#BloGeHa: Ist Fantasy rassistisch?

Das hier ist mein Beitrag zu „Blogger gegen Hass“, der Blogparade, die von Sarah Maria ins Leben gerufen wurde. Das Thema hatte ich allerdings schon eine Weile im Kopf. Also hier meine Frage, die ich euch, meinen lieben Weltenbummlern, stellen möchte: Ist Fantasy rassistisch?

Uff. Hammerfrage, nicht wahr? Wer soll denn darauf schnell eine Antwort finden? Zum Glück habt ihr ja mich, der sich mit solch wichtigen Themen auseinander setzt, damit ihr euch keine Gedanken darum machen müsst. Wenn ihr euch fragt, wie ich darauf komme, dann seht euch doch mal den Wikipedia-Artikel zum Thema Fantasy an. Genauer gesagt die Diskurse zur Fantasy. Dort wird ihr, also unserem liebsten Genre, nämlich neben Eskapismus, Konservatismus und Sexismus auch ein starker Hang zum Rassismus vorgeworfen.

Ich zitiere hier einfach mal aus dem Artikel:

Ein weiterer Vorwurf an die Fantasy ist die als reaktionär empfundene, vereinfachende Weltsicht vieler Romane, die den Obrigkeitsgedanken gegenüber feudalen Strukturen, eine konservative Ausgestaltung der Geschlechterrollen und die Überbetonung der Unterschiede zwischen Völkern bzw. „Rassen“ enthält.

Na gut, ist Fantasy nun wirklich rassistisch? In meinen Augen hängt das ganz stark vom Betrachter ab. Jemand, der nur von außen in das Genre hineinblickt und verschiedene Völker oder Rassen sieht, die unterschiedlicher teilweise nicht sein könnten, der kann bestimmt leicht auf den Gedanken kommen, dass Fantasy rassistisch ist. Was allerdings, wenn jemand wie ihr und ich einen Blick auf die Fantasy wirft, also jemand, der viel damit zu tun hat?

Anstatt euch zu bekämpfen (Bild von GENZOMAN)
Anstatt euch zu bekämpfen (Bild von GENZOMAN)

Ich glaube, man kann keinem Genre etwas vorwerfen. Ich kann also genausowenig behaupten Fantasy sei rassisstisch, wie ich sagen kann, sie sei schlecht geschrieben, für Kinder oder übertrieben gewalttätig. Vieles davon mag auf manche Bücher zutreffen, aber bestimmt nicht auf alle. Es ist ja auch nicht jeder Krimi / jeder historische Roman / jedes Drama gleich.

Natürlich gibt es in der Fantasy-Literatur Autoren, die die Unterschiede zwischen den Völkern sehr oberflächlich angehen und einfach mal behaupten, ein Elf und Ork wären komplett unterschiedlich. Ebenso gibt es aber auch Autoren, die dieses Thema äußerst differenziert aufgreifen und es vielleicht zum Kern der Geschichte gemacht haben, dass Elfen und Orks gar nicht so unterschiedlich sind, wie man zuerst denkt. Siehe zum Beispiel die wunderbare Freundschaft zwischen Legolas und Gimli. Die ist doch schließlich komplett gegen jeden Rassismus.

Was meiner Meinung nach nicht mit Rassismus verwechselt werden sollte, sind die Stereotype und Klischees mit denen die Fantasy gerne arbeitet. Eine Elfe / ein Zwerg / ein Ork werden bei verschiedenen Autoren fast immer recht ähnlich sein, was aber einfach nur daran liegt, dass dies Teil der Literatur ist. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass die Schöpfer nicht komplett unterschiedlich mit den anfänglichen Figuren umgehen können. Der Stereotyp ist schließlich nur die Basis für das Volk. Was sich daraus entwickelt liegt immer in den Händen des Autors.

Der Wikipedia-Artikel spricht hier auch noch einen weiteren Punkt an:

Obwohl sich diese pauschale Kritik durch zahllose Gegenbeispiele widerlegen lässt, kann man eine gewisse Ambivalenz der Fantasy in diesen Spannungsfeldern nicht leugnen, was vor allem auf die Pulp-Vergangenheit des Genres zurückzuführen ist. Moderne und teilweise alte Fantasy blendet diese Fragen nicht aus, sondern behandelt sie im Gegenteil zumeist sehr komplex.

Die Fantasy hat sich immerhin weiterentwickelt, hin zu einem Genre, das weit weniger belächelt und hinunter gemacht wird, als es noch einige Jahre zuvor der Fall war. Vor allem die Popularisierung durch Kino, Videospiele und Fernsehproduktionen trägt hier ihren Teil dazu bei. Mit dieser Mainstreamisierung – na gut, so schlimm ist es nicht, aber mir ist kein anderes Wort dafür eingefallen – kam auch ein Umdenken der Autoren.

Habt euch besser lieb ;) (Bild von Blazbaros)
Habt euch besser lieb 😉 (Bild von Blazbaros)

Und einen Punkt darf man nicht vergessen: Wenn die Fantasy in ihren frühen Jahren rassistisch war, dann darf das niemanden wundern, schließlich war es doch die ganze Welt.


Wie steht ihr zum Thema Rassismus in der Fantasy? Fallen euch Beispiele für oder gegen die Behauptung ein? Hinterlasst mir doch einen Kommentar (:

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12 Kommentare Gib deinen ab

  1. Sarah Maria sagt:

    Hey. Erstmal: Vielen Dank dafür, dass du bei der Blogparade mitmachst! ❤

    Ich sehe das genau wie du: Letztendlich gestaltet jeder Autor und jede Autorin das Genre und bestimmt somit auch die Richtung – und wie es von Außenstehenden wahrgenommen wird. Ich kenne mich, um ehrlich zu sein, nicht sonderlich gut mit Fantasy aus, mag aber gerade die Vielschichtigkeit und auch das Spielen sowie Aufbrechen von Klischees.

    Liebe Grüße,
    Sarah

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    1. Florian Born sagt:

      Also erstmal danke für das Danke ^^
      Und darauf stehe ich auch, weil es viel interessanter ist, als einfach nur immer die gleichen Chars zu sehen 🙂

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  2. Miriam sagt:

    Prinzipiell ist bei Fantasy die klare Trennung von Gut und Böse problematisch. Und das kann teilweise auch durchaus rassistisch sein. Auch Harry Potter nutzt entsprechende Klischees (Dark Arts aus Bulgarien, hübsche Mädels aus Frankreich….) Positives Beispiel, wo kein Rassismus vorliegt, ist die Wächter Tetralogie von Lukianenko. Ich hab mich übrigens selbst mal intensiv mit dem Thema Gut & Böse in Fantasy beschäftigt und eine eigene, nur wenig rassistische Fantasy Kurzgeschichte geschrieben: http://rundum-schlag.de/hinterwelt/ würde mich freuen, wenn du sie liest.
    Viele Grüße
    Miriam

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    1. Florian Born sagt:

      Die schwarz/weiß-Seherei ist ja wieder eine ganz eigene Problematik, die ich sowieso mal in einem eigenen Artikel behandeln möchte. Hier gilt aber wieder das, was auch beim Thema Rassismus der Fall ist. Es gibt solche und solche und die Fantasy hat sich seit ihrer Entstehung ja auch enorm weiterentwickelt. Besieht man sich heute einen George R. R. Martin oder einen Brent Weeks, wird man kaum schwarz/weiß-Trennung finden, wie sie zum Beispiel noch bei Tolkien oder Lewis der Fall war.

      Die Geschichte werd ich mir auf jeden Fall ansehen 😉

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  3. Carmilla DeWinter sagt:

    Hinweis für Google: „RaceFail 09“.
    Das Problem sind im seltensten Fall die erfundenen Wesen, sondern die stinkgewöhnliche Varianz menschlicher Hautfarbe und Kultur, die nicht stattfindet oder nur die üblichen Klischees bedient. Liegt wohl daran, dass Fantasy ein westliches Phänomen ist, und wir weiße Menschen die Existenz von Rassismus bequem ignorieren können. (Siehe Rowlings böse Bulgaren. Siehe GRR Martins gruselige Darstellung seiner Pseudo-Mongolen.)

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    1. Florian Born sagt:

      Ja, das ist mir auch schon aufgefallen. Vor allem in der Contemporary-Fantasy ist das wirklich nicht selten, weil es von Autoren ignoriert wird, auch wenn es dafür keinen Grund gibt.

      In der High Fantasy sehe das allerdings ein wenig anders, denn wenn jemand eine Welt erschafft, die sich an etwas orientiert, dann muss das auch stimmig sein und eine dunkle Hautfarbe (nur ein Beispiel) entwickelt sich auch nicht einfach mal so random. Die braucht einen Grund (starke Sonneneinstrahlung über viele, viele, viele Generationen hinweg.

      Das mit den Bulgaren ist übrigens wirklich ziemlich schräg. Martins Dothraki sehe ich wieder anders, da es eben doch nicht Mongolen sind. Das Volk ist daran orientiert, aber wurde bewusst primitiver und eben creepier gemacht.

      Racefail schaue ich mir auf jeden Fall noch an, danke für den Hinweis 🙂

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  4. Pingback: Tages-Gedanken

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