Homogene Planeten in Science Fiction sind Unsinn

Jeder, der sich schon ein wenig mit Science Fiction – oder um bei den Begrifflichkeiten korrekt zu bleiben mit Science Fantasy – zu tun hatte, der wird auch schon mal einen Fuß auf einen anderen Planeten gesetzt haben. Mir ist es zum Beispiel kürzlich beim Spielen von No Man’s Sky so ergangen. Jenem Spiel, das verspricht, dass jeder Planet anders ist, als der davor.

Das ist wahr. Auch wenn Planeten stets nach ähnlichen Biomen funktionieren, unterschieden sie sich doch jedes Mal aufs Neue. Während ich aber durch die 18 Trillionen (ja, das ist eine große Zahl) Planeten reiste, die man bereisen kann, ist mir etwas aufgefallen, das man nicht nur NMS sondern eigentlich jeder Science Fiction/Fantasy Geschichte vorwerfen kann. Oder zumindest einigen großen.

Homogenität

Planeten sind so gut wie immer homogen. Heißt: Egal, wo ich mich auf dem Planeten befinde, er wird im Prinzip immer gleich aussehen. Ein Beispiel:

Tatooine – die Heimat von Anakin und Luke Skywalker – ist ein Wüstenplanet. So weit wir aber wissen, unterscheidet sich der Nordpol in dieser Hinsicht aber nicht vom Südpol des Planeten. Oder vom Äquator. Oder dem dazwischen. Wüste bleibt auf Tatooine immer Wüste. Und ganz gleich schaut es auch auf Hoth aus. Und Alderaan. Und Endor. Und Yavin 4. Und – Ja, wir haben es verstanden! Weiter im Text!

Richtig…

Diese Planeten bestehen immer nur aus einem einzigen Biom. Ein Wüstenplanet ist komplett von Wüste bedeckt. Alderaan ist/war überall total hübsch und grün und Naboo war von riesigen Seen bedeckt.

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Bei dieser Darstellung von Planeten gibt es aber ein Problem. Es ist schlicht und ergreifend unlogisch.

Wie würde es richtig gehen?

Schauen wir uns zum Beispiel die Erde an.

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Wie euch vielleicht aufgefallen ist, besteht die Erde nicht nur aus schönen grünen Steppen, gebirgigen Regionen, Ozeanen oder Wüsten. Nein. Die Erde durchschreitet vom Nord- zum Südpol eine Unzahl von Biomen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Angefangen von der Stärke, mit der die Sonne auf eine Region des Planeten scheint, über die Menge an Wasser, die in dieser Region gefunden werden kann, bis hin zu den Winden oder Gebirgen, die es etwaigen Regenwolken nicht erlauben, eine bestimmte Region zu bewässern.

Auch andere Planeten in unserem Sonnensystem sind diesen Gesetzen unterworfen. Der Mars zum Beispiel ist an seinen Polen bedeutend kühler als am Äquator.

Bei vielen Planeten in SciFi-Geschichten ist das aber eben nicht der Fall. Doch woran liegt das? Warum wird dieser eigentlich ganz logische Aspekt des Weltenbaus – oder Universenbaus, um genau zu sein – ignoriert? Insbesondere, da es in der Fantasy ja auch wunderbar funktioniert und wir hier genauso Abwechslung in den Regionen beobachten können.

Size matters

Meine Theorie dazu ist der schiere Unterschied in der Größe der geschaffenen Welt. Während die Fantasy sich im Weltenbau in der Regel mit einer einzelnen Welt begnügt, zeigen Science Fiction Universen eine Vielzahl von Planeten. Jedem Planeten eine realistische Darstellung von Biomen zu geben, würde nicht nur einen immensen Aufwand für den Weltenbauer darstellen – der oft nicht für den Nutzen steht, den diese Planeten darstellen –, er würde auch den Leser/Seher/Spieler hoffnungslos überfordern.

Gleiches gilt auch für Kulturen. In der Science Fiction werden uns gern Galaxien überspannende Reiche gezeigt, die seit Jahrhunderten bestehen und mit anderen Galaxien überspannenden Reichen Krieg führen.

homogene-planeten-skizze-galaxis

Da hapert doch was. Zumindest die Geschichte unseres eigenen Planeten zeigt uns, das Reiche von auch nur der Größe eines Kontinents eher früher als später in sich zusammenfallen. Insbesondere dann, wenn eine Vielzahl von Nationalitäten aufeinander prallen. Jugoslawien hat das gezeigt. Oder das römische Reich.

Viel wahrscheinlicher als riesige Reiche ist deshalb schon eine Darstellung, wie sie Markus Heitz in Collectors getroffen hat. Hast du gerade allen Ernstes mal etwas Positives über Markus Heitz geschrieben? Ja. Hat mich auch ein wenig verwundert… Anywho:

Heitz beschreibt ein Universum, in dem große Konzerne und auch Staaten von der Erde aus andere Planeten als Kolonien für sich selbst einnehmen, während die Erde ziemlich zu Grunde gerichtet ist.

Das ist wesentlicher realistischer und löst das Problem, dass Science Fiction beziehungsweise Science Fantasy oft mit sich bringt:

Zu wenig Abwechslung auf zu großen Raum

Zu viel Homogenität, zu wenig Konflikt und alles in allem ein viel zu großer Maßstab in den erzählten Geschichten. Wie man das lösen kann? Ein kleinerer Maßstab zu Beispiel. Oder sich darüber trauen und ein Universum gestalten, dass wirklich galaktische Ausmaße annimmt. Damit könnte man der Homogenität von Planeten, von Reichen und von Rassen den Rücken kehren.

Wie steht ihr zur Homogenität von Science Fiction-Planeten und -Reichen? Stört euch das oder seid ihr da ziemlich gelassen? Schreibt es mir in die Kommentare (:


Cover-Image © StapledShut980

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14 Kommentare Gib deinen ab

  1. Columbus sagt:

    Das ist, glaube ich, eine zu grobe Verallgemeinerung. Es gibt auch in der SF Planeten mit vielfältigen Lebensräumen. Und umgekehrt sind die Welten in unserem Sonnensystem doch erstaunlich homogen; für eine Geschichte, die auf dem Mars spielt, kann man die tatsächlichen Unterschiede weitgehend vernachlässigen. Warum sollte das in der SF anders sein?

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    1. Florian Born sagt:

      Hallo Columbus (Ich vermute, der Name ist nicht der echte :D),

      Natürlich weiß ich, dass es auch sehr viele gibt, die es richtig machen, aber leider eben nicht alle. Und da wollte ich ein wenig den Zeigefinger heben 😉

      Gefällt 1 Person

      1. Columbus sagt:

        Tatsächlich habe ich 1492… nein, ich bin’s nicht wirklich. 😉

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  2. Wortman sagt:

    Ich denke, das Problem ist auch, dass man versucht, Bekanntes der Erde in den Weltraum zu übertragen. Da ist es wichtig, dass Teile der Planeten dem entsprechen, was es sein soll. Ob der Rest des Planeten ebenso ist… im grunde interessiert das doch keinen.
    Als Star Wars Ende der 70erins Kino kam, fanden alle die drei Szenarien auf Tatooine cool aber da hat sich keiner die Frage gestellt, ob der Rest des Planeten auch so aussieht oder nicht. Es hatte keinen Einfluss auf die Geschichte.
    Deswegen denke ich, wenn man einen Waldmond, einen Wasserplaneten erschafft, ist es eher zweitrangig, ob da Freiflächen sind. Es sei denn, sie wären handlungstechnisch nötig.

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    1. Florian Born sagt:

      Ich glaube hier liegt auch der Unterschied, ob man als Rezipient eher der Typ ist, der auf die Geschichte Wert legt, oder auf die Welt, die sie umgibt. Ich gehöre zu letzterem, deswegen stört mich so etwas auch.

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      1. Wortman sagt:

        Das ist ja auch völlig ok. Ich denke, es kommt immer darauf an, ob es komplett auf so einer Welt spielt oder ob sie nur ein Ausschnitt ist.

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        1. Florian Born sagt:

          Das ist natürlich auch ein wichtiger Punkt 🙂

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        2. Wortman sagt:

          Danke. 🙂

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  3. Zeilenende sagt:

    Wüstenplaneten sind gar nicht mal so unrealistisch, wenn sie so wasserarm sind, dass es für Polkappen nicht reicht. Das braucht natürlich eine Erklärung. Man könnte natürlich damit spielen (und Tuvok als schwarzer Vulkanier in Star Trek: Voyager war für mich ganz großes Tennis), aber das „Warum“ hast du ja ausgeführt: So wie ein Fantasy-Autor sich auch nicht mit der Beschreibung der Aufhängung der Rüstungsplatten seines strahlenden Helden beschäftigt, so ist „Wüstenplanet“ auch nur eine Typifikation, die Polkappen nicht ausschließt. Sie sind nur unbedeutend, weil:
    1) Der Großteil des Planeten Wüste ist
    2) Die Handlung in der Wüste spielt.

    Viel störender finde ich da in der Tat den genannten zweiten Punkt. Das ist mit der Grund, warum ich die meisten Space Operas zum Gähnen finde.

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    1. Florian Born sagt:

      Ja, natürlich. Wüstenplaneten sind mir beim Schreiben halt als erstes in den Sinn gekommen. Ich finde da Waldplaneten oder so etwas bedeutend dämlicher 😉

      Und ja. Der zweite Punkt ist wirklich schlimmer als der erste, da muss ich dir auch zustimmen. Weil warum ist nochmal in Star Wars die gesamte Galaxies unter einer Regierung vereinigt. Ist doch ein bisschen groß gegriffen 😉

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      1. Zeilenende sagt:

        Weil der Galaxisbegriff da komisch ist. Und weil die Republik eher so ein halbautonomer Verbund war. Und auch das Imperium funktioniert ja vor allem, weil die lokalen Herrscher ziemlich viele Freiheiten haben. Außerdem macht der Millennium Falke den Kessel-Flug in ich weiß nicht mehr wie viel Parsec. 😅

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