Regierung mit Gnaden eines Gottes – New World Project

Aus Das Buch der tausend Völker
– Garin Beando

Im zentralen Gürtel der Welt gibt es zwei große Inselgruppen. Eine davon – die kleinere, namens Jawal’Ang – wird von Orks regiert. Die zweite, größere Inselgruppe wurde vor wenigen hundert Jahren von nomadischen Kithari besiedelt, die sehr oft Handel mit Menschen und Orks des Südens getrieben haben.

Diese Inseln verfügten über ein verstärktes Wasservorkommen – ungewöhnlich für deren Strömungsverlauf – konnten von den Orks wegen der gefährlichen Fauna jedoch nie besiedelt werden. Den Kithari unter der Führung eines schwarzen Kithar namens Serim gelang es aber, die größte der Inseln des Ei’Assetua-Archipels zu besiedeln. Legenden zufolge sei Serim es gewesen, der die Tiere der Insel von seinem Volk fortlockte und es ihnen dadurch ermöglichte, eine erste Stellung auf der Insel zu errichten.

Die Legende von Serim

Er habe mehrere Raubkatzen und auch diverse Jäger der Lüfte durch den Dschungel gelockt und sie eine nach dem anderen mit bloßen Krallen getötet. Als er zurückkehrte, trug er über jeder Schulter einen toten Panther und schleifte eine Wyver an einem Seil hinter sich her. Die Häute dieser Tiere hängte er daraufhin auf die Palisade, die seine Kameraden vor dem Eingang einer Höhle errichtet hatten.

Ein diffuser Dschungel mit einem Panther auf der Jagd
Willkommen im Dschungel (Bild von GodofWar)

Dann trat er in ebendiese Höhle, und im diffusen Licht unter der Erde offenbarten sich die Schemen der getöteten Tiere und folgten ihm. Von da an hätten seine Leute gewusst, dass Serim von den Göttern auserwählt worden war. Sie riefen ihn und all seine Nachkommen zu ihrem rechtmäßigen Herrscher aus. Mit der Hilfe der Geister soll es Serim und seinen Leuten gelungen sein, die Tiere des Dschungels zu befrieden und auf ihre Seite zu ziehen.

Die Besiedelung von Ei’Assetua

Zu Serims Lebzeiten gelang es, fünf der dreizehn Inseln des Ei’Assetua-Archipels zu besiedeln und die Tiere auf ihnen zu domestizieren. Als Serim starb übernahm sein erstgeborener Sohn Elerek die Führung des Volkes und damit auch die geisterhaften Begleiter seines Vaters. Und er soll die restlichen Inseln des Archipels erschlossen haben.

So sagt es zumindest die Legende. Was wirklich geschehen ist, lässt sich heute nicht mehr genau rekonstruieren. Was sich jedoch sagen lässt, ist, dass Serim vom Anführer zu einem Gott für die Asseti aufgestiegen ist. Sie sagen, mit seinem Mut und seiner Klugheit, hätte er sich einen Platz in der Heimat der Götter verdient und hätte sich einen Palast errichten dürfen hinter dem von Bywyr und dessen Gemahlin Cynja. Und für Bywyr solle er die Wege der Raubtiere auf allen Inseln achten und sie schützen vor dem Willen der Bewohner.

Göttliches Blut

Doch nicht nur Serim hat von den Asseti einen gottgleichen Status erhalten, sondern auch alle, die nach ihm kamen. Die Linie von Serim – die sich nach einiger Recherche tatsächlich bis zu ihm zurückzuführen lässt – hält bis heute an. Seine Nachkommen erklären ihren Anspruch auf den Thron von Ei’Assetua damit, dass sie das Blut eines Gottes in ihren Adern hätten und nur sie die Kithari dieser Inseln vor den Naturgewalten schützen könnten.

Interessant ist, dass die Asseti tatsächlich sehr eng mit den Tieren der Inseln zusammenleben. Es scheint eine Art gegenseitiger Respekt zu herrschen. Eine Art Symbiöse, wenn man so will. Diese annähernde Domstizierung der Raubtiere geht aber mit ziemlicher Sichrheit nicht auf das Blut eines Gottes zurück, sondern auf Gewohnheit und langsame Domestizierung. So etwas sollte man jedoch nicht zu laut sagen; die Priester der Serim-Tempel, deren Hohepriester gleichzeitig auch das Staatsoberhaupt stellt – und somit ein direkter Nachfahre Serims ist –, würden einen vermutlich lynchen.

Oder sie hetzen einem tranierte Panther oder Wyvern auf den Hals. Vor den geisterhaften Begleitern Serims muss sich aber niemand fürchten. Der Legende nach seien sie nach dem Tod seines Sohnes auf den Grund gewandelt, wo sie ihren Herrn beschützen. Aber selbst ohne die mystischen Tiere können die Nachfahren ihren Status auf dem Archipel gut erhalten, da ja die Angst besteht, dass ohne das Blut Serims die Tiere des Archipels durchdrehen.


Und da haben wir sie, die Gottesstaat-Katzen. Ich hab mich doch ein wenig von Ägypten distanziert gedanklich, weil ich keine zwei großen Wüstenvölker wollte. Dafür haben wir jetzt einen Gottesstaat, der sehr im Einklang mit der Natur ist, und allein auf einer Legende beruht. Ich glaube, das ist auch interessant, vor allem, weil wir so einen klaren Kontrast zu den Miekkari haben. Wie immer hoffe ich, euch gefällt meine Kreation.

Nächstes Mal geht weiter mit Volk Nummer 4: den Seraphim. Zur Erinnerung, hier haben wir ein einst gigantisches Imperium, dass sich nach einem Krieg mit Terá-Miekka aufgesplittert hat und jetzt im Kampf mit sich selbst verstrickt ist. Da ich gern bei der einst geeinten Nation würde ich hier einfach nur ein paar historische Aspekte anfügen. Schaut euch also einfach den letzten Artikel der Seraphim an und gebt mir Vorschläge 😀

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9 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wortman sagt:

    Die Idee hat was. Das gefällt mir recht gut. Auch das die Legende sagt, die Geister wären mit ihrem Herrn in die Tiefe gezogen. So braucht niemand der Serim – Familie zu fürchten, dass er mal beweisen muss, dass die Geister existieren. Es ist klar, dass sie nicht mehr da sind.
    Freut mich, dass du einen „realen“ Aspekt einfügst mit der recht langsamen Domestizierung der Tiere. Es muss nicht immer alles nur „phantastisch“ sein. Immerhin haben Legenden einen wahren Kern. hier ist es die Symbiose des friedfertigen Lebens zweier völlig gegensätzlicher Rassen.

    Legenden und Sagen entstehen immer schnell:
    …Als Assuk klar wurde, dass die alten Überlieferungen vom Ende der Welt nicht stimmten und über diesem Nebel ein zorniger Gott ohne Gnade wohnte, konnte er die Überlebenden überzeugen, niemals wieder diese Wand zu erklettern. Der Nebel, das weiße Wasser, schützte sie vor ihrem Gott…
    (aus: Völker des Nebellandes Luthien)

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    1. Florian Born sagt:

      Dankeschön! Ich hab mich einfach ein wenig an griechischer, germanischer und biblischer Mythologie orientiert und gleichzeitig noch etwas Tolkien einfließen lassen und schon war die Sache irgendwie klar 😀

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      1. Wortman sagt:

        Das gefällt mir ja auch so an deinen Beiträgen über dieses New World Project 🙂

        Ich habe immer ein Problem mit der Namensfindung. Woran orientierst du dich so?

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        1. Florian Born sagt:

          Je nach Volk 😀
          Ich nehme meist einen Begriff, der zu dem Volk passt und lasse ihn mir dann in anderen Sprachen anzeigen.
          Bei den Elben ist es Irisch, bei den Kithari Finnisch, bei den Orks Suaheli, bei den Menschen Esperanto und Japanisch und bei den Seraphim ist es Latein.

          Ei’Assetua kommt also zum Beispiel aus dem Finnischen und bedeutet unbesiedelbar.

          Bai Eíri wiederum aus dem Irischen und heißt mehr oder weniger Widerstand der Frauen (also zumindest kommt die Inspiration davon).
          So kann ich einerseits einen ähnlichen Klang bei gleichen Völkern erzeugen und gleichzeitig auch noch eine schöne Bedeutung erschaffen.

          Toricante zB ist eine Mischung des japanischen und Esperanto-Wortes für Händler.

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        2. Wortman sagt:

          Warum komme ich eigentlich nicht auf solche Ideen? Ich bastel mir immer welche im Kopf zusammen…

          Ich glaube, ich werde mal deine Idee ausprobieren beim nächsten Mal. Werde dir dann meine Schöpfungen vorführen 🙂

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        3. Florian Born sagt:

          Mir hat sie bisher auf jeden Fall gute Dienste geleistet 🙂

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        4. Wortman sagt:

          Stimmt, deine Namen gefallen mir sehr.

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  2. Zeilenende sagt:

    Ist da eine Anspielung im Text, das unser dieswöchiges Volk schurkisch ist oder ist „Symbiöse“ nur ein besonders schöner Verschreiber? Ich mag ihn sehr. Ansonsten hat der Wortman dich ja schon ausgesprochen gelobt, dem kann ich mich nur anschließen, auch wenn mir ein wenig die stets erneuerte Legitimation fehlt, mit der die Herrscher sich an der Macht halten, um die Legende symbolisch am Leben zu erhalten. Sowas wie das Schlachten eines Panthers zur Volljährigkeit oder auch etwas harmloseres… Irgendwas fehlt mir, um mich von dem Konzept restlos zu überzeugen, weil du es ja ziemlich eindampfst.
    Auch wenn ich ein wenig spät mit Wünschen bin, kannst du dir ja schon einmal notieren, dass ich mir für die Seraphim eine Art Cicero wünsche.:)

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    1. Florian Born sagt:

      Leider ist Symbiöse nur ein sehr schöner Typo. Ich werd ihn jetzt auch drin lassen 😀

      So etwas könnte man natürlich einführen (also das mit dem Panther), aber ich glaube, dass die Tatsache, dass die Tiere den Asseti nichts tun schon genug sein könnte, um so ein System aufrechtzuerhalten 🙂

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