Genetik in der Fantasy

Warum bin ich blond und warum habe ich blau-grüne Augen mit einem kleinen braunen Fleck darin? Die Antwort auf diese Frage liegt in der Genetik versteckt. Sie entscheidet, warum manche Menschen groß und andere klein, manche leicht dick und andere schwerer und manche eben blond und andere rothaarig werden. Natürlich spielt auch noch hinein, wer die Eltern sind und wer die Großeltern und so weiter, aber letzten Endes ist es Genetik, die über all das entscheidet.

Na gut, all das hat man ja schon irgendwann mal gehört. Sei es nun in der Schule oder einem Magazin oder dem Internet. Genetik ist ja nicht gerade ein neues Feld. Es gibt heute ja schon Möglichkeiten, sie durch Stammzellenforschung geschickt zu umgehen oder ihr den eigenen Willen aufzuzwingen. Diese Thematik taucht auch schon in so mancher Science Fiction Geschichte auf. Ich denke hier an das Justifier-Universum oder die Andrea-Cort-Reihe von Adam Troy Castro. Gerade letzteres wirklich eine Leseempfehlung!

In der Fantasy hingegen spielt Genetik keine besonders große Rolle. Zumindest scheint es so. Wenn man so manche Aspekte aber ein wenig näher betrachtet, wird man feststellen, dass das nur auf den ersten Blick der Fall ist. Genetik spielt, zumindest unterrangig, eine wichtige Rolle in vielen Fantasy-Reihen. Man muss nur mal einen genauen Blick darauf werfen.

Halbelfen und Genetik

Das bekannteste Beispiel dafür kommt in sehr vielen High-Fantasy-Romanen vor. Ganz klar, ich spreche von Halbelfen. Diese Wesen entstehen durch die Vermischung von menschlichen Genen mit denen von Elfen. Dadurch kommt ein Wesen zustande, dass weder zum einen noch zum anderen Volk gehört und deshalb gerne ausgegrenzt wird. Wie kann eine solche Vermischung aber zustande kommen?

Elf oder Halbelf? Könnte beides sein... (Bild von Sandara)
Elf oder Halbelf? Könnte beides sein… (Bild von Sandara)

Hier kommt schon die Genetik ins Spiel! Die Gene von Menschen und Elfen treffen bei der Zeugung eines Halbelfen aufeinander und vermischen sich miteinander. Dadurch hat die Halbelfe zur Hälfte die Eigenschaften aus dem einen Volk und zur anderen Hälfte die aus dem anderen. Das kann aber natürlich nur gelingen, da Elfen und Menschen Wesen sind, die scheinbar aus einem ähnlichen Wesen heraus entstanden sind, sich aber in verschiedene Richtungen entwickelt haben. Ansonsten wären ihre Gene nicht kompatibel.

Wie genau dieser Halbelf aber aussehen wird, lässt sich im Voraus nicht sagen, da das sehr stark vom Zufall abhängt. Spitze Ohren? Vielleicht! Magische Fähigkeiten? Möglicherweise! Sehr langes Leben? Unter Umständen! Je nachdem, welche Gene hier dominant und welche rezessiv sind, wird es anders ausgehen. Das kann man aber nur raten und auch der Zufall spielt eine große Rolle in dieser Hinsicht.

Zauberer und Genetik

Auf eine ähnliche Weise würde das auch bei Harry Potter funktionieren. Was? Habt ihr euch noch nie gefragt, warum manche Menschen Zauberer sind und manche nicht? Sehr oft wird in den Büchern, aber auch den Filmen, wenn ich es richtig im Kopf habe, von Reinblütern und Mischblütern gesprochen. Reinblütig sind jene Zauberer, deren Eltern und Großeltern ebenfalls Zauberer sind. Bei Mischblütern kommt dann schon Muggelblut hinzu. Und dann gibt es noch sogenannte „Schlammblüter“.

Ein Schlammblut stammt von Muggeln ab und hat dennoch magische Kräfte. Aber halt! Wie ist das möglich? Wie können zwei Menschen ohne die Begabung einen mit der Begabung zeugen? Das lässt sich damit erklären, dass es zwei mögliche Varianten eines Gens gibt, das für magische Kräfte zuständig ist. Die eine, die dominante, verhindert magische Kräfte – nennen wir es Muggel-Gen. Die andere, die rezessive, erlaubt sie – das wäre dann das Zauberer-Gen.

Hier eine bildliche Darstellung dessen. Die Chibis entsprechen Gen-Varianten
Hier eine bildliche Darstellung dessen. Die Chibis entsprechen Gen-Varianten

Damit also ein Zauberer „entstehen“ kann, benötigt man zwei mal das rezessive Zauberer-Gen. Dieses kann auch von Muggeln in sich getragen werden, da es allein ja keine Kräfte erzeugen würde. Wenn also wie bei Hermines oder Lillys Eltern zwei Menschen aufeinander treffen, die das rezessive Zauberer-Gen in sich tragen, besteht eine 25%ige Chance, dass ihr Kind magische Kräfte entwickelt. Squibs entstehen nach dieser Theorie übrigens durch eine genetische Mutation.

Bändiger und Genetik

Das mit den Zauberern ist ja noch einigermaßen übersichtlich. Im Gegensatz dazu stehen die Bändiger aus „Avatar – Herr der Elemente“. Während es bei Zauberern nämlich nur zwei Merkmale gibt, gibt es in der Nickelodeon-Serie ganze fünf! Es gibt nämlich vier verschiedene Varianten, welches Element man bändigen kann, und dann gibt es noch die Möglichkeit, kein Bändiger zu sein.

Das ist dann möglich, wenn es ein Gen, mit fünf verschiedenen Auslegungen gibt. Die verschiedenen Auslegungen beim Bändigen sind dabei dominant, während kein Bändigen rezessiv ist. Bändiger können also Kinder haben, die keine sind. Wirklich interessant ist der seltene Fall, dass zum Beispiel ein Wasser- und ein Erdbändiger ein Kind bekommen.
Wenn nämlich die beiden dominanten Gene aufeinander treffen, heben sie einander auf und ein Nicht-Bändiger „entsteht“.

Dadurch können auch Nicht-Bändiger ein Bändiger-Kind bekommen. Das wird allerdings erst in der Zeit von Avatar Aang und danach öfter vorkommen, da die vier Bändiger-Völker davor meist voneinander getrennt lebten. Erst mit der Gründung von Republic City wurden diese Grenzen ein wenig aufgehoben, ebenso wie die Kräfte der Bändiger immer mehr in den Schatten traten. Aber darüber ein andermal mehr.


Meint ihr, dass Genetik in der Fantasy eine größere Rolle spielen sollte? Oder findet ihr gut, dass man dann nachträglich Theorien dazu aufstellen kann, bzw. glaubt ihr, dass sich die Weltenschöpfer Gedanken darüber machen? Hinterlasst mir doch einen Kommentar (:

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9 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ich mag es, wenn auch magischen Wesen genetische Regeln zugrunde liegen und bin sicher, dass die meisten Weltenbauer (die ja bekannt dafür sind, es sehr genau zu nehmen) durchaus ihren Spaß im Genetiklabor haben. „Mischwesen“ sind in High-Fantasy-Geschichten ja oft die interessanteren Gestalten als ihre „reinblütigen“ Vorfahren. Oder? Korrigiere mich, wenn ich falsch liege. Soo gut kenne ich mich auch nicht aus. 🙂
    Andererseits hat die Fantasy mit ihrer Magie wieder mal den herrlichen Vorteil, dass sich alles mit Magie irgendwie wegerklären lässt, was biologisch nicht möglich wäre. Es kann in einer magischen Welt also aus dem ganz Normalen immer etwas noch viel Phantastischeres entstehen als bis dahin existierte. Das ist auch toll.

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    1. Florian Born sagt:

      Stimme dir in allem voll zu 😉
      Bei lezterem ist eigentlich nur wichtig, dass es schlüssig ist 🙂

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  2. Hat dies auf FragmentAnsichten rebloggt und kommentierte:
    Auf Phanwelten.com hat Florian Born einen lesenswerten Artikel zu genetischen Überlegungen in der Fantasy veröffentlicht. Ich finde ja besonders den Absatz zu „Harry Potter“ spannend – ich habe mich immer schon gefragt, wie das mit den magischen Muggelkindern funktionieren soll … 😉

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    1. Florian Born sagt:

      Ich freue mich immer, wenn ich behilflich sein kann 😀

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  3. Wieder einmal eine spannende Überlegung! Ganz bestimmt denken die Weltenschöpfer darüber nach, wie sich Wesen und ihre Eigenschaften kombinieren lassen – wenn vielleicht auch nicht immer zwingend über die – von dir genial dargestellte – biologische Erklärung der rezessiven und dominanten Gene. Ich glaube, da bedienen sie sich dann auch mal schnell der Zauberei der Fantasie 🙂

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    1. Florian Born sagt:

      Oh, ich werd ja gnz rot ^-^

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