Alte Freunde — alte Feinde

In der Psychologie geht man davon aus, dass jeder Mensch in seinem Verstand bestimmte Personentypen angelegt hat, nach denen er Menschen kategorisieren kann. Dies erleichtet es uns, Zugang zu fremden Personen zu finden und ermöglicht es uns weiterhin, dass wir schnell mit diesen interagieren können. Dadurch müssen wir die Profile der Menschen in unserem Umfeld nicht immer neu anlegen, sondern können diese einfach verändern, sodass sie letzten Endes der realen Person entsprechen.

„Schön und gut, wenn du uns hier ein Nachhilfestunde in Oberstufenpsychologie gibst“, werden jetzt ein paar von euch sagen. „Aber was hat das alles jetzt mit Phantastik zu tun?“ Das möchte ich euch gerne beantworten. Wie im realen Leben, werden auch in den Welten der Phantastik immer wieder bestimmte vorgefertigte Typen verwendet, denen man in so gut wie jeder Welt begegnen kann. Wie im Vergleich zur Psychologie unterscheiden sie sich zwar ein wenig voneinander, gehen jedoch alle vom gleichen Urbild aus.

Getreu dem Einstiegsthema bekommen diese Urbilder einen Namen aus der Psychologie verpasst, denn diese Bilder, die beinahe jeder Autor verwendet, werden gerne als Archetypen bezeichnet. Karl Gustav Jung nutzte diesen Begriff in seiner Deutung der Träume, in denen immer wieder ähnliche Figuren auftauchen sollen. Interessanterweise entsprechen manche dieser Figuren sogar jenen aus den Welten der Phantastik. Im Anschluss möchte ich euch gerne ein paar vorstellen.

Der elternlose Held

Wie oft haben wir an seiner — oder ihrer — Seite gekämpft? Wie oft haben wir geflucht, gelacht und getrauert und letzten Endes voller Bangen herausgefunden, woher er oder sie wirklich stammt? Der elternlose Held ist vermutlich der bekannteste unserer Archetypen. Seine Eltern hat er entweder in früher Kindheit verloren oder ist ihnen gar nie begegnet. Er ist bei Verwandten aufgewachsen — manche nett, manche nicht. Und schließlich ist er aufgebrochen, um das größte Abenteuer seines Lebens zu erleben.

Luke ist der elternlose Held in Star Wars (Bild von wraithdt)
Luke ist der elternlose Held in Star Wars (Bild von wraithdt)

Wenn ich hier anfange, porminente Beispiele aufzuzählen, bin ich wahrscheinlich übermorgen noch nicht fertig, aber ich gebe euch eine kleine Liste: Harry Potter, Luke Skywalker (Star Wars-Trilogie), Lyra Belacqua (His Dark Materials), Eragon, Tungdil Goldhand (Die Zwerge), etc. Wie gesagt; die Liste ließe sich noch ewig fortführen. Doch obwohl die Namen zahlreich sind, ist die Geschichte doch meist recht ähnlich. Vergleicht doch einfach mal im Stillen die Geschichten von Eragon, Luke Skywalker und Tungdil Goldhand.

Den elternlosen Held als Protagonisten einzusetzen gibt einer Geschichte meist einen guten All-Age-Bezug, der sowohl jung als auch alt anspricht und der bisher noch nie schlecht angekommen ist, egal wie oft er verwendet wurde. Einerseits hat man nämlich Mitleid mit dem armen Kerl und andererseits gibt das Mysterium um den Tod seiner Eltern guten Erzählstoff. Außerdem hat man gleich die Möglichkeit einen weiteren Archetypen in den Plot einzugliedern.

Der Mentor

Der Mentor hat vielleicht schon in einem Krieg gefochten, oder er kannte die Eltern unseres Helden von früher. Vielleicht ist er ihm einfach nur durch Zufall an die Seite gestellt worden. Es lässt sich jedoch klar sagen, dass er dem Held ein treuer Freund ist und ihm immer mit Rat und Tat zur Seite steht. Dabei geht seine eigene Geschichte im Glanz des Helden vielleicht ein wenig unter, was ihr aber natürlich nicht ihre eigene Spannung nimmt.

Die Geschichte des Mentors kann ganz unterschiedlich ablaufen und meist überschneidet er sich mit anderen Archetypen, wie dem des einsamen Wanderers oder dem des alten Meisters. Prominente Beispiele für den Mentor sind zum Beispiel Brom, Obi-Wan Kenobi, Mario Auditore (Assassin’s Creed 2) oder Durzo Blint (Die Schatten-Trilogie). Sie sind Lehrmeister und Elternfiguren für ihre Schützlinge doch in gleichem Maß auch Beschützer und Freunde.

Obi Wan Kenobi ist Mentor und war schon der seines Vaters (Bild von AnthonyFoti)
Obi Wan Kenobi ist Mentor und war schon der seines Vaters (Bild von AnthonyFoti)

Die Rolle des Mentors kann dabei recht simpel sein, doch kann sie auch gut und gern einen enorm wichtigen Teil in der Geschichte einnehmen, der sich zunächst noch nicht so stark abzeichnet. Vor allem für Geschichten mit einem All-Age-Charakter sind die Mentoren wahrlich unverzichtbar, denn gerade junge Helden scheinen Führung von einer starken Hand zu brauchen. Vor allem wenn sie es mit dem letzten Archetypen in diesem Artikel zu tun bekommen.

Der Tyrann

Wenn sich unser Held ihm in den Weg stellt, dann wissen wir, dass es ein harter Kampf wird. Der Tyrann ist ist schlichtweg der perfekte Antagonist, wie man ihn in unzähligen Variationen zu Gesicht bekommen hat. Er ist mächtig, intrigant, klug, charismatisch und nicht zu vergessen die Inkarnation des puren Bösen. Ihm will man einfach nicht in einer dunklen Gasse begegnen, was aber auch daran liegen kann, dass er meist von einer grimmigen Leibgarde begleitet wird.

Und dass er der Tyrann ist, muss eigentlich nicht gesagt werden (Bild von AnthonyFoti)
Und dass er der Tyrann ist, muss eigentlich nicht gesagt werden (Bild von AnthonyFoti)

Sei es nun Darth Sidious aka. Imperator Palpatine, der dunkle Herrscher Sauron (Der Herr der Ringe), Feuerlord Ozai (Avatar – Der Herr der Elemente) oder Galbatorix; sie alle haben sich ihre Macht durch Intrigen oder grausame Gewalt gesichert und Horden von menschlichem Ungeziefer im sich gescharrt und natürlich stehen sie irgendwie mit unserem jungen Helden in Kontakt. Sei es nun durch Verwandschaft, durch die verstorbenen Eltern oder wegen irgendeiner uralten Prophezeiung. Früher oder später werden die beiden auf einander treffen.

Dass sie letzten Endes fallen werden, ist dabei natürlich vorporgrammiert, aber wenigstens reißen sie ein paar Begleiter des Helden mit in den Abgrund, ehe sie vom Antlitz ihrer Welt getilgt werden. Ihre Macht darf aber niemals unterschätzt werden, denn der Tyrann hat immer noch ein Ass im Ärmel, mit dem niemand gerechnet hat.


Fakt ist, dass die Archetypen in der Phantastik wie im Leben an der Tagesordnung stehen, es steht aber jedem frei, wie viel er aus ihnen herausholen möchte. Das war der erste Teil einer Reihe, in der ich immer wieder ein paar typische Figuren ins Licht rücken möchte, die einem immer wieder begegnen.

Welchen Archetypen seid ihr den schon auf euren Reisen durch die Welten der Phantastik begegnet? Und welche Archetypen soll ich eurer Meinung nach als nächstes beleuchten? Hinterlasst mir doch einen Kommentar (:

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wortman sagt:

    Ich freue mich jedesmal, wenn ich deine diversen Typisierungen lese. Vor allen Dingen, weil du immer ziemlich genau ins Schwarze triffst.

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    1. Florian Born sagt:

      ohhhhhhh Danke! ^-^
      Wenn das so ist, dann werd ich mich bemühen, dass ich auch weiterhin den Nagel auf den Kopf erwische 😉

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      1. Wortman sagt:

        Ich bin mir sicher, dass du das hin bekommst 🙂

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