Die diversen Arten von Origin-Geschichten von Superhelden

Wie kommen Superhelden – und selbstredend auch deren Nemeses – zu ihren Fähigkeiten? Das ist einer der interessantesten Teile einer jeden Superheldengeschichte. Die Strapazen, das Drama und die finsteren Abgründe der Origin-Geschichte machen einen großen Teil des Charakters aus und bestimmen in einer gewissen Weise dessen ganze Person. Plus, man kann in den späteren Teilen der Geschichte immer mal wieder dorthin zurückführen und neue Aspekte erzählen, die bisher im Dunkeln lagen – rein zufällig natürlich.

Ich hab mir ganz ohne Anlass mal Gedanken über die verschiedenen Arten von Origin-Geschichten gemacht. Genauer noch möchte ich mich darauf konzentrieren wie Heroes und Villains zu ihren Kräften gelangt sind. Dabei sind mir verschiedene Muster aufgefallen, die in der ein oder anderen Form immer wieder auftauchen. Genauer hab ich fünf formschöne Kategorien ausgemacht, die ich euch nachfolgend unter die Nase reiben möchte.

Angeboren

Die erste Kategorie ist so alt wie das Genre der Superhelden selbst, denn es war der erste von ihnen, der so entstanden ist. Superman, Clark Kent, Kal’el. Er kam mit seinen Kräften zur Welt und gleich darauf zur Erde. Die Kräfte sind ein Teil von ihm und bestimmen seinen Charakter wesentlich. Der Mann mit dem S auf der Brust ist aber nicht der Einzige, den man zu dieser Kategorie zählen darf.

Bei den Avengers ist auch einer mit angeboreren Kräften dabei: Thor (Bild von hobo95)
Bei den Avengers ist auch einer mit angeboreren Kräften dabei: Thor (Bild von hobo95)

Jedes Alien – ja, also auch du Clarky – und jeder Mutant fallen in diese Kategorie. Zu ihm gesellen sich damit also die X-Men, Galaktos, Namor, die Inhumans und viele viele andere. Das Interessante an diesen Charakteren ist, dass bei ihnen die Superhelden-Persönlichkeit ihre wahre Person ist, während ihr Alter Ego der Mensch ist, als der sie sich ausgeben – sofern sie das tun.

Sehr oft verbergen sich gerade diese Charaktere gar nicht mehr hinter einer Maske – wozu auch. Sie wurden als das geboren was sie sind und kommen meist auch schon mit diesem Wissen klar. Oder zumindest manchmal…

Gemacht

Die zweite Kategorie steht an der ganz anderen Seite der Linie. Sie wurden als normale Menschen geboren und durch Experimente, Unfälle, Radioaktivität oder sonstiges mit ihren neuen Kräften ausgestattet. Hierzu darf man die vielen Charaktere aus dem Atom-Zeitalter zählen. Der Hulk, Spidey, die Fantastic 4 und auch diverse andere Charaktere, die später kamen.

Hier dreht sich die Geschichte mit dem Alter Ego um. Der Held wird zur zweiten Persönlichkeit, der Mensch ist der Kern des Charakters. Außerdem ist die Origin-Geschichte bei dieser Kategorie von Haus aus stärker als bei ersterer. Bei denen mit angeboreren Fähigkeiten geht es in der Origin-Geschichte deshalb meist nicht darum, wie sie ihre Fähigkeiten erhalten haben, sondern um Konflikte mit anderen, darum, wie sie gelernt haben, sie zu meistern. Hier muss also stärker in die erzählerische Trickkiste gegriffen werden.

Getriggert

Kategorie 3 komibniert die ersten beiden und kann mit geistigen Krankheiten wie Autismus oder Schizophrenie verglichen werden. Der Charakter hat bereits das Potenzial tief in sich begraben, doch zeigt es sich nicht sofort, sondern wird erst durch ein tragisches Erlebnis – so zum Beispiel ein Unfall oder psychische Traumata – ausgelöst, getriggert eben. Ein Beispiel dafür wäre zum Beispiel Jessica Jones oder auch ihr Kontrahent Kilgrave.

Die Origin-Geschichte verbindet damit Kategorie eins und zwei und kann aus beiden Eimern schöpfen. Mehr ist dazu eigentlich auch nicht mehr zu sagen, außer, dass das Alter Ego auch hier beim Helden/Schurken und nicht beim Mensch zu finden ist.

Göttliche Intervention

Bei Kategorie 4 ist das Alter Ego gewissermaßen gestorben. Es ist eine äußerst selten auftauchende Variante der Origin-Story, bei der der Held oder Schurke stirbt um mittels göttlicher oder dämonischer Intervention wieder auf die Erde zurückgeschickt zu werden und deren Willen zu dienen hat. Beispiele dafür wären Spawn, Ghost Rider und in gewisser Hinsicht auch der Silver Surfer (hier durchaus debattierbar).

Bei den Justice League ist auch fast alles vertreten (Bild von Tomzj1)
Bei den Justice League ist auch fast alles vertreten (Bild von Tomzj1)

Hierbei kann die Origin-Story zum Kernpunkt der ganzen Geschichte werden, da der Held oder Schurke oder Antiheld herausfinden muss, wie er starb, warum man ihm das zweite Leben und diese neuen Kräfte schenkte und so weiter. In meinen Augen eine wirklich, wirklich interessante Ursprungsgeschichte und dabei viel zu selten verwendet.

Batman!

Das wär es eigentlich mit den Varianten, wie jemand an seine Kräfte gelangen kann. Doch es gibt natürlich auch Helden und Schurken, die ganz ohne Kräfte auskommen können. Sie haben sich ihre Kräfte jahrelang antrainiert, sind durch Übung und noch mehr Übung zum Meister ihres Fachs geworden, oder aber zeichnen sich durch großartige wissenschaftliche Leistungen aus. All diese fallen in die Kategorie 5: Batman.

Dazu gehören Iron Man, Batman, Green Arrow, Ant Man and The Wasp, Atom und diverse andere. Ihre Origin-Story kann sich um wissenschaftliche Errungschaften oder um hartes Training in fernen Ländern ranken. Das Alter Ego ist bei ihnen ähnlich wie bei Kategorie 2, kann jedoch auch komplett wegfallen.


Und Ende der Liste. Man entschuldige bitte das Fehlen eines cleveren Tie-Ins zum Anfang, aber wie angekündigt, wollte ich einfach mal wieder eine schöne Kategorisierung auf die Welt hetzen. Und jetzt zu euch: Wie steht ihr zu dem Thema? Was haltet ihr von meiner Kategorisierung und kennt ihr einen Charakter, der sich nicht in eine der fünf Teile einordnen lässt? Hinterlasst mir doch einen Kommentar (:

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13 Kommentare Gib deinen ab

  1. Zeilenende sagt:

    Green Lantern! Okay, zugegebenermaßen kann man die Story zumindest von Hal Jordan irgendwie unter „Göttliche Intervention“ einordnen, der Modus der Ringe ist ja, sich einen neuen Träger zu suchen obwohl der nicht unbedingt weiß, wieso/weshalb/warum … Aber die Art von Grund unterscheidet sich vom Ghost Rider nochmal deutlich.
    In Kategorie 2 passt er nicht, weil Green Lantern sich seine Superkräfte überstreifen kann wie einen Mantel, eine Fähigkeit, die ihn von den anderen genannten Figuren noch einmal unterscheidet.
    Batman hingegen ist für mich ein Fall von Typ 3: Bruce Wayne ist überdurchschnittlich intelligent, mit analytischen Fähigkeiten begabt, etc. Das ganze wird durch frühkindliche Traumata verstärkt, die ihn zum Superheldentum treiben. Ich habe bei Batman nie das Gefühl, er tut das aus freien Stücken, sondern habe ihn immer als Getriebenen wahrgenommen. Tony Stark und Oliver Queen okay (auch wenn ich die Origin-Story da nicht sooo genau kenne), kann man so einteilen.
    Die Typologie ist an und für sich übrigens sehr schön, auch wenn ich mit Nörgelei eingestiegen bin. Ich denke, die wesentlichen Punkte hast du, obwohl ich die Kategorie 1 noch einmal in zwei Unterkategorien zerlegen würde, nämlich die Außerirdischen (Superman, Martian Manhunter, Wonder Woman, Thor, etc.) und die (geborenen) Mutanten … Letztere sind m. E. den Verunfallten (Spiderman und Konsorten) deutlich näher, weil sie trotz aller Mutation Menschen sind. Die Mutanten stehen völlig zwischen allen Stühlen.
    Bei Superman ist klar: Ich bin ein Außerirdischer und benutze eine Tarn-Identität, um unter Menschen zu leben. Die Mutanten bedienen sich z. T. auch einer Tarn-Identität, gehen aber vor Allem zu Beginn ihrer Geschichte doch davon aus, dass sie normal sind. Anders als die Außerirdischen gehören sie der Menschheit an und die findet Mutation nunmal doof. Deshalb geht es bei den Mutanten auch um Verleugnung, Verdrängung, Wahrung von Normalität, bis sie lernen, was ihre wahre Identität ist. Sie sind Mensch & Mutant, was Superman nie sein wird, weil er kein Mensch ist. Sie sind aber auch nicht nur Mutant … Es sei denn, man ist ein Anhänger von Magneto. 😉

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    1. Florian Born sagt:

      Green Lantern kauf ich dir ab – hab mich ehrlich gesagt sehr wenig mit ihm beschäftgt. Mutanten und Aliens in unterschiedliche Kategorien zu packen macht auch Sinn. Aber Bruce Wayne in Katgeorie 3 macht nur vom Storybau und von der Charakter-Entwicklung her Sinn. Er hat allerdings keine Kräfte per se – also keine, die nicht menschlich wären – und fällt für mich deshalb klar in die fünfte Kategorie 🙂

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  2. Wortman sagt:

    Spawn ist mein Liebling 🙂
    Ich bin nicht so der Superheldenfan… daher kann ich dir keine wirkliche Antwort geben, ob es jemanden gibt, der nicht in eine dieser Kategorien passt. Zeilenendes Ausführungen zu Green Lantern sind interessant.

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    1. Florian Born sagt:

      Spawn ist großartig! Herrlich dunkel und böse 😀

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      1. Wortman sagt:

        Bei den ganzen Remakes hoffe ich ja mal auf eine Neuverfilmung von Spawn

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        1. Florian Born sagt:

          Ich hab grad mit den Comics angefangen 😉
          Könnt aber schwer werden, das in einen Film zu packen. Eine Animationsserie fänd ich besser 🙂

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        2. Wortman sagt:

          Es gibt ja schon einen Spawnfilm… die Effekte konnten sich ja sehen lassen.

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  3. Carmilla DeWinter sagt:

    Interessante Aufstellung, danke.
    Ansonsten krieg ich noch Rückenschmerzen, wenn ich mir Wonder Woman anschaue. Der Winkel Hüfte zu Oberkörper, das ist mehr als neunzig Grad, oder? Autsch.

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    1. Florian Born sagt:

      Immer wieder gerne! Ich hab mir das Bild – als ich es ausgesucht hab – gar nicht so lang angesehen. Jetzt seh ich es. Autsch…

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  4. marian w. s. sagt:

    Mir gefällt die ,,göttliche“ und die Batman- Variante am besten. Hab mich auch schon damit auseinander gesetzt.

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    1. Florian Born sagt:

      Gibts einen Artikel zu lesen? 🙂

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      1. marian w. s. sagt:

        Habe einen Roman geschrieben, der heißt: ,,Ich spüre deine Schuld“. Vielleicht hast du Lust und liest mal rein.

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        1. Florian Born sagt:

          Kommt mal auf die Liste 🙂

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