Fantasy oder Horror?

Dieses Mal zur Abwechslung ein Thema, das ein wenig realitätsbehaftet ist. Realiwaaaaaaas?! Jaja, ich weiß, ihr kommt nicht hierher, um über solch langweilige Dinge wie die Realität zu lesen, aber ich hoffe einfach mal, dass ich es relativ interessant machen kann, damit ihr mir nicht zu irgendwelchen Kokurrenzblogs abhaut. Es gibt andere Blogs wie den hier? Halt die Klappe, Stimme au dem Off! Na gut… Danke…

Da es sich mit diesen nervigen Unterbrechung nun aufgehört hat – nicht wahr Stimme aus dem Off (?) – können wir zum Kern der Sache kommen und damit zu einem Thema, das ich schon länger mal anschneiden wollte. Wie ihr sicher wisst, fühle ich mich sehr stark der Fantasy zugetan. Mit ihrem Schwestergenre, dem Horror, hab ich mich allerdings nie wirklich anfreunden können.

Na gut, es gibt noch bei weitem schlimmere Genres – Heimatromane, erotische „Literatur“ und dergleichen –, aber trotzdem werden der Horror und ich nie wirklich beste Freunde werden. Aber warum? Die Fantasy und der Horror ähneln sich doch stark? Was macht sie besser als ihn? Hab ich dir nicht gesagt, du sollst die Klappe halten? Aber na gut, die Frage ist wirklich nicht schlecht.

Ursprünge

Wie man wissen sollte, sind Fantasy und Horror wirklich mehr als nur verwandt. Sie sind technisch gesehen Geschwister, wobei die Fantasy ein paar Jahre weniger auf dem Buckel hat, als ihr älterer Bruder. Der Horror entstand schon Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts. Poe, Shelly und Stoker lassen grüßen. Damit ist er der erstgeborene der Phantastik, die aus dem Märchen und alten Sagen heraus entstanden ist. E. T. A. Hoffmann, wer einen Vertreter haben will.

Horror ist zwar älter... (Bild von MrComrade)
Horror ist zwar älter… (Bild von MrComrade)

Und die Fantasy kam erst später? Richtig, Sado. Sado? Ja, ich dachte, ich kürz „Stimme aus dem Off“ einfach ab. Auf jeden Fall: Die Fantasy – also die, die man wirklich als solche identifizieren konnte – entstand erst während bis nach dem ersten Weltkrieg. Vor allem vorangetrieben durch die beiden „Urväter“ C. S. Lewis und J. R. R. Tolkien. Das war zwar auch eine der Blütezeiten des Horrors, das sollte die Entstehung der Fantasy aber nicht verhindern.

Ein bisschen früher kam auch des mittlere Kind der Phantastik zur Welt. Die Science Fiction – damals noch als Zukunftsromane bezeichnet – entstand in etwa während des viktorianischen Zeitalters. Große Vertreter sind hier natürlich H. G. Wells und Jules Verne. Heute würde man das, was sie gemacht haben, als Steampunk bezeichnen. Ein eigenes Genre, das sich wieder aus der Fantasy und der Science Fiction heraus entwickelt hat. Verdammter Inzesthaufen…

Unterschiede

Stimmt, Sado! Aber um die soll’s ein andermal gehen. Ich wollte ja eigentlich schreiben, warum ich die Fantasy lieber mag, als den Horror. Gib’s einfach zu! Du bist ein Weichei, dass bei den grusligen, grusligen Geschichten nicht einschlafen könnte. Nein. Das wäre nicht das Problem. Meine persönliche Abneigung gegenüber dem Horror hat auch nichts mit den Themen zu tun, die das Genre aufgreift. Es ist vielmehr eine stilistische Sache.

Aber lasst mich erklären. Eines der Kernelemente des Horror ist es, den Leser nicht wissen zu lassen, was eigentlich grad abgeht. Es geht nicht darum, ihm alles zu erklären, sondern ihn einfach in unsichere Gewässer zu werfen und dann mit seinen Gefühlen, Ängsten, Vermutungen und so weiter zu spielen. Es nicht nötig viel zu erklären und zu beschreiben. Die Gefühlswelt, Theorien und alles in dieser Richtung steht im Zentrum des Horrors.

... Fantasy mag ich trotzdem lieber (Bild von Rahmatozz)
… Fantasy mag ich trotzdem lieber (Bild von Rahmatozz)

Während der Horror Hintergründe, Detailinformation und all das einfach ausblendet und sich auf den Charakter konzentriert, sind es gerade diese Aspekte von Geschichten, die mich interessieren. Deshalb stehst du so auf Fantasy! Genau. Und deshalb mag ich auch historische Romane ziemlich gern. Sie bieten einfach mehr Informationen am Rande der Geschichte, geben ihr damit Tiefgang und machen sie real. Bei historischen Romanen ist die Zusatzinformation die tatsächliche Geschichte. Na und? Ich wollt’s nur gesagt haben!

Ich könnte jetzt noch ein paar andere Unterschiede aufzählen, aber das ist in meinen Augen der größte und wichtigste. Gib doch einfach zu, dass du keine anderen Unterschiede mehr weißt, weil du nie Horror liest! Ja, aber das brauchen die nicht zu wissen. Ähm… Verdammt!


Da Sado mich hat auffliegen lassen… Muhahahaha!!! …meine Frage an auch: Welche anderen Unterschiede zwischen Fantasy und Horror fallen euch ein? Und kennt ihr vielleicht Horror-Romane, die meine Theorie widerlegen? Hinterlasst mir doch einen Kommentar (:

Und schreibt unbedingt dazu, dass ihr mich öfter treffen wollt! Sonst darf ich mich nie mehr zu Wort melden! Sado? Was machst du hier noch? Gar nichts! Tut es!!!

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16 Kommentare Gib deinen ab

  1. DerSinn sagt:

    Guter Post. 🙂

    Ich glaube allerdings, dass die Einschätzung des Horror-Genres vielleicht ein wenig kurz greift. Vor Allem, weil beinahe alle Bücher von Stephen King (Und wer vertritt den „Horror“ wohl besser?) dagegen sprechen. Seine Geschichten greifen dermaßen tief, weil sie eben besonders in die Breite gehen. Sein neuestes Buch („Revival“) ist vielleicht ein gutes Beispiel: Im Grunde ist das Buch die Vorgeschichte der letzten paar Seiten.

    Andererseits ist er auch eine Ausnahmeerscheinung. Also vielleicht ist ja doch mehr dran… 😀

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    1. Florian Born sagt:

      Abgesehen vom werten Herrn King und ein paar Kurzgeschichten von H.P. Lovecraft hab ich mit Horror bisher wenig am Hut gehabt und das, was ich von ersterem bis dato gelesen habe, war eher der Mystery und der Fantasy zuzuordnen (+ 1 Thriller). Und ja, King hab ich bewusst nicht angesprochen, weil er so Genre-übergreifend arbeitet, dass man ihn nur sehr schwer einordnen kann.
      Natürlich lass ich mich aber gern vom Gegenteil überzeugen 😉

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  2. Zeilenende sagt:

    Ich bin mir gar nicht so sicher, ob Fantasy und SciFi so nah mit dem Horror verwandt sind, oder ob der Horror nicht bloß die böse Stiefmutter der beiden ist.
    Ich würde den Unterschied zwischen den Genres nämlich über die Welten ziehen, mit denen sie sich beschäftigen. Fantasy baut sich seine Welten, SciFi zumindest in dem Sinne, dass eine Zukunftsprognose abgegeben wird (Mir liegt dieses Genre eher, deshalb kann ich da besser differenzieren). Der Horror hingegen nimmt sich in einer Spielart unserer Welt an wie sie ist und behauptet, hinter ihr steckt mehr, das sich nicht durch Ratio erklären lässt, das vielleicht Magie sein kann. Aber da der Horror in unserer Welt spielt, ist Magie kein anerkanntes Erklärungsmuster, dadurch wird sie unheimlich, während die Macht Gandalfs zwar beängstigend sein mag, aber nicht unerklärlich, weil Teil der Welt. Der Horror richtet den Blick auf das mehr zwischen Himmel und Erde, das innerhalb unserer bestehenden Weltdeutungsparadigmata (sorry für das fiese Wort) nicht erklärbar ist, und weil es unsere Erde ist, macht das einen Gutteil des Grusels aus.

    P.S.: Ich mag Sado, solang er wohldosiert ist und kein Blut fließt 😉

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    1. Florian Born sagt:

      Horror als böse Stiefmutter von Fantasy und Science Fiction mit dem eigenen Kind namens Mystery find ich nicht schlecht 😀
      Aber Horror hat ebenfalls Wurzeln in der Phantastik, also sind wir wiedermal bei dem großen Inzesthaufen 😉
      Den Unterschied zwischen den Genres an den Welten festzumachen find ich nicht schlecht, nur leider muss ich die hier enttäuschen, denn sowohl die Contemporary Fantasy als auch die Urban Fantasy spielen in verdrehten Versionen unserer Welt. Sonst find ich deine Erklärung gut 🙂

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      1. Zeilenende sagt:

        Letztlich müssen wir mit Pauschalisierungen arbeiten, wenn wir solche Vergleiche anstellen wollen, ich bin mir auch bei manchen Sachen aus der Sci Fi nicht sicher, ob man da von eigener eigenen Welt sprechen kann oder ob das nicht doch unsere Welt ist. Es gibt meiner Erinnerung nach ja auch Horrorromane, die ganz klar den Bruch suchen. Wenn du wirklich eine Typologie der drei Genres anstrebst, wirst du am Ende wohl eine Liste möglicher Unterschiede haben und anhand der Gewichtung der jeweils erfüllten Kriterien entscheiden müssen, welches Bastardkind der Phantastik du vor sich hast. Deshalb bin ich gespannt, ob noch jemandem andere Gesichtspunkte einfallen.

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        1. Florian Born sagt:

          Eine graphische Darstellung davon wäre interessant. Werd ich vielleicht mal machen.

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  3. Fantasy muss doch nicht Horror sein – gibt es denn heute keine schönen Fantasien mehr? Oder meinst Du nur das Film-Genre? E.T.A. Hoffmann war nicht Horror, er hatte viel Rätselhaftes, Trauriges. Die Gewalt scheint heute überall vorzukommen, man sollte auch mal andere Ideen haben als nur Kämpfe und Angsterregendes oder Sensationelles.

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    1. Florian Born sagt:

      Ich beziehe mich, wie eigentlich eh immer, auf Fantasy als Genre der Unterhaltungsindustrie. -> Bücher, Filme, Games.

      Hoffmann sah ich auch nicht als Horror-Autor, sondern als einen der Phantastik.

      Und was Gewaltbetrifft, ist Krieg in der Fantasy wesentlivh öfter das Thema als im Horror. Gleiches gilt für Gewalt.

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  4. Carmilla DeWinter sagt:

    Also, ich gebe unumwunden zu, dass ich gern alles mögliche fühle, es aber nicht so mit „erfundenem“ Grusel und Ekel habe. Völlig realistische Varianten davon gibt’s ja zuhauf in den Nachrichten und bei mir im Brotjob, da muss ich das Äquvalent von konservativen Meinungen und Krieg, bzw. verpilzten Händen und Geruchsbelästigung durch Inkontinenz nicht auch noch in Text- oder Filmform haben.

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    1. Florian Born sagt:

      Also damit kann ich auch nichts anfangen 😀

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  5. Marille Gruenblatt sagt:

    Hm, als so nahe habe ich Fantasy und Horror nie empfunden. Fantasy hat doch meistens die klassische Heldenreise zum Inhalt, während Horror eher darauf abzielt, die tiefsten Ängste wachzukitzeln. Identifikation mit der Geschichte ist somit im Fantasybereich eindeutig leichter – ich lebe auch viel lieber mit einer Person mit, deren charakterliche Entwicklung interessant beschrieben ist, als mich stattdessen zu fürchten 😀
    Kriege sind in dem Sinn zwar schrecklich (und wie man an genug Beispielen der realen Welt sieht, ganz sicher nichts wünschenswertes), aber ein gutes Stilmittel, Wachstum, Reife, Bildung des Protagonisten zu schildern. In der Horrorliteratur (ich bin da allerdings auch nicht so versiert) fällt mir nur der Schrecken als Stilmittel ein, um Schrecken und Gruseln zu erzeugen.

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    1. Florian Born sagt:

      So gesehen wirkt es fast, als wäre die Fantasy wesentlich vielschichtiger als der Horror. Was noch hinzukommt, ist, dass die Fantasy sich dadurch vom Horror abhebt, da sie mit jedem anderen Genre kombinierbar ist. Auch mit dem Horror.
      Was die klassische Heldensage betrifft muss ich ein wenig einschränken. Das war anfangs sicher der Fall, doch nimmt sie in den letzten Jahren auch Elemente des historischen Romans, des Thrillers und manchmal sogar des Krimis an, wobei ich finde, dass ihr das mehr als gut tut.

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      1. Na ja, Horror ist auch mit jedem anderen Genre kombinierbar und wird damit kombiniert – Krimi, SF, Fantasy, Märchen und und und.

        Ich denke, es sind einfach die persönlichen Vorlieben, die die eigene Ansicht speisen, egal welches Genre man präferiert.

        Horror ist deutlich mehr als King, Barker, Lovecraft, Poe, Meyrink, Ewers, Stoker, Shelley; deutlich mehr als Splatter und Ekelhorror, deutlich mehr als John Sinclair oder Gespenster-Krimi. Ob die Bandbreite größer oder kleiner ist als in der Fantasy – kommt es darauf wirklich an? Letztlich wird selbst ein Horrorfan kaum die gesamte Brandbreite kennen, nicht alle Schichten und Nischen ergründen, wie es wohl auch bei Fantasyfans der Fall ist.

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        1. Florian Born sagt:

          Ich wollte dem Horror jetzt keinesfalls Einfallslosigkeit unterstellen. Ich habe einfach nur wesentlich weniger Einblick in dieses Genre (was ich immer wieder aufs Neue bereue), und kann deshalb nur schwer die volle Bandbreite auffassen. Wie auch, ich tue mir ja schon bei Fantasy schwer, die mein absolutes Steckenpferd ist.

          Und auch, wenn ich ein bisschen zu wenig Einblick habe, möchte ich versuchen, die schwammigen Grenzen zwischen Fantasy, Horror und SciFi auszuloten und Ähnlichkeiten hervorheben. Bin da natürlich für jeden Hinweis dankbar 😉

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  6. Das mit dem Ausloten hab ich früher auch mal versucht und bin dabei zu dem Schluss gekommen, dass eng gefasste Genreeinteilungen und -schubladen nicht so mein Ding sind. Die Grenzen sind fließend, und viele Bücher oder Filme in der Phantastik beinhalten mehrere Genres. Die klassische Frage war z.B. immer: „Ist ALIEN nun SF oder Horror?“ – Meine Antwort: Es ist beides, und das ist gut so. 😀

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    1. Florian Born sagt:

      Ja, oft ist es wirklich fließend, aber trotzdem möchte ich versuchen, Elemente herauszupicken. Obs was wird, seh ich dann eh auf halbem Wege 😀
      Dead Space ist da auch drin in dieser Sparte und es gibt ja auch Fantasy, die stark mit der Angst spielt. Jap! Ich werd meinen Spaß damit haben! 😀

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