Warum Langstrecken-Kommunikation in Science Fiction (meistens) kompletter Blödsinn ist

Man kennt das aus SciFi-Filmen und -Spielen. Der Hauptcharakter ist auf seinem Raumschiff, als ihn auf einmal eine Nachricht erreicht. Der Galaktische Rat von der Hauptwelt braucht etwas von ihm, der irgendwo an den äußeren Grenzen patrollieren muss, weil er zuvor einen Befehl verweigert hat. Der Krieg kann nicht ohne die Crew bestehen. Kurz wird debattiert und dann macht sich das Schiff des Protagonisten auf den Weg, um seine Feinde niederzustrecken. Oder so ähnlich zumindest. Kennen wir. Aus Star Wars, aus Star Trek, aus Dark Matter und Mass Effect. Alles cool, oder? Nicht ganz. Etwas an dieser Szene stimmt nicht.

Nicht besonders schwer zu erraten, wirft man einen Blick auf die Überschrift. Ja, an der Kommunikation hapert es ein wenig. Die Verbindung ist natürlich brillant, vielleicht sogar mit einem Hologramm oder anderem High-Tech-Firlefanz. Damit hab ich gar kein Problem. Mein Problem ist, dass so eine direkte Verbindung nicht funktionieren kann. Der Grund: Physik!

Egal, ob jetzt in Star Wars, Mass Effect oder Dark Matter. Das ist ein Fehler, der immer wieder aufkommt. Eine direkte Verbindung zwischen zwei Punkten im Weltall, Lichtjahre, oder oft auch nur wenige Planeten voneinander entfernt. Und das kann nicht funktionieren. Funkwellen oder sonstige Wellen – die man bekanntermaßen zum Transport von Informationen über größere Distanzen benötigt – können sich nur maximal mit Lichtgeschwindigkeit ausdehnen. Das ist zwar schnell, aaaaaaber…

NICHT schnell genug, um vom Zentrum der Galaxis bis zum Äußeren Rand zu Funken und mal kurz abzusprechen, was grade so abgeht. Abgesehen davon, dass das Signal zu simplem kosmischen Rauschen verkommen würde, würde es Jahre, wenn nicht gar Jahrhunderte oder Jahrtausende brauchen, um bei seinem Empfänger anzukommen. Und dann müsste der erst antworten. Von einem flüssigen Gespräch kann man also nicht wirklich sprechen.

Und es geht hier nicht mal um gewaltige Distanzen. Selbst die Entfernung zwischen Erde und Mars würde einen Kaffeetratsch unmöglich machen. Zwischen 2 Minuten & 46 Sekunden und 22 Minuten 6 16 Sekunden bräuchte die Information, um von Erde zu Mars zu gelangen. Zwischenzeitlich, also wenn die Sonne gerade zwischen den beiden Planeten steht, wäre sogar die gesamte Kommunikation unterbrochen für einige Tage.

Eine Nachricht bräuchte also mindestens zwei Minuten, um beim Gesprächsparnter anzukommen. Und wir reden hier nur von Erde und Mars. Bei Orten, die Lichtjahre voneinander entfernt sind – und wir nicht gerade ein Stargate zur Verfügung haben, dass das ein wenig abkürzt, dafür aber die Energie von Atomkraftwerken benötigt –, muss ich wahrscheinlich nicht vorrechenen, wie lang das dauert.

Was man der Darstellung in Star Wars und Co. aber zugute halten muss, ist, dass es in diesen Welten auch Raumschiffe gibt, die sich mittels Hyperraum-Antrieb schneller als das Licht bewegen können. Auch das ist nach heutigen Maßstaben nicht sonderlich logisch. Wie aber Radiowellen in den Hyperraum gelangen sollen, ist eine andere Frage…

So, genug gestänkert für heute. Immerhin gibt es ja auch genügend SciFi-Autoren, die das richtig darstellen.

Am Rande: Das wäre vermutlich auch der Grund, warum ein Lichtjahre überspannendes terranisches Imperium so schwer aufrecht zu erhalten wäre. Man könnte nicht vernünftig zwischen den einzelnen planetaren Kolonien kommunizieren, geschweige denn sich miteinander absprechen.

Was sagt ihr zu dem Thema? Ist euch das schonmal aufgefallen? Hab ich jetzt euer Welt(en)bild zerstört? Oder war euch das eh immer klar und ich schreib das hier nur so ins Leere? Either way: Hauts mir in die Kommentare. Ich freu mich auf die Diskussion mit euch 😉


(c) Cover-Image: TheUncannyKen

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7 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wortman sagt:

    Ganz ehrlich? Es geht mir am Popo vorbei. Ich schaue seit über 40 Jahren Serien und filme und die funken alle fröhlich 1:1 durch das Weltall. Da macht sich niemand einen Kopf drum.
    wie schaut das aus, wenn ich z.B. 1 Jahr warten muss, bis eine Antwort vom Helden kommt… Da wäre der Film schon 1000 mal zu Ende 😉
    Ich denke, im Grunde weiß es jeder aber es wird zugunsten guter Filme einfach übersehen 😉 😀

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    1. Florian Born sagt:

      Zum Wohl der Serie/des Spiels/des Buchs/des Films darauf zu verzichten macht natürlich Sinn. Gerade bei SciFi steh ich aber auf wissenschaftliche Akuratheit. Alles andere ist dann nämlich (in meinen Augen) Fantasy 😉

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      1. Wortman sagt:

        Dann darfst ja auch kein Star Wars, Enterprise, Babylon 5 und andere Sachen gucken… 😉

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        1. Florian Born sagt:

          Star wars ist für mich fantasy und den Rest schau ich auch und ärger mich eben über die kleinen Fehler 😉

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        2. Wortman sagt:

          Ich sehe diesen Fehler erst gar nicht 🙂

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  2. Zeilenende sagt:

    Babylon 5 hat es sogar trotz Hyperraum-Lösung verbockt, ne plausible Kommunikations-Lösung anzubieten, aber das würde ich, der B5 für die beste Serie aller Zeiten hält, ja nie zugeben. Star Trek hingegen hat im Laufe der Jahrzehnte ja sogar erklärt, wieso die Signale nicht versumpfen: Da dümpeln Subraum-Repeater im All. Wie das funktionieren soll? Keine Ahnung, ist aber auch egal. *gg*
    Ich ärgere mich nicht drüber, dafür bin ich in Sachen Science Fiction zu sehr Mark, um wirklich kritisch zu sein. Zumindest wenn es unbewusst übergangen wird – und nicht wie im Fall von Doctor Who (Kommunikation quer durch Raum UND Zeit) als absurdes Element absichtlich Teil der Story ist. Nichtsdestotrotz freue ich mich immer darüber, wenn ein Roman, ein Film oder eine Serie die Unmöglichkeit der Kommunikation zum Teil der Story macht. Letztlich ist es ja eh so: Die Hard Sci Fi Autoren geben sich zumindest Mühe, das kann man anerkennen. Alles andere ist Space Opera und das ist das Männer-Äquivalent zum Frauenroman Marke Gabi Hauptmann, Hera Lind, etc. *gg*

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