Schwarz, weiß oder Grau?

Ich glaub, es wird wieder mal Zeit für ein Thema am Rande der Welten und mit Fokus auf Literatur und Unterahltungsindustrie. Auf der Meta-Ebene sozusagen! Hör auf zu schwafeln und komm zum Punkt! Jaja, du Stänker. Das Thema, dem ich mich heute widmen möchte, ist schon so manches Mal in den Kommentaren aufgekommen, bisher bin ich aber noch nicht dazu gekommen, dass ich mir mal ernsthaft Gedanken darüber mache und euch diese auch mitteile.

Konkret: Es geht um Schwarz-Weiß-Malerei in der Fantasy. Ich hab das zwar schon beim Thema Eskapismus ein wenig angeschnitten, trotzdem finde ich, dass ich darauf nochmal den Fokus legen sollte. Die Frage ist also: „Tendiert die Fantasy dazu, Dinge zu vereinfachen und stark in Schwarz und Weiß aufzugliedern?“ Meine ehrliche Antwort darauf: Jein. Wow, das ist ja mal wieder jemand superkonkret…

Naja, stimmt doch! Es ist wieder mal brutal schwer, hier eine konkrete Antwort zu geben, einfach weil die Frage viel zu undifferenziert ist! Man würde doch auch nicht fragen: „Wie schmeckt Suppe?“ Knoblauchcremesuppe kann man mit Peking-Suppe genauso wenig vergleichen wie stark ausdifferenzierte High Fantasy mit All-Age-Urban. Ist ja auch völlig logisch, suchen sich die beiden Genres doch völlig andere Zielgruppen.

So viel Unterschied!

Und selbst innerhalb der Subgenres gibt es gigantische Unterschiede. Ich glaube, niemand würde auf den Gedanken kommen, einen Brent Weeks mit einem Markus Heitz gleichzusetzen, wenn er die beiden schonmal gelesen hat. Aber na gut, ein weiteres Heitz-Bashing brint uns der Antwort auch nicht näher, auch wenn es Spaß macht. Und du hast ja schon gesagt, dass die Zielgruppe einen Unterschied macht. Oh, ja! Danke, Sado!

Kein Charakter ist nur böse (Bild Samanprox)
Kein Charakter ist nur böse (Bild Samanprox)

Natürlich macht es einen gewaltigen Unterschied, ob ein Autor für 13- oder 33-jährige schreibt, nicht nur stilistisch, sondern auch vonseiten des Aufbaus und der Geschichte. Einem Leser mit weniger Erfahrung machen flachere Charaktere und Strukturen weit weniger als einem, der schon 200 Bücher aufwärts gelesen hat. Dem muss man schon etwas bieten, wenn man ihn bei der Stange halten will.

Deswegen passt mein Jein. Es gibt durchaus Fantasy, die mit starkem Schwarz-Weiß-Filter arbeitet. Grauzonen braucht ja eh keine Sau, nach deren Meinung. Dann gibt es aber auch wieder jene Autoren, die sich so sehr in ihren Grauzonen bewegen, dass man meinen könnte, man stünde im dichtesten Nebel. Bei ihnen gibt es keinen einzigen Charakter, der gut oder böse wäre. Natürlich sind manche fieser und manche netter, doch wirklich einen als durch und durch böse zu bezeichnen, würde man sich hier kaum trauen.

Und doch gleich…

Hier wird wieder einmal offenbar, wie sehr die Fantasy sich emanzipiert hat. Während bei Tolkien noch alles schön aufgeteilt war – die guten Menschen und Elben und die bösen Orks –, gehen Autoren heute oftmals komplett anders an diese Themen heran. Sie versuchen jedem eine gute und eine schlechte Seite zu geben und wenn jemand tatsächlich etwas schlechtes tut, sollte man ihm wenigstens einen Grund dafür geben. Okay, klar, alle machen das auch nicht, aber zumindest einige.

Es existieren immer beide Seiten (Bild vonFlockhart)
Es existieren immer beide Seiten (Bild vonFlockhart)

Gerade dieser Punkt des begründeten Bösen ist ein wichtiger Punkt, der oft übersehen wird. In Game Of Thrones zum Beispiel hat jeder Charakter einen Grund für seine Taten. Manche wollen ihre Familie schützen, manche wollen sich vor anderen beweisen und manche werden einfach nur von Habgier oder Rache getrieben. Keine Tat entsteht jedoch aus dem Nichts, egal ob sie gut oder böse sein mag. Der Einzige, der diese Regel brechen darf, ist der Joker. Und Voldemort vielleicht…

Mehr ist zu diesem Thema eigentlich nicht zu sagen.Kernpunkt ist und bleibt, dass man auf keine Fall relativieren sollte. Fantasy kann sein, was sie sein will, die Genre-Grenzen die sie binden sind schließlich bei weitem schwächer, als bei den meisten anderen Genres. Und letzten Endes hängt schließlich doch alles vom Autor ab. Und wenn der schlecht ist, dann ist es egal, was er schreibt! So kann man es auch sagen…

Wie seht ihr die Sache? Ist Fantasy wirklich schwarz-weiß, oder seid ihr auf meiner Seite und findet, dass man ein Genre nicht anhand weniger Bücher beurteilen darf? Hinterlasst mir doch einen Kommentar, eure Meinung würde mich hier wieder einmal wahnsinnig interessieren (:

Advertisements

10 Kommentare Gib deinen ab

  1. chickinwhite sagt:

    Yep! Sehr gut auf den Punkt gebracht!
    Es gibt sicherlich kein Genre dass sich intern in so vielen Punkten so sehr unterscheidet.
    Allerdings sind die, laß mich mal sagen: „Modewellen“ (siehe all die nettes-Mädchen-trifft-bad-guy(*hüstel – blutleeren Vampir mit -huuuhh- hübscher Fassade und sooooo nettem Kern – hüstel.hüstel…*) dann aber schon wieder so gleich gestrickt dass schon fast das Motto gilt: kennst du eine kennst du alle!
    Dennoch: Fantasy ist eine so kunterbunte Spielwiese dass alles erlaubt ist, schwarz und weiß, grau, bunt oder gestreift und gekleckst…
    Genau deshalb mag ich sie wahrscheinlich so sehr… 😉

    Gefällt 1 Person

    1. Florian Born sagt:

      Ja du hast einen Punkt 🙂

      Gefällt mir

  2. Zeilenende sagt:

    Die Motivation des Schurken, sich auf die Seite des Bösen zu schlagen, ändert nicht unbedingt etwas an der Schwarz-Weiß-Malerei des Autors, sie wird dadurch nur nebensächlich, weil der Leser so gezwungen ist, sich mit dem Schurken zu beschäftigen und die Frage nach dessen Bösartigkeit so erfolgreich verschleiern kann. Die Maßstäbe zur Beurteilung seines Verhaltens sind nur sehr bedingt von seiner schlechten Kinderstube abhängig, er bleibt der Schurke und hat es verdient, dass der Held ihn am Ende besiegt und das Gute triumphiert. Egal wie gemein die große Liebe zu ihm war, ist das noch lange kein Grund, die ganze Welt in Schutt und Asche zu legen.
    Es stellt sich also die Frage, wozu Schwarz-Weiß im Storytelling dient. Sie gibt dem Leser Orientierung. Deshalb mag ich Game of Thrones (die Serie, die Bücher habe ich nicht gelesen) nicht sonderlich, es ist in erster Linie verstörend, weil es jede Ethik brutal auf dem Altar der Realpolitik zertrümmert. Da kann ich auch Zeitung lesen und bekomme mehr Idealismus geboten.
    Nebenbei: Warum wird eigentlich der strahlende Held nie psychologisiert? Der hat in den meisten Fällen einen ausgeprägten Märtyrerkomplex.
    Ich weiß, nach diesem Schuss in meine Gedanken, gar nicht mehr, worauf ich hinauswollte. Vielleicht ist es dies: Insbesondere Fantasy, interessiert sich an irgendeiner Stelle immer dafür, das Böse begreifbar zu machen. Das wirklich Böse, das Dämonische. Deshalb ist der Schurke so selten ein Mensch. Das macht den Bösen nicht weniger böse, aber es hilft, das Böse in unserer Welt besser begreifen zu können. Und ihn besiegt zu sehen hat was kathartisches.

    Und deshalb ist Twilight auch kein Fantasy sondern ne Schmonzette mit Fantasydekor…

    Gefällt mir

    1. Florian Born sagt:

      Boah! Den Kommentar muss ich erstmals verdauen 😀
      Ich muss gerade wegen dem hohen Realismus von Game of Thrones sagen, dass die Bücher und auch die Serie deshalb stark aus der restlichen Fantasy herausstechen. Dadurch eben, dass jeder gut wie böse ist, und das Gute (in diesem Fall zb Ned Stark) gleich mal fällt.
      Game of Thrones ist so gesehen keine klassische Fantasy. Laut Spiegel Online (man möge mich korrigieren, sollte ich Medien verwechseln) ist GoT Fantasy für Leute, die keine Fantasy mögen.
      Doch genau das ist das Interessante an Fantasy. Sie ist so vielfältig wie die gesamte restliche Literatur zusammen, einfach, weil sie einfahc mal alles sein kann. Von unheimlich realstisch über Klischees bis zu richtig plakativ ist alles dabei.

      Das Böse begreifbar machen. Ja, das kennen wir aus allen großen Reihen (außer GoT natürlich). Voldemort, Sauron, Galbatorix. Sie alle sind ein Teil des Bösen.

      Zurück zum Vorherigen nochmal: Ich glaube, dass dieser Schritt, den GoT geht, dem Genre wahnsinnig gut tut und es teilweise aus der Nische herauslockt, in die es sich verbuddelt hat.

      Und scheinbar müssen zu diesem Thema noch mehr Artikel meinerseits kommen, wenn ich mir die Länge dieses Kommentars ansehe 😀

      Gefällt 2 Personen

      1. Zeilenende sagt:

        Ich hab ja auch einfach nur haufenweise Gedankenbrocken in den Raum geworfen und meinen roten Faden mehr als nur einmal verloren. Wenn due den tieferen Sinn, der alles zusammenhält, findest, gib ihn mir bitte zurück. 🙂 *streicht weitere Abschweifungen*
        GoT ist letztlich auch nur „Rome“ mit Drachen … *mal unqualifiziert rumverallgemeinert* Aber es könnte in der Tat dabei helfen, die Fantasyfangemeinde ein paar liebgewonnene Klischees kritisch hinterfragen zu lassen und neue Klischees zu entwickeln.

        Gefällt 2 Personen

  3. Wortman sagt:

    Es gibt genauso viel schwarz – weiß wie bunt in der Fantasy oder auch in vielen anderen Genres. In der Fantasy erwarten eben auch viele, dass Orks böse sind, Elben manchmal nicht wissen ob man nur auf der guten Seite bleibt und Menschen wechseln eh andauernd 😉
    Zu anderen Genres hin wird die Fantasy sichelrich etwas mehr farbenblind sein aber stört es irgendwie sehr? Ich glaube nicht. Zu neuen Wegen sagen wir gerne ja.

    Gefällt 1 Person

    1. Florian Born sagt:

      Kann ich nur voll zustimmen. Du hast da eh schon alles gesagt 😀

      Gefällt mir

  4. Sind wir doch ganz ehrlich: Fantasy lebt von dem Konflikt Gut gegen Böse ODER Weltuntergang mit „ein(e) Auserwählte(r) zieht los, um die Welt zu retten“. Das schwarz-weiß ist somit vorprogrammiert. Das ist eben das schrecklich langweilige an vielen Fantasy-Büchern. Was ich mich schon über diese Auserwählten geärgert habe. Himmel!
    Übrigens ein Grund mehr Terry Pratchett zu lesen, da gibt es immer wieder mal eben kein richtiges Happy End und so weit weg von der Realität bewegt sich die Scheibenwelt eben nicht. Oder aber GoT schauen. Das verwirrende an GoT ist eben: diese verdammte Welt geht gar nicht unter und die schlagen sich trotzdem andauernd die Köpfe ein. Was würde denn bei GoT passieren, wenn plötzlich eine „Apokalypse“ drohen würde, wie z.B. bei Lotr?
    Ob nun das schwarz-weiß dem Leser Orientierung gibt? Wahrscheinlich. Die meisten mögen die gute Seite nur deshalb wählen und sich an ihr orientieren, weil sie wissen, dass die schlechte mit 99.9% verlieren wird und wer will bewusst Verlierer sein? Das würde dem menschlichen Naturell widersprechen.

    Gefällt 1 Person

    1. Florian Born sagt:

      Da ist schon was dran, aber es ist auch manchmal schön zu sehen, wenn die guten zu den bösen und die bösen zu den guten oder doch alle nur irgendwie grau werden 😉

      Gefällt mir

Sagt mir eure Meinung!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s