Who is… Severus Snape?

Ach, Helden! Strahlend im Licht ihres eigenen Ruhms und dem der Aufmerksamkeit des gemeinen Volkes! Verdammte Rampensäue! Stürzen sich auf jedes bisschen Rampenlicht, das sie erhaschen können. Dabei kennt die doch eh jedes Schwein! Und wer leidet darunter? Die armen Nebencharaktere und Antagonisten, die sich nur nach ein wenig Zuwendung sehnen. Doch selbst das bleibt ihnen unter dem Joch der Helden verwehrt. Doch nicht auf Phanwelten! Wir kümmern uns um jene, die sonst untergehen. Wir stellen die richtigen Fragen: Who is…

Severus Snape?

Okay, ich muss gestehen, der Twist, Severus Snape in die Reihe „Who is…?“ zu stecken war nicht gerade eine meiner besten Ideen, aber ich bleib jetzt einfach dabei, weil sonst verkümmern meine armen Reihen, weil nie was kommt. Deal with it.

Dennoch musste ich den Artikel einfach bringen in Anbetracht der Tatsache, dass… naja… ihr wisst schon: Alan Rickman ist gestorben und so… Schluchz. Aber hier soll es ja schließlich nicht um die Schauspieler gehen, sondern um die Charaktere, die sie verkörpern. In diesem Fall also nicht um den viel zu früh gegangenen Rickman, sondern den viel zu früh gegangenen Snape.

Snape. Snape. Severus Snape. (Bild von G672)
Snape. Snape. Severus Snape. (Bild von G672)

Wie ihr wisst, war Snape ja nicht unbedingt der netteste Mensch. Er hat Schüler gemobbt – vor allem ein paar ausgewählte Gryffindors –, hatte Lieblinge und ließ nichts ungetan, um Harry Potter das Leben in der Schule zur Hölle zu machen. Doch mit seinem Tod offenbarte sich, dass er eigentlich immer auf der Seite der Guten war und schließlich sein eigenes Leben hingab, um die Sache der Guten zu unterstützen.

Und damit war alles vergessen! Er war ein Held! Ein Guter! Der beste Charakter von allen!

Oder?

Ich persönlich finde – und damit finde ich mich in einer von zwei Fraktionen der Harry-Potter-Fangemeinde ein –, dass Snape in keinster Weise ein guter Charakter ist. Und das hat mehrere Gründe. Allen voran seine Abneigung gegenüber Haarpflegeprodukten, deren Unlogik Zeilenende schön auf Twitter hervorgehoben hat:

Diese Abneigung hängt vermutlich mit der enormen Frustration zusammen, die Snapes Leben und Wirken bestimmt hat. Aber die Frage ist: Was kam zuerst? Die fettigen Haare oder die Frustration? Nun ja: Die Frustration liegt mit ziemlicher Sicherheit daran, dass Snapes Liebe für Lily Evans, spätere Potter, stets unerwidert blieb und sie sich stattdessen für einen gewissen Mistkerl namens James entschied, der seine Schulzeit damit verbrachte, Snape zu piesacken.

Und letzten Endes fiel sie im Krieg gegen den dunklen Lord um ihren Sohn zu beschützen. Ebendieser Sohn – der ja theoretisch auch Snapes hätte sein können – wurde elf Jahre später zu seinem Schüler und erinnerte ihn in seinem ganzen Wesen daran, dass nicht er es gewesen war, der Lilys Herz eroberte, sondern seine Nemesis. Schließlich wird ja eines in Harry Potter gerne hervorgehoben:

108_Snape Augen

Auch wenn das in den Filmen nicht ganz der Fall ist… Ja, ich weiß, aber das tut hier jetzt nicht wirklich was zur Sache, oder? Ja, aber ich wollte es gesagt haben…

Zusätzlich dazu sah Harry seinem Vater – wie wir ein paar mal hören durften – zum verwechseln ähnlich. Diese Mischung aus James und Lily, dem, was Snape hasste, und dem, was er liebte, musste ihn wahnsinnig gemacht haben. Hinzu die ständige Erinnerung an den Verlust, den er erlitt. Warum sich Lily nicht für ihn entschied, ist aber eine ganz andere Frage. Vielleicht hat ja das was mit den Haaren zu tun! Oder damit, dass er sie als Schlammblut bezeichnet hat? Hm…

Doch selbst das ist keine wirkliche Entschuldigung dafür, dass Snape Schüler mobbte, anschrie und – ich kann es nicht anders sagen – ein Arschloch war. Es macht es vielleicht verständlicher, aber deshalb noch lange nicht gut. Auch, dass er letzten Endes auf der Seite der Guten war, macht ihn nicht besser. Gesinnung und Charakter müssen schließlich nicht immer Hand in Hand gehen.

Warum ist er super?

Die Erzählung um Snape ist grandios und tragisch. Er ist ein Charakter, den man einfach hassen muss – außer man ist auf der anderen Seite der Debatte. Soll’s ja auch geben. Und gerade, dass er sich letzten Endes doch nicht als böse erweist, gibt ihm eine wunderbare Dramatik: Snape, der Doppelagent der Zauberer-Welt.

In diesem Sinne, zollen wir ihm unseren Respekt, denn auch, wenn man ihn nicht unbedingt leiden kann, muss das drin sein. Und schließlich ist sein Geburtstag ja auch noch nicht lange her.


Was haltet ihr von Severus Snape, auf welcher Seite der Debatte findet ihr euch ein? Gut, schlecht oder der Grauzonen-Charakter, direkt aus dem Lehrbuch? Haut es mir in die Kommentare und sagt mir unbedingt auch, wen ich sonst noch vorstellen soll (:

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6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Zeilenende sagt:

    Ich mag Snape, ich hasse Snape, ich mag Snape, ich hasse Snape, ich ma… Ich mag Kekse und hasse Fanta. Snape ist so ein gottverdammt ambivalenter Charakter, so „einerseits, andererseits“, dass ich beinahe kotzen könnte. Im einen Moment verabscheue ich ihn, dann bedaure ich ihn, halte ihn zwischenzeitlich für einen Helden … Es ist nicht leicht. Verstandesgemäß ist Snape für mich ein Held, aber mein Herz hasst ihn, oder um mich selbst zu zitieren (https://kaffeetaesschen.wordpress.com/2016/01/16/blogparade-best-on-screenpage-chemistry/):

    „Die Beziehung der Beiden ist kompliziert, zugegeben. Aber im Laufe der Geschichte werden Snapes Motive deutlich. Einerseits verabscheut er Harry anstelle dessen Vaters, er liebt ihn zugleich, aber nicht anstelle dessen Mutter, sondern weil er der Sohn dieser ist. Er hat massive Schuldgefühle. Aber in der Beziehung steckt noch mehr drin.

    Der Unterricht in Legilimentik mag hart und brutal sein, nicht nur Harry leidet, auch Snape. Dennoch erklärt sich Snape dazu bereit. Nicht um Harry zu demütigen, sondern um ihn auf Voldemort vorzubereiten. Dort wo Dumbledore Harry schützen will und ihn im Unklaren lässt, konfrontiert Snape Harry mit der grausamen Realität. Harry versteht Snape lange Zeit nicht, hasst ihn, weil er glaubt gehasst zu werden. Aber auch er versteht irgendwann, dass Snape ihm ein treuer Gefährte und ein Mentor war. Die Beziehung lebt im ersten Lesedurchgang von Hass, aber bereits der Hass ist symbiotisch. Liest man es öfter, ist es eine etwas andere Adept-Meister-Beziehung, aber nicht weniger intensiv.“

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    1. Florian Born sagt:

      Ein sehr guter Ansatz! (nothing else to say xD )

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  2. marian w. s. sagt:

    Genug der vielen Worte, grins… Er ist mysteriös, nicht vorhersehbar. Das bringt Action in die Geschichte. Keine Figur zum Lieben, aber ohne ihn ist es nur halb so spannend. Gut kann ja jeder.

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    1. Florian Born sagt:

      Wahre Worte! Gut kann jeder 😀

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  3. Carmilla DeWinter sagt:

    Ich habe zumeist ein wenig Mitleid plus das „böse Jungs müssen gerettet werden“-Syndrom, wobei: Ohne Rickman keine Schwärmerei.
    Wahrscheinlich wäre Snape in einem anderen Job besser aufgehoben gewesen und ich kann mir nicht vorstellen, dass er freiwillig unterrichtet hat. Was Dumbledore besessen hat, dieses launische Arschloch auf seine Schüler*innen loszulassen, begreife ich immer noch nicht – es sei denn, es hatte etwas damit zu tun, das Haus Slytherin gegeneinander auszuspielen und quasi per Head of House einen Spion einzuschleusen?
    (Ich kenne die Bücher auf Deutsch nicht, insofern fehlen mir zahlreiche Fachbegriffe.)

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    1. Florian Born sagt:

      Sehr wahre Worte 🙂

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