Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leiden sie noch heute – reloaded!

Nachdem ich schon einmal die grausigen Märchen hinter Disney-Filmen enthüllte, dachte ich, es wäre an der Zeit, euch noch ein paar mehr Märchen zu „vermiesen“. Nach dem Abtrennen von Körperteilen bei Cinderella, Selbstmord bei Arielle und Vergewaltigungen bei Dornröschen sind hier drei weitere Geschichten, die bei weitem nicht so unschuldig sind, wie es uns Disney glauben lassen will.

Lass dein Haar herunter!

Die Disney-Verfilmung von Rapunzel ist ja gar nicht mal so alt. Ihr deutscher Titel „Neu verföhnt“ ist auch recht passend, wenn man bedenkt, dass die Geschichte von dem Mädchen mit dem Zauberhaar, das mit einem warmherzigen Dieb zusammenkommt, nicht mehr viel mit dem Märchen der Gebrüder Grimm gemein hat.

Das beginnt nämlich mit Rapunzels Mutter, die während ihrer Schwangerschaft einen Heißhunger auf Rapunzeln, oder auf gut österreichisch Vogerlsalat, verspürte. Deshalb schickt sie ihren Mann zum Garten der Nachbarin, einer Zauberin namens Gothel, um deren Rapunzeln zu stehlen. Leider wird der Gute aber von der Hausherrin erwischt und muss ihr zur Strafe sein Kind versprechen.

Vogerlsalat, Vogerlsalat! Lass dein Haar herunter! (Bild von IgnisFatuusII)
Vogerlsalat, Vogerlsalat! Lass dein Haar herunter! (Bild von IgnisFatuusII)

Gothel nimmt das Kind gleich nach der Geburt an sich und nennt es Rapunzel. Sie sperrt die Kleine, als sie zwölf wird in ihren Turm und klettert hin und wieder an ihrem Haar herauf, um sie mit Nahrung zu versorgen.

Ein Prinz wird Zeuge dieses Schauspiels und zieht sich selbst an dem Zopf zu Rapunzel in den Turm, die sich natürlich sofort in ihn verliebt. Gothel bekommt aber Wind davon und verbannt das Mädchen in eine Wüste. Den Prinzen trickst sie aus, als er Rapunzel wieder besuchen möchte und erwartet ihn an Rapunzels Stelle im Turm. Der Prinz erschreckt so sehr, dass er aus dem Fenster springt und in einen Dornenbusch fällt, wodurch er erblindet. Alleine irrt er umher, bis er zufällig über Rapunzel stolpert. Deren Tränen heilen seine Augen und er führt sie heim in sein Königreich, wo sie glücklich bis ans Ende aller Tage leben.

Weiß wie Schnee und rot wie Blut

Im Gegensatz zu Rapunzel ist Schneewittchen einer der ältesten Disney-Filme überhaupt. Auch hier stimmt das Original der Gebrüder Grimm nicht ganz mit der Geschichte der Prinzessin, die einen vergifteten Apfel isst und durch den Kuss ihres Prinzen wieder zum Leben erweckt wird, überein.

Geht es nach dem Märchen, beauftragt die böse Königin und Stiefmutter Schneewittchens einen Jäger, ihre Stieftochter zu töten und ihr als Beweis deren Lunge und Leber zu bringen. Er bringt es aber nicht übers Herz und lässt das Mädchen laufen, stattdessen bringt er der Königin Lunge und Leber eines jungen Wildschweins. Die Königin, die denkt es seien Schneewittchens sterbliche Überreste, lässt Lunge und Leber kochen und verspeist diese.

An Apple a day oder so... (Bild von Zindy)
An Apple a day oder so… (Bild von Zindy)

Schneewittchen kommt unterdessen bei den sieben Zwergen unter und schmeißt deren Haushalt. Die Königin findet aber bald raus, dass ihre Stieftochter noch lebt und versucht sie, verkleidet als alte Frau, zu töten. Beim ersten Versuch verkauft sie Schneewittchen ein Korsett, das sie so eng schnürt, dass Schneewittchen keine Luft mehr bekommt. Die Zwerge entdecken das bewusstlose Mädchen aber noch rechtzeitig und können sie befreien.

Beim zweiten Versuch verkauft die Königin Schneewittchen einen vergifteten Kamm. Diesen können die Zwerge aber wieder rechtzeitig aus ihrem Haar entfernen. Der dritte Versuch, mit dem vergifteten Apfel war erfolgreich, ihr bleibt ein Stück im Hals stecken und die Zwerge können sie nicht mehr retten. Traurig bahren sie Schneewittchen in einem gläsernen Sarg im Wald auf. Ein Prinz kommt zufällig vorbei und verliebt sich augenblicklich in die Tote. Er will den Sarg bei sich zu Hause stehen haben und befiehlt den Zwergen den Sarg zu seinem Heim zu tragen. Dabei stolpern die Zwerge aber über einen Stein, worauf das Apfelstück aus Schneewittchens Hals rutscht. Sie erwacht und feiert schon bald Hochzeit mit dem Prinzen. Zu diesem Fest ist auch die böse Königin eingeladen, wo sie ihre gerechte Strafe für den versuchten Mord an Schneewittchen erhält und in rotglühenden Eisenpantoffeln so lange tanzen muss, bis sie tot zusammenbricht.

Let it go!

Keiner der neueren Disney-Filme war so erfolgreich und erlebte so einen Hype wie „Frozen“, oder zu deutsch „Die Eiskönigin“. Die niedliche Geschichte um die zwei Schwestern und den sprechenden Schneemann, der den Sommer liebt, könnte nicht ferner von Hans Christian Andersens Originalmärchen „Die Schneekönigin“ liegen.

Es beginnt damit, dass der Teufel einen Spiegel erschafft, der alles Schöne und Gute verzerrte, sodass es hässlich und böse aussieht während das Böse als gut erscheint. Anscheinend war der Teufel aber ziemlich tollpatschig, denn er lässt den Spiegel versehentlich fallen, worauf sich die Splitter über die ganze Welt verteilten und für Chaos sorgten.

Szenenwechsel: Die beiden Kinder Kai und Gerda sind beste Freunde und spielen im Garten, als Kai von zwei Spiegelsplittern getroffen wird – einer bleibt ihm im Auge stecken und einer im Herz. Gerda erscheint ihm fortan als hässlich und böse, weshalb er sich von ihr abwendet.

Forstige Gesellschaft hat er da (Bild von Kelleybean86)
Forstige Gesellschaft hat er da (Bild von Kelleybean86)

Es wird Winter und Kai hängt sich spaßhalber an eine vorbeifahrende Kutsche ran. In dieser sitzt die Schneekönigin, die den Jungen zu sich reinzieht, ihn küsst und ihn entführt. Die Kälte des Kusses tötet ihn fast und er fristet von nun an ein Dasein in ihrem Eispalast.

Gerda beschließt unterdessen ihren verschwundenen Freund zu suchen. Auf ihrer Reise muss sie einigen Gefahren trotzen, unter anderem einer Zauberin, die sie für immer bei sich behalten wollte und Räubern, die sie mit ihren Messern „kitzeln“. Schließlich findet sie aber das Schloss der Schneekönigin, wo sie Kai findet. Der ist fast schwarz gefroren vor Kälte und versucht mit Eisplatten das Wort „Ewigkeit“ zu legen; sollte er es schaffen lässt die Schneekönigin ihn frei.

Wegen des Splitters in seinem Auge schafft er es aber nicht und ist scheinbar dazu verdammt, ewig im Eispalast bleiben zu müssen. So findet Gerda ihn und beginnt um ihn zu weinen. Die Tränen lassen sein Eisherz schmelzen und die Splitter verschwinden. Wie von Zauberhand erscheint das Wort „Ewigkeit“ und die beiden dürfen wieder gehen. Als sie endlich daheim ankommen sind beide erwachsen geworden.


Ausgestochene Augen, Kannibalismus, Nekrophilie, Kindesentführung – wie herzerwärmend Märchen doch sind. Zumindest mit den Augen eines Erwachsenen. Als Kind ahnt man glücklicherweise nicht wie grausig diese Geschichten wirklich sein können und das ist auch gut so. Erwachsen werden wir schließlich schnell genug.

Kennt ihr noch mehr Märchen, bei denen man zuerst nicht denkt, wie brutal sie wirklich sind? Wie sieht es mit anderen Märchenerzählern aus? Das würde mich sehr interessieren, da ich als Kind bloß Grimm und Andersen vorgelesen bekommen habe.

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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wortman sagt:

    Im Grunde gibt es keine netten Märchen. Alle haben Bosheiten drin. Es kommt immer jemand mehr oder minder zu Schaden.

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    1. Das auf jeden Fall. Ich finde es nur lustig, dass viele eher die verharmlosten Disney-Versionen der Märchen kennen als die grausigen Originalstorys. 😉

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      1. Wortman sagt:

        Das liegt wahrscheinlich an der drückenden DVD- und TV – Übermacht von Disney 😉

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  2. Carmilla DeWinter sagt:

    Eh, cool. Noch viel blutrünstigere Enden hat Sofian von der Schreibstube zusammengetragen: https://sofiansschreibstube.wordpress.com/2014/12/04/das-eigentliche-ende-deutscher-marchen-teil-1/

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    1. Ziemlich cool, danke für den Hinweis. 🙂

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