Ein Königreich für eine KI – Ex Machina

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2015 ist – und wer mir hier widerspricht, sollte sich wirklich mehr mit dem Kino-Programm beschäftigen – das Jahr der KI. Mit Age of Ultron, Chappie und in einem sehr frühen Stadium auch Imitation Game sind künstliche Intelligenzen das zentrale Thema auf der großen Leinwand. Ebenso stürzen sich alle wichtigen Wissenschafts-Magazine, allen voran das PM und das 2030, auf das Thema.

Von der filmischen Perspektive aus gesehen greift vor allem der Film Ex Machina von Sunshine-Drehbuchautor Alex Garland das äußerst strittige Thema rund um die künstlichen Intelligenzen besonders interessant auf. Dabei stellt er den Seher vor nicht nur eine, sondern gleich einen ziemlich großen Batzen an philosophischen Grundfragen, die sich bei diesem Thema stellen. Und lässt sie – vermutlich bewusst – unbeantwortet.

Aber fangen wir von vorne an. Worum geht’s bei Ex Machina jetzt eigentlich? Der Programmierer Caleb gewinnt in der Firmenlotterie einen Trip nach Norwegen, ins Haus des Chefs seines Unternehms. Der bärtige Muskelprotz mit Brille namens Nathan ist der Leiter der größten Suchmaschine der Welt – nein, nicht Google – und ein Arschloch und Macho sondersgleichen.

Und warum?

Recht bald stellt sich heraus, warum er Caleb zu sich geholt hat. Nathan arbeitet an einer KI. Bei allen Göttern, wer hätte es gedacht!? Beim Thema dieses Artikels musste dieses Mysterium erstmal gelöst werden! Sado. Hi!!! Auf jeden Fall soll Caleb heraufinden, ob sich in dem „Hirn“ des Roboters, den Nathan gebaut hat, tatsächlich so etwas wie Intelligenz versteckt, oder ob er diese nur simuliert.

Haut? Naja, fast
Haut? Naja, fast

Das ganze soll mit einer modifizierten Variante des Turing-Tests geschehen. Beim Turing-Test geht’s darum, dass ein Mensch herausfinden muss, ob sein Gegenüber ein Mensch oder eine Maschine ist. Wenn die Maschine ihn reinlegt und als Mensch durchgeht, kann man von einer rudimentären künstlichen Intelligenz sprechen. Hast du grad echt eine hilfreiche Bemerkung gemacht, Sado? Jap! Ich dachte, ich versuch mal was neues. Schön!

Modifiziert ist das ganze deshalb, weil Caleb ja erstens schon weiß, dass er Teil des Turing-Tests ist, und zweitens, weil Ava – so der Name der KI-Dame – laut Nathan technologisch schon weit über dieser Stufe steht. Es geht also darum, dass sie Caleb im Laufe von insgesamt sieben Gesprächen davon überzeugen muss, dass sie ein Bewusstsein hat, obwohl dieser schon weiß, dass sie kein Mensch ist. Wenn das der Fall ist, kann man nämlich wirklich von einer KI sprechen.

Und weiter?

Bevor ich euch jetzt auf einem Floß aus Spoilern durch die restliche Geschichte paddeln lasse, hör ich hier mal besser auf über diese zu schreiben und konzentriere mich stattdessen auf die Welt, in der sie spielt. Auch wenn dazu nicht besonders viel zu sagen ist. Gib’s doch einfach zu! Du warst einfach zu sehr von scharfen Robo-Lady abgelenkt und hast dich deshalb nicht auf die Welt konzentrieren können!

Innereien? Erneut: fast!
Innereien? Erneut: fast!

Ähm, nein… Der Grund, warum ich euch nur sehr wenig über die Welt erzählen kann, ist, dass nur sehr wenig von der Welt gezeigt wurde. Garland hat die Welt, erneut vermutlich bewusst, außer Acht gelassen, um mit Ex Machina eine zeitlose Geschichte auf die Leinwand zu zaubern. Ich kann an diesem Punkt also nur Vermutungen anstellen. Also:

Wir habens es wahrscheinlich mit einer zukünftigen Welt zu tun, die einige Zeit in der Zukunft spielt. Darauf lassen zumindest die Gadgets schließen, die auf einem wesentlich höheren Stand sind als unsere heutigen Technologien. Vor allem die Funktionsweise von Ava ist weit über unserem heutigen Stand der Technik. Außerdem dominiert eine andere Suchmaschine als Google den Markt – und wir wissen alle, dass das erst in seeehhhr ferner Zukunft der Fall sein kann.

Oder doch nicht?

Aber na gut, wir könnten es auch mit einer verdrehten Welt zu tun haben, in der Google nie so wichtig wurde. Oder einer verdrehten, zukünftigen Welt… Hör auf… Ich krieg schon Kopfweh… Sei’s wie’s sei! Man merkt, dass Garland kaum einen Fokus auf die Welt gelegt hat, bewusst vermutlich. Die Charaktere und die Messages, die sich unter dem Plot verbergen, sind ihm allem Anschein nach wesentlich wichtiger gewesen als diese.

Ein Mensch? Beinahe
Ein Mensch? Beinahe

In meinen Augen war das genau die richtige Entscheidung. Hätte er sich zu sehr auf die Welt gestürzt, wäre ihm viel an Charakter-Tiefe und philsophischen Aspekten verloren gegangen. Vor allem der kritische und gleichzeitig gespannte Blick auf die Möglichkeiten und Gefahren, vor die künstliche Intelligenzen uns stellen könnten, ist ihm so ziemlich gut gelungen.

Wie schon an anderer Stelle werde ich mit einem Zitat aus dem Film enden, das ihn recht gut beschreibt. „Wenn wir eine KI erschaffen, sind wir nicht länger Menschen. Dann sind wir Götter.“ – Mr. Zitierfähig, Caleb.

Weltenwertung: ?

Ich hab jetzt eine Weile überlegt, welche Bewertung ich Ex Machina geben könnte. Der Film ist wirklich gut und ich lege ihn jedem ans Herz, der auf philosophische und ethische Grundfragen versteckt hinter Bewegtbildern steht. Der Welt alleine eine Bewertung zu geben, ist jedoch in diesem Fall nicht machbar, einfach weil sie eine so untegeordnete Rolle spielt.

Das war sie also, meine Weltenwertung ohne Weltenwertung zu Ex Machina. Natürlich möchte ich jetzt von euch wissen, ob ihr den Film schon gesehen habt, oder es zumindest vorhabt. Und auch dazu, wie ihr zum Thema KIs und dem Jahr 2015 als Jahr der KI steht! Also: Hinterlasst mir doch einen Kommentar (:

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8 Kommentare Gib deinen ab

  1. Carmilla DeWinter sagt:

    Ich habe „Es Machina“ noch nicht gesehen, aber nach deiner Beschreibung ist es weltenbauerisch wohl das genaue Gegenteil von „Age of Ultron“, wo, sagen wir mal, die Philosphie noch weniger zu melden hat als sonst im Marvel Kino-Universum…

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    1. Florian Born sagt:

      Auf jeden Fall einen Blick wert 😉

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  2. Wortman sagt:

    Der Trailer sah ja nicht schlecht aus. Da könnte man mal einen DVD-Blick riskieren.
    Turing-Test… *hehe* Blade Runner lässt grüßen 😉

    IM Zuge von intelligenten Robotern müsstest ja eigentlich auch „Aurora“ schauen 🙂

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    1. Florian Born sagt:

      Aurora? Der sagt mir nichts… Kläre sie mich auf bitte! 🙂

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      1. Wortman sagt:

        Such mal nach Aurora Trailer bei Youtube

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  3. franziska-t sagt:

    Ich fand den Film sehr gut, weil er zwar philosophische Fragen stellt, diese aber nicht mit der Moralkeule schwingend im Zuschauerraum verteilt. Überrascht hat mich wieder einmal Oscar Isaac, der in jedem Film völlig anders aussieht und auch irgendwie anders spielt. Ich war bisher kein Fan von ihm, aber so langsam wächst der positive Eindruck.

    Hier meine Rezension: https://filmkompass.wordpress.com/2015/05/20/ex-machina-2015/

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    1. Florian Born sagt:

      Da stimme ich dir voll zu!!!

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