärt werden kann. In manchen Welten ist sie an den Magier selbst gebunden und heißt auch oft ganz anders. Um die Magie als das, was sie ist, zu verstehen, muss man aber erst erkennen, welche Variationen von ihr von den Weltenschöpfern beschrieben wurden. Ich habe mir die Freiheit genommen, verschiedene Formen der Magie herauszusuchen und zu vergleichen. Ob die eurer Vorstellung davon entsprechen weiß ich ehrlich gesagt nicht, aber ich hoffe einfach darauf.

Durch den Zauberer selbst

Die erste Variation der Magie, die ich gewählt habe, ist zugleich jene, die als eine der ersten aufgekommen ist. Schon der sogenannte Urvater der Fantasy, John Ronald Reuel Tolkien (Der Herr der Ringe), hat von ihr Gebrauch gemacht, aber auch eine der bekanntesten Fantasy-Reihen der Gegenwart greift auf sie zurück: Harry Potter. Sowohl Tolkien als auch Rowling bedienen sich einer Form der Magie, die durch den Magier selbst entsteht. Die Magie kommt also durch das Wesen des Zauberers zustande.

Stürme erschaffen? Für Magier kein Problem (Bild von m-a-t-h-e-s)
Stürme erschaffen? Für Magier kein Problem (Bild von m-a-t-h-e-s)

In Arda sieht dies so aus, dass Magie nichts ist, das man erlernen kann. Entweder man hat man von Ilúvatar die Möglichkeit erhalten, Zauber einzusetzen oder nicht. Diese Gabe liegt meist in der Maiar verborgen doch weisen auch die Mächtigen der Elben die Gabe der Magie auf. Die gewöhnlichen Sterblichen sind nicht in der Lage zu zaubern. Für manche der Maiar ist es jedoch nichts außergewöhnliches. Das bekanntest Beispiel dafür sind die Istari wie Gandalf der Graue — beziehungsweise Gandalf der Weise, wie er später genannt wird.

In J. K . Rowlings Harry Potter sieht die Sachlage nicht sehr viel anders aus. Die Zauberer haben ihre Fähigkeit von Geburt an, sie müssen jedoch erst lernen, wie sie damit umgehen sollen. Das Talent selbst wird dabei vermutlich im genetischen Code weitergegeben, schließlich spricht man von reinblütigen und mischblütigen Zauberern. Was den beiden genannten Varianten gemein ist, ist dass die Magie durch den Zauberer selbst geschaffen wird, der aber keine besondere Energie dafür benötigt.

Aus dem Zauberer heraus

Im Gegensatz dazu steht die nächste Kategorie, die ich gewählt habe. Bei dieser wird die Magie in einer Reservoir im Magier gespeichert. Die Magie ruht also in ruhender Form im Magier. Er kann nach eigenem Gutdünken auf diese Energie zugreifen und sie in verschiedenste Zauber umwandeln. Dies kann entweder durch die Kraft der Gedanken, durch Worte oder durch Gesten vonstatten gehen. Klar ist aber immer, dass sich diese magische Kraft aufbraucht. Unterschiede sind wieder darin erkennbar, wie man neue Kraft gewinnt.

Schwarze Magier sind ebenso mächtig (Bild von Caprotti)
Schwarze Magier sind ebenso mächtig (Bild von Caprotti)

Bei Paolinis Eragon, bei Canavans Sonea und auch bei Weeks‘ Der Weg in die Schatten entsteht die magische Kraft im Magier selbst. Sie wird in dessen Körper selbst gebildet. Bei Eragon durch Rasten, bei Sonea einfach durch den Lauf der Zeit. In der Nightangel-Saga wird es so beschrieben, dass der Magier im Sonnenlicht oder Flammenschein sein muss, um magische Kraft zurückzuerhalten. Er benötigt also Licht dafür.

Bei Markus Heitz Die Zwerge sieht das ganze hingegen so, dass die Magie in der Welt selbst gespeichert ist und die Magi diese aus den magischen Feldern ziehen und in sich selbst speichern können. Wenn man von solchem Speichern spricht, so muss auch angemerkt werden, dass die magische Kraft in manchen Reihen auch in Gegenständen gespeichert werden kann, um so einen größeren Vorrat zu schaffen. Eragon kann sie zum Beispiel in Edelsteinen und seinem Drachen Saphira lagern.

Aus dem Umfeld

Beim Beispiel von Markus Heitz merkt man schon Parallelen zu meiner dritten Kategorie. In dieser ist die magische Energie im Umfeld der Welt gespeichert und kann so vom Magier bezogen werden. Er zieht sie also quasi in sich hinein und gibt ihr dann die Form, in der er sie gerade benötigt. In dieser Form gibt er sie wieder in die Umwelt ab, woraufhin sie sich auf die eine oder andere Art auswirkt.

Diese Kategorie der Magie kann man unter anderem bei Canavans Das Zeitalter der Fünf und auch in Weeks Licht-Saga erkennen. Bei beiden wird die Energie aus der Umwelt genützt, um Zauber zu wirken. Bei Canavan sind dies dabei die klassischen Zauber und auch die Magie ist in ihrer typischen Urform anzufinden, sprich als einfache Energie, die dann umgewandelt wird. Die Energie ist dabei überall in der Welt Ithania aufzufinden und kann von jedem, der über die nötigen Fähigkeiten verfügt, genutzt werden.

In Büchern und Schriftrollen werden viele Zauber überliefert (Bild von emilieleger)
In Büchern und Schriftrollen werden viele Zauber überliefert (Bild von emilieleger)

Bei Weeks sieht das schon wieder anders aus. In den Lightbringer-Büchern können die Chromaten — das Equivalent zu Magiern in den sieben Satrapien — das Licht zu einem mehr oder weniger festen Material bündeln. Dabei können sie aber immer nur auf ein bestimmtes Spektrum der Farben zugreifen. Einzig das Prisma, der mächtigste der Chromaten, kann alle Farben von ultraviolett bis infrarot erzeugen. In beiden Welten ist klar ersichtlich, dass die Magier ohne die Außenwelt und die Energie in ihr keine Magie wirken können.


Damit belasse ich es jetzt mal fürs erste, aber keine Sorge. Hier kommt ihr schon zum zweiten Teil meiner Mini-Reihe. Aber jetzt möchte ich erst einmal von euch wissen, ob ihr noch andere Beispiele meiner Kategorien kennt, oder würdet ihr vielleicht sogar komplett anders einteilen? Hinterlasst mir doch einen Kommentar (:

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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wortman sagt:

    Mit den einteilungen kann ich leben 🙂
    Persönlich bevorzuge ich die Magier, die das Gen schon in sich tragen. Bei mir gibt es Magier, die benutzen einen Zauberstab (Gandalf/Potter) aber auch Magier, die zusätzlich nur mit ihren Händen arbeiten.

    Interessant finde ich die Techno – Magier (Galen – Babylon 5). Sie können sogar ganze Räume erschaffen (ähnlich dem Holodeck bei TNG) aber man kann Szenen nur sehen, nicht dort eingreifen… wie eben bei dem Holodeck.

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    1. Florian Born sagt:

      Es kommen sowieso noch drei Gruppen, also lass dich überraschen 😉
      Techno-Magier klingen ziemlich cool, sind aber nicht dabei ^^

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      1. Wortman sagt:

        Naja, da kann ich mit leben 😉 Die Techno-Magier sind eh nur im Babylon 5 Universum aktiv 🙂
        Bin ich mal gespannt, was du da noch für zwei Gruppen erschaffen hast.

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        1. Florian Born sagt:

          Sind ein wenig ungewöhnlicher 😉

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      2. Wortman sagt:

        DAS höre ich gerne 🙂

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