Es ward prophezeit…

„Die Prophezeiung besagt, dass ein Held kommen wird, der die Welt von ihrem Leid befreien und sie in ein neues Zeitalter führen wird.“ Das ist eine Passage, die so, oder zumindest so ähnlich, in jeder dritten Fantasy-Geschichte vorkommt. Warum sich Schöpfer immer wieder diese Basis für ihre Geschichten entscheiden, kann ich jetzt selbst nicht beantworten. Ich werfe einfach mal die Vermutung in den Raum, dass das entweder an Faulheit liegt, oder daran, dass das wirklich eine großartige Basis für eine Geschichte darstellt.

Für den Moment ist das aber eigentlich ziemlich egal. Relevant ist nur, dass Prophezeiungen so oder so ziemlich spannend sind und ich euch deshalb ein bisschen darüber erzählen werde. Da wir das nun geklärt hätten, fang ich einfach mal an. Zuerst mal die wichtigste Frage: Was ist eigentlich eine Prophezeiung?

Hier greife ich gern auf den Autor Pierre Grimbert und seine Magier-Krieger-Götter-Reihe zurück. Dort verwendet er die Begriffe der nicht-veränderlichen Zukunft und der veränderlichen Zukunft. Zweitere kann ab dem Zeitpunkt, an dem sie enthüllt wurde, wieder verändert werden, dadurch, dass man sie verhindern oder hervorführen will. Das liegt daran, dass sich beim Zeitpunkt der Enthüllung der Zukunft das Zeitgefüge verändert hat und die Karten sozusagen neu gemischt werden. Bei dieser Variante handelt es sich logischerweise nicht um eine Prophezeiung.

Wir sagen voraus…

Ganz im Gegenteil dazu stehen die unveränderlichen Zukünfte. Die werden eintreten, no matter what. Logischerweise sind die natürlich enstprechend wage formuliert, weil sonst würde man sie ja viel zu leicht außer Kraft setzen können und das will ja niemand. Zum Beispiel ist nie genau formuliert, wer der „Auserwählte“ ist. Ihr glaubt mir nicht? Dann darf ich euch sicher ein paar Beispiele liefern.

Große Wand, große Zukunft (Bild von Nobodylord) Unbedingt das Originalbild ansehen!
Große Wand, große Zukunft (Bild von Nobodylord) Unbedingt das Originalbild ansehen!

Annakin Skywalker war laut Qui Gon Jin und Obi-Wan Kenobi derjenige, der die Sith vernichten würde. Aber das war ihre Meinung und Vermutung. In der Prophezeiung wurde er sicher nicht namentlich genannt. Ein Beispiel aus The Elder Scrolls: Skyrim. Der Dovahkiin, auch als Drachenblut bekannt, würde kommen und mit ihm die Drachen und es werde seine Aufgabe sein, sie zurückzuschlagen. Wer er/sie ist und wann das sein würde, weiß auch hier wieder niemand.

Nur dass es so sein wird. Und genau das macht Prophezeiungen so spannend. Sie sind unverhinderbar, doch weiß niemand, was genau passieren wird. Und genau das führt uns zu der Anzweifelbarkeit von Prophezeiungen, die immer wieder einen spannenden Konflikt abgibt. Denn auch wenn Prophezeiungen so gut wie immer zutreffen, werden die, die an sie glauben, sehr oft als religiöse Fanatiker oder ähnliches abgestempelt. Das führt dann wiederum zu dem netten Effekt, dass man als Leser/Seher/Spieler nicht sicher ist, ob man jetzt selbst daran glauben soll, oder nicht.

Glaubt es, oder glaubt es nicht…

Derjenige, der neben dem Leser den größten inneren Konflikt durchleben muss, ist derjenige, dem enthüllt wird, dass er oder sie Kern einer Prophezeiung ist. Auch irgendwo logisch. Auf einmal liegt schließlich dass Gewicht des Schicksals der gesamten Welt auf deinen Schultern und du musst damit klarkommen, egal ob du willst oder nicht. Das muss schon ziemlich auf einem lasten und wenn dann noch alle sagen, dass die Typen, die dir gesagt haben, dass du der Auserwählte bist, einen an der Waffel haben, macht das den inneren Konflikt bestimmt nicht leichter.

Harry hält die eigene Zukunft in Händen. Buchstäblich. (Bild von anxiouspineapples)
Harry hält die eigene Zukunft in Händen. Buchstäblich. (Bild von anxiouspineapples)

Doch zurück zu den Prophezeiungen! Die werden nämlich immer wieder über die gleichen Wege überliefert. Manchmal werden sie nur von Meister zu Schüer weitergetragen, manchmal stehen sie auf riesigen Steinwänden, bei denen niemand mehr so genau weiß, wer sie eigentlich gemeißelt hat, und manchmal wissen die Sterblichen überhaupt nichts von ihrem Glück, und auf einmal bekommen sie eine göttliche Botschaft, die dann alles zu erklären versucht. Oh! Und manchmal fangen auch Tote an zu reden!

Die einzige Konstante ist, dass auch hier wieder alles ziemlich wage und widerlegbar ist. Denn das ist wahrscheinlich der Kernpunkt der Prophezeiungen und möglicherweise auch der Grund, warum sie so gern verwendet werden. Sie sind widerlegbar. Sie sind wage. Sie sind wirr. Und sie sind in erster Linie dazu da, Verwirrung zu stiften. (Hmmmm… Hab ich’s doch noch geschafft, die oben genannte Frage zu beantworten… Schönes Ding!) Ganz klar: Prophezeiungen sind großartig!

Wie steht ihr zu Prophezeiungen? Mögt ihr sie, wenn ihr darüber stolpert, oder findet ihr das Stilelement ausgelutscht? Hinterlasst mir doch einen Kommentar (:

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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wortman sagt:

    Ausgelutscht sind Prophezeiungen sicherlich nicht. Ich habe das Buch der Prophezeiungen gebastelt…. auf dem meine Geschichte über das Königreich Anglesia basiert.

    In uralten Zeiten kämpfte Licht gegen Schatten und die Steine von Thamor waren die Waffe des Lichts mit denen letztendlich die Schattenreiter vernichtet wurden.

    Die Schattenreiter wurden besiegt!
    Das Chaos löste sich auf.
    Das Böse verschwand.
    Das Leben kam zurück.
    Die Liebe auch.
    Die Welt wurde befreit.

    Darkon sprach einen Bann aus.
    Die Schattenreiter wurden darin gefangen.
    1000 Jahre Frieden.

    Aus dem Buch der Prophezeiungen
    1. Kapitel

    Fast 1000 Jahre sind vergangen und das Ende des Fluches nahe. Die Steine sind verschwunden, Thamor selbst im Meer versunken.
    © 2001 by T.R. aka Wortman

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    1. Florian Born sagt:

      Ich muss gestehen, ich hab hier ein wenig stark übertrieben. Aber du musst zugeben dass Prophezeiungen – aus den im Artikel genannten Gründen – ein Stilmittel sind, das gerne und auch oft eingesetzt wird.

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      1. Wortman sagt:

        Das gebe ich auch zu… siehst du ja oben 😉
        Ich mag solche Voraussagungen… und noch mehr, wenn sie schief laufen 😀

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  2. Carmilla DeWinter sagt:

    Ich hatte auch mal eine Prophezeihung wo stehen, aber sie war völlig überflüssig als Motivator, daher ist sie rausgeflogen, und ich vermisse sie auch nicht.
    Ansonsten zählt wie so häufig neben dem „was“ auch das „wie“. Weshalb ich die Prophezeihung in Harry Potter besser finde als die in StarWars. Der Plot von Anakin Skywalkers Sturz würde m.E. auch ohne Prophezeihung plus Jungfrauengeburt(?) funktionieren, wenn er seine große Anzahl Midichlorien/sein Ausnahmetalent behalten dürfte.

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    1. Florian Born sagt:

      Da stimme ich dir zu. Es würde der Geschichte keinen Abbruch tun. Bei welchen, die auf den Sagenkreisen einee Welt beruhen, siehe TES, sieht die Sache aber wieder anders aus 😉

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