Adam, Eva und die Metapher

Gott erschuf die Welt in sieben Tagen. So steht es zumindest in der Bibel. Dass man das sogenannte Buch der Bücher nicht wirklich wörtlich nehmen sollte, muss ich wahrscheinlich nicht mehr explizit erwähnen. Aber woher kommen dann diese ganzen Metaphern und was bedeuten sie? Keine Sorge, ich werde mich jetzt nicht der Theologie zuwenden. Aber hier werde ich einfach mal meine Gedanken zu diesem Thema hinschreiben. Ob ihr mir hierbei zustimmt, ist natürlich wie immer ganz euch überlassen.

Fangen wir einfach mal an mit dem Satz, den ich an den Anfang gestellt habe. Gott erschuf die Welt natürlich nicht an sieben Tagen, aber wenn man sich mal ansieht, was genau in diesen sieben Tagen geschah, dann macht die Aussage schon wieder ein bisschen mehr Sinn und lässt sich sogar mit den Naturwissenschaften verbinden. Na gut, letzteres vielleicht nicht, aber egal. Man kann es nämlich so interpretieren, dass dies die Phasen waren, in denen die Welt bzw. das Universum entstanden ist. Und gemeinsam mit einem geozentrischen Weltbild machen die gar nicht mal so wenig Sinn.

Mit dem Wissen, dass wir über das Universum sammeln konnten zwar schon, aber das sei jetzt einfach mal dahin gestellt. Kommen wir also zum viel interessanteren Bereich der Schöpfungsgeschichte. Dem Schaffen der Menschen und deren Verbannung aus dem Paradies. Hier lassen wir die weibliche Unterdrückung von Adam, der die erste Frau – Lilith – nicht mehr wollte und deshalb Eva aus seiner Rippe schaffen ließ, während Lilith zur Mutter aller Dämonen wurde, einfach mal außer Acht. Konzentrieren wir uns also auf Adam und Eva und deren Geschichte.

Wie’s steht

Adam und Eva lebten von ihrer Schöpfung an im Paradies. Sie durften herumwandeln, wie es ihnen beliebte. Sie konnten mit den Tieren interagieren, essen, was sie wollten und auch sonst standen ihnen unzählige Tätigkeiten offen. Einzig vom Baum der Sünde durften sie nicht essen. Bekannterweise war Eva das aber ziemlich egal und sie ließ sich von der Schlange, der Inkarnation des Teufels, dazu bewegen, es dennoch zu tun.

Hier könnte man es sich gemütlich machen (Bild von jerry8448)
Hier könnte man es sich gemütlich machen (Bild von jerry8448)

Sie und Adam aßen also von den Früchten am Baum der Sünde und wurden deshalb aus dem Paradies verstoßen und durften nie mehr dahin zurückkehren. Sie würden von Krankheiten heimgesucht werden und wie jeder andere Mensch eines Tages dem Tode verfallen. Gut. So weit, so bekannt. Aber wir erinnern uns! Man sollte die Sachen, die in der Bibel stehen nicht allzu wörtlich nehmen.

Ich habe mir, als ich gerade „His Dark Materials“ las, das ja eine sehr ähnliche Thematik behandelt, ein paar Gedanken zu genau diesem Thema gemacht. Wer das Bernsteinteleskop also schon gelesen hat – wer das nicht getan hat, sollte das bitte unbedingt nachholen –, der wird meine Überlegungen vermutlich nachvollziehen können. Der Sündenfall repräsentiert das Erwachsenwerden.

Wie’s gelesen werden sollte

Adam und Eva wurden von Gott geschaffen, was man gleich mal mit der Geburt zweier Menschen gleichsetzen kann. Ihr Leben im Paradies wäre dann also ihre Kindheit. Sie wuchsen auf, behütet von allen Schrecken, wie es einem Kind auch widerfahren sollte. Und sie durften tun und lassen, was sie wollten, solang sie sich gut verhielten und den Baum der Sünde in Ruhe ließen. Was aber ist der Baum der Sünde?

Das wäre diese eine Tat, die eine Kind von einem Erwachsenen unterscheidet. Sex. Adam und Eva erkannten mit einem Mal den Mann und die Frau ineinander. Sie verliebten sich ineinander und ehe Gott sich versah aßen sie vom Baum der Sünde. Damit war der Bann gebrochen, mit dem sie im Paradies verbleiben durften. Sie wurden zu Erwachsenen und mussten in die kalte, harte Welt hinaustreten.

Würdet ihr der aus der Hand fressen? (Bild von Glazyrin)
Würdet ihr der aus der Hand fressen? (Bild von Glazyrin)

Sie bekamen Verantwortungen auferlegt – das wären vermutlich Krankheiten und Seuchen – und mit einem Mal ertrugen sie es auch nicht mehr, einander nackt gegenüberzustehen und legten sich deshalb Kleider an. All die Dinge, die ein Kind von einem Erwachsenen unterscheiden, eben nur, dass es im Buch Genesis wesentlich schneller und abrupter geschah als im echten Leben.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass der Sündenfall nichts anderes ist, als des Erwachsenwerden zweier Menschen. Schade ist dabei halt, dass dies einen so negativen Charakter hat, auch wenn es für den Menschen in echt natürlich auch so ist. Und noch viel schlimmer finde ich, dass im Buch der Bücher der Geschlechtsakt einen so extrem negativen Beigeschmack bekommt. Dass die Schuld daran aber wahrscheinlich weniger in der Bibel selbst sondern in der Kirche liegt, muss ich aber wahrscheinlich explizit erwähnen.


Jetzt würden mich natürlich noch eure Gedanken dazu interessieren. Seid ihr der Meinung, man sollte die Bibel ein wenig genauer betrachten, selbst wenn man, wie ich, nicht religiös ist und vor allem, wenn schon? Und welche Passagen darin kennt ihr noch, die man sich wirklich mal genauer ansehen sollte? Hinterlasst mir doch einen Kommentar (:

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10 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wortman sagt:

    Schau mal, wie die diversen Religionen und sekten damit umgehen. noch heute gibt es Gruppierungen, die Sex für etwas Schlechtes halten. Da werden Kinder verdreht erzogen, weil die Eltern Ultras sind. Und die gibt es in allen Religionen – selbst bei den Protestanten.

    Deine Idee, die Schöpfungsgeschichtew und diverse andere Begebenheiten der bibel aus solch einem Blickwinkel zu betrachten, ist vielleicht gar nicht so schlecht.

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    1. Florian Born sagt:

      Ich finde die Sache auch total interessant. Vielleicht fällt mir ja wieder mal was auf 😉

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      1. Wortman sagt:

        Will ich doch hoffen 🙂

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  2. Jaja, das alte Testament… ^^ Das ist voll von diesen Metaphern, da könntest du noch einige interessante Artikel dazu schreiben. Aber auch im neuen Testament lässt sich viel finden – ich war geflasht, als ich erfahren habe, dass im neuen Testament geschrieben steht, dass Jesus in die Unterwelt hinabsteigt und Hades vernichtet. Die beschreiben sogar selbst, wie sie den älteren Glauben verdrängt haben. Ich würde mich freuen, wenn du in Zukunft noch über ein paar andere Metaphern schreiben würdest. 🙂

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    1. Florian Born sagt:

      Schön, wenn das Ding ankommt 😀
      Das mit Hades hab ich gar nicht gewusst, find ich aber lustig 😉

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  3. Bin zwar auch nicht sonderlich religiös, aber solche Theorien kommen bei mir immer gut an. ich würde darüber freuen, mehr in diese Richtung zu lesen. 😉

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    1. Florian Born sagt:

      Da du jetzt der dritte bist, komm ich wohl nicht mehr darum herum 😀

      Also gut! Woher bekomm ich jetzt eine Bibel…

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  4. Ich würde das Verhalten von Adam und Eva nicht so sehr als das Erwachsen-werden sehen als das Entstehen eines Ich-Bewusstseins. Tiere haben dies manchmal andeutungsweise, aber im allgemeinen noch nicht. Wenn man sich seines eigenen Ichs bewusst wird, ist man im eigentlichen Sinne nicht mehr unschuldig. Man wird für seine eigenen Handlungen verantwortlich, was heisst, dass man reflektieren muss. Man kann also auch nicht mehr im Paradies leben, weil mit dem Ich-Bewusstsein auch die Zweifel auftreten. Man kann sich selbst kritisieren – was mit einem sorglosen Vor-sich-Hinleben (wie es ja auch die Kleinkinder noch tun) unvereinbar ist. Dass die ganze Menschheit in einem so kurzen Zeitraum aus einem einzigen Paar entstanden sein soll, ist schlicht unmöglich. Auch könnte es ja sein, dass mit „einem Tag“ ein viel größerer Zeitraum gemeint war. Es heißt, für Gott sind tausend Jahre wie ein Tag….. man kann endlos darüber nachdenken.
    Hannelore Hühne.

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    1. Florian Born sagt:

      Hallo Hannelore,
      du hast da ein paar sehr interessante Punkte angesprochen und ich kann dir bei all dem nur zustimmen. Auf die gesamte Menschheit umgelegt, ist die Theorie mit dem Ich-Bewusstsein wesentlich wahrscheinlicher als meine.
      Trotzdem beharre ich weiter auf meiner und behaupte einfach mal ganz rüde, dass beide Theorien in gewisser Hinsicht ihren Wahrheitsgehalt haben. Deine, auf der Basis der menschlichen Geschichte und meiner auf der des Individuums. Deine ist dabei schon abgeschlossen und meine kommt Tag für Tag wieder und betrifft jeden Menschen für sich.

      Bei mir kommt außerdem noch hinzu, dass ich mich stark Philip Pullmans „His Dark Materials“ bedient habe und die Theorie aus dessen Geschichte herausentwickelt habe.

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  5. Herzlichen Dank für Deine Antwort, Florian. Ich möchte diese Seite mal eine Weile lang lesen,
    weil sie interessant ist. Ich wünsche allen ein schönes Osterfest.
    Hannelore

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