Monster im Spotlight: der Golem

Egal ob nun in der Fantasy, in der Science Fiction, im Horror oder in der Mythologie, Monster spielen eine große Rolle und stellen die Helden oder auch die Widersacher oft vor große Herausforderungen. In der Reihe “Monster im Spotlight” stelle ich immer wieder mal ein Monster vor, das es mir aus irgendeinem Grund angetan hat. Dieses Mal:

Der Golem

Wer Golem hört, denkt zuerst mal direkt entweder an ein Online-Tech-Magazin oder an einen lebenden Lehmklumpen. Wer an zweiteres denkt, liegt in diesem Fall richtig. Die, die an ersteres gedacht haben, müssen sich aber auch nicht schlecht fühlen. Konzentriert euch jetzt einfach auf den lebenden Lehmklumpen. Um den soll es hier nämlich gehen. Also: Wer oder was ist der Golem?

Beim Golem handelt es sich um eine Figur aus der jüdischen Mystik, deren Ursprünge im Mittelalter Mitteleuropas gefunden werden. Äußerst zentral das alles und ebenso zentral in der Legende um den Golem ist die Zahlenmystik. Wenn man nämlich eine bestimmte Kombination von Zahlen und Buchstaben findet, soll man dazu in der Lage sein, irgendwie einen Golem zum Leben zu erwecken.

Bevor ihr jetzt aber anfangt, willkürlich Zahlen und Buchstaben auf den Boden zu schreiben und damit ziemlich irre und Teufelsbeschwörer-mäßig rüberkommt, lasst euch gesagt sein, dass ein Golem weit weniger Spaß bedeutet als es klingt. Ein starker Diener, der dem eigenen Willen Folge leistet und noch dazu mit übermenschlichen Kräften daherkommt, klingt ja auch wirklich nicht schlecht. Außerdem widerspricht er – mangels der Fähigkeit zu sprechen – nur sehr selten.

Kein Wunder also, dass vielen Rabbinern im Mittelalter – wegen ihrer Gelehrheit und ihrem großen Wissen – nachgesagt wurde, sie könnten Golems erschaffen. Der bekannteste unter ihnen war Rabbi Judah Löw, der im 16. Jahrhundert mal einen Golem erschaffen haben soll. Grund dafür war, dass er eine Waffe gegen Christen haben wollte, die den Juden zu dieser Zeit nicht sonderlich zugetan waren.

Er hat also mit seinem Schüler und seinem Schwiegersohn gemeinsam aus Lehm einen Golem erschaffen – dies bedurfte einiger ritueller Floskeln und Im-Kreis-Gehens. Und nachdem sie treu der Schöpfungsgeschichte den Satz „Und Gott blies ihm den lebendigen Atem in die Nase, und der Mensch erwachte zum Leben.“ aufsagten erhob sich der Golem. Der sah allerdings eher aus wie ein Mensch denn eine groteske Lehmfigur.

Zum Problem wurde der Golem erst, als man einmal vergaß ihn auszuschalten. Da hat er nämlich angefangen in der Prager Innenstadt zu randalieren. Erst nach der Entfernung eines Stücks Papier unter seiner Zunge, das ihn am Leben erhielt, konnte er vernichtet werden. Nach einer anderen Sage sei ihm mal befohlen worden, Wasser ins Haus zu bringen. Was er auch tat. Nur hörte er nicht mehr auf.

Bis heute hat die Sage des Golems überlebt. Im zweiten Teil von Jonathan Strouds Bartimäus-Reihe, randaliert ein unkontrollierter Golem durch London und auch in so manchem Videospiel trifft man auf ihn. Zumindest mehr oder weniger: Atronachen und Elementare, die man in so manchem RPG erschaffen kann, weisen eine enorme Ähnlichkeit auf. Und auch das Monster von Doktor Viktor Frankstein könnte in gewisser Hinsicht durch den Golem inspiriert worden sein.

Und warum mag ich den?

Von mögen würd ich nicht gerade sprechen, aber mich fasziniert die Legende des Golems. Menschen, die aus den vier Elementen eine Kreatur schaffen, die ihnen ungemein ähnlich scheint, ihnen aber hörig ist. Das klingt sehr stark nach einer Satire der Schöpfungsgeschichte. Nach dem eigenen Abbild erschaffen, an Kraft nicht daran heranreichend und seinem Herrn hörig. Vielleicht versteckt sich hinter der Sage des Golems ja eine Kritik an der kirchlichen Regentschaft über das europäische Mittelalter.

Aber was sagt ihr zum Golem? Und welche Monster und mythologischen Geschöpfe soll ich mir noch genauer anschauen? Und was würdet ihr von einer Reihe mit Sagen halten? Hinterlasst mir doch einen Kommentar (:

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4 Kommentare Gib deinen ab

  1. marian w. s. sagt:

    Ich habe mal gelesen, dass der Golem in der Mitte zwischen den Augen einen Stein als drittes Auge hat. Wenn man ihm diesen entfernt, dann wird er ruhig gestellt. Sagen finde ich gut. Vielleicht schreibst du auch mal was über Drachen, Harpyien und Einhörner. Egal, ich finde deinen Blog toll.

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    1. Florian Born sagt:

      Ja, diese Version – teilweise auch mit einer Zauberformel auf der Stirn – kenn ich auch. Hab mich dann aber für die Variante mit dem Zettel unter der Zunge entschieden.

      Die Harpyen hats schonmal gegeben 😀

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  2. Carmilla DeWinter sagt:

    Im Grunde ist also ein Golem wie ein Computer: Er kann nix dafür, wenn die Anweisungen Mist sind. (Womit sich auch der Kreis zum Technikmagazin schlösse.)

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