Über Elben, Elfen, deren sexuelle Orientierung und anderes

Vor einer Weile, deren genauen Zeitraum ich leider nicht mehr festmachen kann, aber den braucht ihr hoffentlich nicht so dringend, denke ich zumindest – also ungefähr so lange her, wie der Anfang dieses Satzes, den ihr wahrscheinlich schon vergessen habt, sodass ihr zurückschauen müsst, was mir irgendwie leid tut, aber was soll man machen – bin ich über eine schräge Aussage in einem Forum gestolpert.

Das Mitglied hat – übrigens in einem Feed, der nicht sonderlich viel damit zu tun hatte – gemeint, er und seine Freunde würden Elfen/Elben das Adjektiv schwul zuschreiben. Das hat dann zu einigen amüsanten Antworten geführt, wie zum Beispiel der Frage, wie sich Elb/fen denn fortpflanzen würden, wenn sie doch alle schwul seien und wie es eigentlich mit weiblichen Elf/ben aussehe, sind die dann alle automatisch lesbisch, und diverse andere humorvolle Kommentare. Der Urheber der Ur-Aussage hat sich auch schon nach einer Weile aus dem Feed ausgeklinkt.

Aber mich hat das hinhören lassen. Warum würde man Elben (oder Elfen) als schwul bezeichnen? Letztlich habe ich es einigen Eigenschaften des spitzöhrigen Volkes zugeschrieben, unter anderem, dass sie in der Regel ein edles, stolzes, kunstfertiges und elegantes Volk sind. Alles auch Eigenschaften, die man nach allen Klichee-Regeln auch Schwulen zuschreiben kann.

Doch nicht gay?

Diese Eigenschaften, die die beiden Gruppen teilen, sind in meinen Augen übrigens als Kompliment für beide aufzufassen. Beide haben allerdings wesentlich mehr Kennzeichen als nur diese. Und weils hier bekanntermaßen ja um Fantasy geht, konzentriere ich mich im weiteren Verlauf lieber auf Elfen/ben. Da können sich auch weniger Menschen ungerechtfertigt angegriffen fühlen.

Eine äußerst ungewöhnliche Elfe (Bild von SteveArgyle)
Eine äußerst ungewöhnliche Elfe (Bild von SteveArgyle)

Unter anderem die Eigenschaft, dass Elben/fen meist steinalt werden oder gar unsterblich – wenn auch nicht unverwundbar – sind. Damit haben sie einen großen Vorteil gegenüber anderen Völkern. Außerdem sind Elfen meist sehr empfänglich für die magischen Künste und beherrschen diese wesentlich besser als alle anderen Völker. Das ist schon seit Tolkien so und das wird sich auch nicht so schnell ändern.

Hinzu kommt, dass Elben wahre Kampfmaschinen sind, großartige Handwerker und Schmiede, sehr erfindungsfreudig und gleichzeitig traditionsbewusst, unheimlich kunstfertig, elegant, wunderschön und sich all dessen auch äußerst bewusst. Kotz. Hmm? Können die noch perfekter sein?! Das lustige ist, dass die Elben, obwohl sie so viele tolle Eigenschaften in sich vereinen, alles andere als perfekt sind. Man werfe nur mal einen Blick auf Tolkiens Elben in Zeiten des Silmarillions.

Dafür schnell bitchy

Während dem ersten Zeitalter Mittelerdes – und später eigentlich auch noch, wenn wir ehrlich sind – waren die Elben die meiste Zeit damit beschäftigt, sich gegenseitig anzubitchen und natürlich auch Menschen und Zwerge und sich dabei als wunderbare Zielscheibe darzustellen für die Gefahr, die im Norden sitzt und ihnen schon ein paar Probleme bereitet hat.

Eine Wald- oder Sommer-Elfe (Bild von Sharandula)
Eine Wald- oder Sommer-Elfe (Bild von Sharandula)

Generell stehen die Elfen sich sehr oft selbst im Weg und können wegen ihrer Tradition, ihrer Sturheit und natürlich ihrer Arroganz ein ziemliches Problem für sich selbst und andere darstellen. Sich selbst im Weg zu stehen, scheint generell eine der Lieblingsbeschäftigungen des Volkes zu sein und wenn sich jemand mal dazu herablässt, mit Menschen oder – die Götter mögen es verhüten – den Zwergen einen Pakt einzugehen wird er quasi verstoßen.

Tja, nicht alle Elben sind so lieb und nett wie Elrond und Arwen. Viele weisen sogar einen Hang zum Rassismus auf und sehen andere Rassen als minderwertig und ihrer Aufmerksamkeit oder Höflichkeit unwürdig an. Prominentes Beispiel dafür sind die Elfen aus The Elder Scrolls. Gerade während der Zeit des Bürgerkriegs in Himmelsrand haben sich die Hochelfen nicht gerade beliebt bei den Nord gemacht, indem sie einfach mal Leute gefangengenommen haben, die einen dezent anderen Glauben haben.

Und irgendwie doch awesome

Trotz all dem haben Elfen wirklich was. Mal von den spitzen Ohren abgesehen. Nicht umsonst gehören zur Stammbesetzung der meisten High-Fantasy-Welten. Ohne sie könnten wir uns diese Welten ja nicht mal wirklich vorstellen. Vor allem dann nicht, wenn auch Zwerge vorkommen. Mit wem sollten die denn sonst unsterblich verfeindet sein, um letztlich in bester Legolas-Gimli-Manier zueinander zu finden?

Gerade weil sie so weise sind und so viel Lebenserfahrung und Zeugs haben, stellen sie eine tolle Komponente für eine Welt dar, die man dann wiederum schön verdrehen kann, um den Leser zu überraschen. Muahahahaha! Darauf zu warten, dass Elben mal was ganz anderes werden, als wir schon kennen, brauchen wir aber auch nicht wirklich. Elben ohne schöne Gewänder, Musik und Gesichter und eine gewisse Arroganz. Wer braucht sowas schon?

Und NEIN, das ist eigentlich keine Elfe (Bild von Camilkuo)
Und NEIN, das ist eigentlich keine Elfe (Bild von Camilkuo)

Was ist eure Meinung zu den Elfen? Findet ihr sie wie der Typ in der Forum auch schwul? Und findet ihr vielleicht zu over-used? Hinterlasst mir doch einen Kommentar (:

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11 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wortman sagt:

    Das „schwul“ sein resultiert eben daraus, dass diese Wesen von schöner Gestalt mit ebenmäßiger Haut sind.
    Sie können es ja nicht sein, denn woher kämen sonst die weiblichen Elben? Glaube kaum, dass sie wie ein Barbapapa einfach so in der Erde wachsen 😉
    Eigentlich ist so eine Diskussion überflüssig. Sie sind „höhere“ Lebewesen mit besonderen Fähigkeiten und Kenntnissen und sind unsterblich was das körperliche Empfinden angeht. Sterben können sie trotzdem durch jede Waffe. Das macht diese Rasse eigentlich so interessant.

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    1. Florian Born sagt:

      😀 sehe ich genauso. Fand aber die Aussage einfach ziemlich amüsant 😉

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      1. Wortman sagt:

        Das war sie ja auch 🙂

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  2. Zeilenende sagt:

    Hochelfen seien schwul ist in der Tat ein beliebtes Klischee unter Halbstarken. Wir haben das früher genau so gesehen … Der arme Kerl, der eine Warhammer-Hochelfen-Armee hatte. Besagte Hochelfen nerven mich in der Tat nicht wenig, da kommen bei mir anti-feudale Reflexe durch, die sich nicht mehr abschalten lassen.
    Die Elfen haben einen Vorteil: Zwerge, Halblinge, Orks und Konsorten sind in den meisten Welten ziemlich klischeehaft festgelegt und bieten durch die Autoren und Spiele hindurch nur wenig Überraschendes. Chaoszwerge (welch anbetungswürdiges Warhammervolk) konnten sich nie durchsetzen. Aber in schöner Regelmäßigkeit begegnet man bei den Elfen interessanten Varianten, seien es ihre bösen Vettern, die Drow oder Dunkelelfen, seien es die ausgewilderten Exemplare der Waldelfen, ich erinnere mich sogar düster, irgendwo über Steinelfen gestolpert zu sein. Mit den Elfen geben sich viele Autoren und Entwickler Mühe. Selbst wer wie ich Feld-Wald-und-Wiesen-Baumkuschler oder Hochelfen nicht mag, findet so seine Nische. Wer auf Zwerge allergisch reagiert, hat es da weitaus schwerer.

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    1. Florian Born sagt:

      Warhammer war nie so meins, aber ich stimm einfach mal zu 😀

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  3. marian w. s. sagt:

    Ich finde sie interessant. Und das liegt auch an dieser Mischung aus fast perfekt und doch wieder menschenähnlich. Sie können alles, was wir nicht können. Und damit sie nicht zu perfekt sind, benehmen sie sich arrogant und kühl. Ich glaube, ansonsten ist auch alles möglich, wie beim Menschen: Homo oder Hetero. ( Anmerkung: Sie sind auch gute Heiler.)

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    1. Florian Born sagt:

      Ja, einerseits die Ähnlichkeit und andererseits die Unterschiede. Das macht sie aus 🙂

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  4. Klaus Varias sagt:

    Leben ewig und sind super intelligent… das halte ich für Propaganda. Was haben die Elfen denn jemals zusammengebracht? Die sind weder dafür bekannt das sie die Demokratie erfunden hätten und auch andere wichtige Neuerungen im technischen und sozialen Bereich kann man von Elfen nicht erwarten. Und auch auf den kategorischen Imperativ reagieren sie höchstens mit Unverständnis. Nein, ich mag die nicht.

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  5. Michael | Weltenbau-Wissen.de sagt:

    Die Vorstellung, dass Elfen übernatürlich schön sind und magische Kräfte haben, ist schon viel älter als Tolkien – obwohl die gängige Vorstellung von Elfen in der Fantasy ganz klar auf seine Elben zurückgeht. Begriff und Konzept stammen ursprünglich aus der nordischen Mythologie, wo die menschenähnlichen Álfar über Schönheit und Magie verfügten. Allerdings war dieser Begriff nie sauber abgegrenzt, von Zeit zu Zeit und Ort zu Ort unterschied sich die Vorstellung, was ein Álfar eigentlich ist. Von Homosexualität ist da aber meines Wissens nach nicht ständig die Rede 😉

    Im Mai habe ich zum Thema Halbwesen in der Fantasy ausführlich recherchiert, ein großer Teil des Artikels befasst sich mit Halbelfen und Elfen: http://www.weltenbau-wissen.de/2015/05/halbelfen-karneval-der-rollenspielblogs-beziehungskiste/

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    1. Florian Born sagt:

      Danke für den Input. Sehr interessant 🙂

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