Die Rundwelt trauert

von Marion Kirbis

Vor ein paar Tagen habe ich noch an dem Artikel gearbeitet, der eigentlich an dieser Stelle veröffentlicht werden sollte. Ich schrieb darüber, wie Pratchetts Scheibenwelt für uns Leser und Leserinnen real wird, sobald wir seine Bücher aufschlagen. Und ich lachte dabei, so, wie ich es immer tue, wenn ich mich mit seinen Werken beschäftigte. Seit ich von Terry Pratchetts Tod erfahren habe, scheint es mir jedoch pietätlos, einfach mit meinen Beiträgen weiter zu machen und das Geschehene zu ignorieren. Deswegen werden die weiteren Scheibenwelt-Artikel etwas warten müssen, um sich auf angemessene Art und Weise von Terry Pratchett zu verabschieden.

Don’t think of it as dying. Just think of it as leaving early to avoid the rush.

Tod

Terry Pratchett hatte die unglaubliche Begabung, jeder noch so furchtbaren Geschichte eine Wendung zu geben, die uns schmunzeln ließ. Dabei entwertete er diese nie und spielte die negativen Seiten der Menschen nicht herunter. Sein Talent war es, die Probleme unserer Welt zu erkennen und uns mit seiner Scheibenwelt den Spiegel vorzuhalten. Seine Darstellung von Politik, Konsumverhalten, Wirtschaft und (Stände-) Gesellschaft mögen überspitzt sein, doch sie beschreiben die realen Vorgänge äußerst treffend. Der Autor traute sich, Kritik zu üben und sprach mit seiner Art, auch Menschen an, die sich sonst nicht für einige der Problematiken unserer Zeit interessiert hätten.

It occurred to me that at one point it was like I had two diseases — one was Alzheimer’s, and the other was knowing I had Alzheimer’s.

Terry Pratchett über seine Krankheit

Wer in der Scheibenwelt anzutreffen war, war nie nur gut oder böse. Nichts war nur schwarz oder weiß. Pratchett wusste, dass die Helden Schwächen und die Antagonisten Beweggründe hatten. So wie er seine Charaktere beschrieb, konnte man noch im schlimmsten Schuft einen Funken Güte erkennen. Die Protagonisten hatten nicht immer unerschütterliche Moralvorstellungen, sondern auch Fehler. Frauen stellte er nicht nur als Objekte oder schwache Wesen dar, die es zu retten galt, sondern auch als intelligente starke Menschen, die wissen, was sie wollen.

Ein Händeschlag mit einem altem Freund (Bild von Sandara)
Ein Händeschlag mit einem altem Freund (Bild von Sandara)

Pratchett arbeitete sich in seinen Büchern durch alle Altersgruppen, Schichten und Ethnien. Obwohl seine Charaktere allesamt im Fantasy-Bereich angesiedelt sind, sind sie für mich realer, als die fehlerfreien muskelbepackten Helden der Hollywoodfilme und lasziven chirurgisch optimierten Schönheiten, in welche sie sich zum Schluss verlieben. Trotz aller Magie sind die Bewohner der Scheibenwelt realistischer, als so manche Geschichte, welche angeblich auf wahren Begebenheiten beruht. Bei Pratchett gibt es keine perfekten Menschen, keine perfekten Lovestorys und keine Garantie auf ein Happy End.

It is often said that before you die your life passes before your eyes. It is in fact true. It’s called living.

Terry Pratchett über das Leben

Seine Werke beeinflussten die Welt, unsere Welt, so sehr, dass der britische Schriftsteller von der Queen zum Knight Bachelor ernannt wurde und sich von da an Sir Terry nennen durfte. Nun hinterlässt Terry Pratchett uns sein beeindruckendes Lebenswerk und, wie mehr als 60 Millionen verkaufte Bücher beweisen, zahlreiche Fans.


Sind Pratchett-Fans unter euch? Wenn ja, was ist euer Lieblings-Buch des großartigen, britischen Schriftstellers? Hinterlasst doch einen Kommentar (:

 

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Carmilla DeWinter sagt:

    Ein bisschen spät zur Party, aber „Soul Music“/“Rollende Steine“, mein erster und (wahrscheinlich deswegen) liebster. Dahinter folgen „The Truth“, „Last Continent“ und „The Wee Free Men“ in keiner besonderen Reihenfolge.

    Gefällt 1 Person

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