Ein Schicksal – New World Project

Wie lange es wohl noch dauern würde, bis das Konzil bemerkte, dass ich seit – wer weiß wie lange – keinen Bericht mehr abgeliefert hatte? Natürlich waren noch viele andere Wanderinnen in den Welten unterwegs, aber dennoch… Früher oder später würden die Verantwortlichen bemerken, dass ich mich schon viel zu lange nicht mehr gemeldet hatte.

Umso wichtiger war es jetzt, dass ich das beendete, was ich begonnen hatte. Ich konnte – ich wollte – dies nicht unvollendet lassen. Etwas gab es noch zu tun. Ich trat an den Rand der Insel heran und blickte in die Tiefe. Weit unter mir lag das Herz dieser Welt, der Ort, an dem die Gegenwart, die Zukunft und die Vergangenheit der Welt gesammelt waren. Der Ort, an den ich nun gehen musste.

Ich schob meinen Fuß über den Rand der Insel und ließ mich fallen. Wie ein Greifvogel stieß ich hinab auf das Herz der Welt zu. Inseln schossen an mir vorbei und noch einmal durfte ich erkennen, dass das Leben schon jetzt zum Teil dieser Welt geworden war. Pflanzen hatten die Inseln bevölkert. Tiere durfte ich noch keine erblicken, doch das verwunderte mich nicht.

Tunnel und Höhle

Weit unter mir konnte ich plötzlich etwas erkennen, das sich von dem Nebel abhob, der in den unteren Ebenen herrschte. Zunächst hielt ich es nur für eine weitere Insel, doch erkannte ich bald, dass dies mehr was als das. Der Grund. Ich bremste meinen Fall und setzte langsam auf. Um mich herum herrschte dichter Nebel und das Gras zu meinen Füßen war entweder mit Tau bedeckt, oder sumpfig. Auch die Luft war wesentlich dichter und heißer als auf der Höhe der Inseln.

Dennoch war ich noch nicht am Herzen dieser Welt angelangt. Ich spürte seine Präsenz – ich hatte auf meinen Reisen schon so viele Herzen gesehen, dass ich dieses Gefühl nur bestens kannte – doch trennten mich noch einige Erdschichten von ihm. So wandte ich meine Aufmerksamkeit dem Grund unter meinen Füßen und schuf einen Tunnel, der mich zum Herzen führen würde. War meine Aufgabe hier erledigt, würde ich ihn wieder schließen.

Erde und Stein schoben sich vor mir zur Seite und ließen mich tief in die Welt hinabsteigen. Schon nach wenigen Metern war ich von völliger Dunkelheit umhüllt und musste mich vortasten. Wie lange ich nach unten stieg, kann ich nicht sagen, doch irgendwann endete der Tunnel und ich stand in einer Höhle, die von großen Kristallen erleuchtet wurde.

Höhle und Herz

Und mitten in dieser schwebte es, das Herz der Welt. Wie jedes Mal, wenn ich eines erblicken durfte, durchströmte mich pures Glück, doch dieses Mal war dieses Gefühl noch überwältigender. Vielleicht, weil ich dieses Herz erschaffen hatte. Vielleicht, weil dieses Herz ein Teil von mir war. Vielleicht bildete ich es mir nur ein.

Ich Schritt auf das Herz zu und streckte ihm langsam meine Hände entgegen. Als sie es berührten, prasselten Bilder auf mich ein, mit einer Wucht, die mich erstarren ließ. Meine Hände wollten zurückzucken, doch ich hielt sie davon ab. Dies war nicht die richtige Zeit für Scheu. Stattdessen drang ich mit meinen Gedanken noch weiter in die Bilder ein. Zukunft, Vergangenheit und Gegenwart von jedem Ort dieser Welt prasselten gleichzeitig wie ein Hagelsturm auf mich ein. Nicht mal das Chaos einer ungeborenen Welt konnte es mit diesem Gefühl aufnehmen.

Ich kannte dieses Gefühl. Herzen zu berühren, in Herzen zu sehen, war nichts neues für mich. Doch zum ersten Mal war ich gezwungen, ein Herz zu formen. Ich ließ die Bilder dieser Welt durch mich hindurchfahren und begann sie mit meinen Erinnerungen, meinen Vorstellungen und meinen Wünschen für diese Welt zu vermischen. Und so geschah es, dass ich langsam die Zukunft dieser, meiner Welt zu formen begann. Nicht bis ins letzte Detail, dafür fehlten mir Zeit und Erfahrung. Doch so weit, dass Leben diese Welt bevölkern würde.

Herz und Flucht

Es würde Tiere geben, des Himmels, des Landes und des Wassers. Es würde Kreaturen und Monster geben, mächtiger als die Tiere, mächtiger als so manche intelligente Spezies, doch niemals so klug wie diese. Und von diesen Völkern würde es fünf geben. Fünf Völker, um diese Inseln zu beherrschen und sie sich untertan zu machen. Die ersten würden die Menschen sein und aus ihnen würden die anderen entstammen.

Nach ihnen würden die Elben kommen. Den Menschen im Aussehen fast gleich, doch in der Gesinnung gänzlich anders. Dann kämen die Seraphim, majestätische Wesen, mit Flügeln wie Adler und Herrscher der Himmel. Und mit ihnen kämen die Kithari, die den Menschen und Elben ähnelten, deren Gestalt jedoch auch derer von Katzen glich. Das letzte Volk dieser Welt wären die Orks, entfernte Abkömmlinge der Elben oder Menschen, durch Umwelteinflüsse völlig verändert.

Der Wanderer zieht von dannen (Bild von mrNepa)
Der Wanderer zieht von dannen (Bild von mrNepa)

Diese Völker würden diese Inseln bevölkern. Wie es dazu kommen würde, bestimmte ich jedoch nicht. Die Welt sollte den Weg dahin selbst finden. Gerade, als ich meine Hände vom Herzen löste, spürte ich eine Vibration im Gefüge meiner Schöpfung. Jemand war gekommen! Jemand hatte diese Welt bemerkt! Ich musste den Pfad zum Herzen versiegeln, damit meine Arbeit nicht verloren war.

Ich fokussierte all meine Kraft auf den Tunnel und ließ ihn einstürzen. Er würde von außen nicht mehr erkenntlich sein. Noch einmal warf ich einen Blick auf das Herz. Ich wusste nicht, ob ich noch einmal hierher zurückkehren konnte. Wenn das Konzil wusste, was ich getan hatte, dann würden sie mich suchen. Das einzige, dass ich tun konnte, war, das Herz zu schützen.

Vorsichtig berührte ich seine Oberfläche und schickte ein wenig meiner Kraft, meiner Essenz in das Herz. Nun würde niemand außer mir, die Zukunft dieser Welt bestimmen können. Sie würde bestehen… Mit diesem Wissen nahm ich meine Hände vom Herzen und trat zurück. Im nächsten Augenblick berührte Sonnenschein mein Haupt.


Die Geschichte unseres Wanderers ist – zumindest fürs Erste – zu Ende erzählt. Die Geschichte ihrer Welt, unserer Welt, hat gerade erst begonnen. Den Katzenmenschen hab ich übrigens um der Seriösität Willen einen eigenen Namen verpasst. Kithari hab ich vom finnischen Kissa (=Katze) abgeleitet.

Bevor wir uns aber auf einzelne Völker stürzen können, müssen wir noch eine wichtige Frage beantworten: Bei welchen Völkern würdet ihr gern magische Kräfte sehen und bei welchen nicht? Beantwortet mir das gleich in dieser Umfrage hier. Eigentlich eh klar, dass dann für jedes Volk ein JA oder NEIN stehen muss 😀

Bin gespannt, welchen ihr magische Kräfte geben wollt und welchen nicht. Das Ergebnis gibt’s wie gewohnt am Montag Abend auf Facebook und Twitter. Also folgt mir dort gefälligst, wenn ihr es nicht eh schon tut (; Beide Knöpfe findet ihr zu eurer Rechten ->

Wie die Magie auf dieser Welt funktioniert, also woher die Kraft kommt, hab ich ja schon während der Entstehung der Welt ein wenig verbaut. Aber trotzdem können die Völker unterschiedliche Stile entwickeln. Wenn ihr dafür Ideen habt, hinterlasst sie mir bitte in den Kommentaren oder in dem Kommentarbogen, den ich eingerichtet habe (:

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11 Kommentare Gib deinen ab

  1. Zeilenende sagt:

    Auch wenn meine vielgeliebten Halblinge es einmal mehr nicht geschafft haben, jemand anderes Herz zu erobern, macht es große Freude zu lesen. Und es bleibt mehr Halbling für mich. 🙂 Ich bin gespannt, wie die Abstimmung ausgeht, eigentlich bin ich ja für „entweder alle Magie oder keiner“, aber in diesem spezifischen Fall fand ich die Überlegung spannend: Was, wenn nur die Orks durch ihre Mutation gelernt hätten, die Magie zu nutzen? Dementsprechend habe ich abgestimmt.

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    1. Florian Born sagt:

      Schöner Gedanke 🙂

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  2. Wortman sagt:

    Dein Schreibstil gefällt mir unheimlich gut. Da solltest was draus machen 😉

    Ich habe mal den Standard gewählt: Menschen, Elben, Searphim ein Ja. Allerdings muss ich sagen, Zeilenendes Idee mit „nur Orks“ finde ich auch gar nicht so übel. Da ließe sich einiges draus machen.

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    1. Florian Born sagt:

      Wär auch was, stimmt. Mal sehen, wie sich das entwickelt 🙂

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      1. Wortman sagt:

        Schauen wir mal… ein Roman kann da immer noch herausspringen 😉

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        1. Florian Born sagt:

          Wenn nicht sogar mehr 😀

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        2. Wortman sagt:

          Oder das 😉
          Schreibst grade ein Drehbuch? 😉

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        3. Florian Born sagt:

          😀 ich wart mal, was die Welt noch so ergibt 😉

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        4. Wortman sagt:

          Einiges, denke ich 🙂

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    2. Zeilenende sagt:

      Ich hätte bei den Serphim ja Sorgen, dass die zu über werden, wenn die zaubern können, auch deshalb musste ich mir ein paar Gedanken mehr machen. Aber Balance lässt sich glücklicherweise auch anderweitig herstellen.

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      1. Florian Born sagt:

        War auch mein Gedanke, deshalb hab ich bei ihnen nein gesagt

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