Die Welten Hollywoods oder: Warum jeder Film in seiner eigenen Welt spielen muss

Der Film ist eines der wichtigsten Unterhaltungsmedien unserer Zeit. Millionen (oder Milliarden?) von Dollars werden pro Jahr für Filme ausgegeben und noch mehr eingenommen. Zumindest wenn die Produzenten alles richtig gemacht haben. Es gibt aber eine Tücke, die Filme haben: Sie brauchen Schauspieler.

Wieso ist das ein Tücke? Und wieso ist es keine Tücke, dass sie Kameras und Tonleute und Schnittleute und so weiter brauchen? 

Weil wir nur die Schauspieler zu Gesicht bekommen. Sie sind in der Regel das wichtigste Verkaufsargument eines Films und bekommen deshalb auch die höchste Gage. Die Sache dabei ist die: Wir sehen die Schauspieler in Filmen, Serien etc. nicht als Schauspieler. Nein. Sie sind Figuren. Und dadurch, dass sie diese Figuren mimen, schließen sie automatisch ihre eigene Existenz in diesem Film aus.

Ein Beispiel: In Good Will Hunting können weder Matt Damon, Ben Affleck, noch Robin Williams als Personen existieren, da sie die Charaktere im Film mimen. Ebenso kann kein Film in der Welt dieses Films existieren, in dem Ben Affleck, Robin Williams oder Matt Damon mitspielen.

Die Frage der Existenz

Grundlegend lässt sich das sogar auf weit mehr als diese Schauspieler ausweiten. Die Existenz eines jeden Films, jedes Songs, jedes Schauspielers, jeder Person des öffentlichen Interesses ist einem Film oder einer Serie, der/die in der Gegenwart unserer Welt spielt, ist unklar. Zumindest so lange, bis es als solches in dem Film erwähnt wird.

Ein weiteres Beispiel. Diesmal aus der Serie How I Met Your Mother:

Wir wissen mit Sicherheit, dass Star Wars, Indiana Jones und Dirty Dancing existieren. Auch wissen wir über die Existenz von Guns N‘ Roses Bescheid. Und Heidi Klum. Ergo muss auch jeder Schauspieler der Filme und jedes Bandmitglied in dem Universum existieren.

Im Gegensatz dazu wissen wir, dass weder ein Schauspieler der Serie existiert, noch Katie Perrie, Enrique Iglesias oder Britney Spears. Ebenso wie kein Film oder Song mit oder von einer der Personen.

Easter Eggs und Ausnahmen

Was ist nun aber, wenn in einer Serie oder einem Film eine Anspielung eines Schauspielers auf einen anderen Film/Serie mit ihm vorkommt? Wenn also zum Beispiel Sam Winchester beschämt zur Seite blickt, als sie in Hollywood das Set von Gilmore Girls passieren? (Ist so passiert.)

Naja. Ich muss gestehen, zu diesen Sonderfällen, fällt mir nichts besseres ein, als zu sagen: Fanservice. Hier handelt es sich um Fälle, in denen Produzenten den Sehern einen Leckerbissen zuwerfen wollen und dabei die Regeln ihres eigenen Universums zum Wohle der Unterhaltung außer Kraft setzen. So etwas hat aber meist keinerlei Auswirkungen auf den Plot und ist eher einem Comedy-Element zu schulden, als allem anderen.

Es gibt übrigens auch ein paar logische Ausnahmen von dieser Regel: Historische Filme, die vor dem Leben des Schauspielers spielen (insbesondere, weil es hier keine Relevanz hat), SciFi-Filme, die in der Zukunft spielen (ebenfalls, keine Relevanz), sowie Filme, die ohnehin in einer anderen Welt spielen.

But why?

Weil ich weiß, dass die Frage, sicher dem einen oder anderen durch den Kopf schießt, werde ich sie an dieser Stelle vorweg nehmen: Welchen Unterschied macht es?

Die Antwort: Keinen.

Aber es macht Spaß. Und darum geht es doch, oder?

Wie steht ihr dazu? Könnte euch das egaler nicht sein oder war das für euch gerade ein Whoa-Moment? Haut es mir in die Kommentare und sagt mir auch bitte, wenn ihr der Meinung seid, meine Theorie würde komplett hinken (:


Fantastic Cover-Image © Valzonline

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10 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wortman sagt:

    Schauspieler bleiben meist im Gedächtnis, weil sie ihre Rolle sehr gut gemacht haben, besonders besch**** waren oder die Regenbogenpresse ihre Verfehlungen auf dem Titelblatt zeigt.
    Beim Media Monday stoße ich oft auf Namen, da habe ich nicht mal ein Gesicht dazu. Geschweige denn, ich würde den Film, die Serie kennen.

    Im Grunde ist mir egal, ob da Menschen stehen. CGI – Schauspieler mag ich auch 😉 Irgendwann werden die echten eh abgeschafft. CGIs kosten keine Gage 😉

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    1. Florian Born sagt:

      Ich wär nicht so sicher, ob echte Schauspieler wirklich mal abgeschafft werden. Im Gegenteil: In Videospielen geben echte Schauspieler zum Beispiel Charakteren ihre Gesichter (Kevin Spacey oder Ellen Page zum Beispiel) 🙂

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      1. Wortman sagt:

        Warten wir mal noch 20 Jahre 😉
        Man sollte nie nie sagen…

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  2. Dazu gehen mir mehrere Dinge durch den Kopf. Zum einen die Schauspieler und ihre Existenz in der eigenen Welt.
    In ‚Notting Hill‘ gibt es so eine wundervolle Anspielung auf Meg Ryan. Sie müsste nicht sein. Der Dialog würde auch mit einem anderen, völlig fiktiven Namen funktionieren, aber dennoch reißt er den Zuschauer kurz aus der Welt des Filmes.
    ‚Breaking the forth wall‘ nennt man das glaube ich.
    Auch in Supernatural wird es mehr als einmal gemacht. Und der beschämte Seitenblick, der oben beschrieben wird ist ja nur der Anfang davon.

    Eigentlich versucht man das ja immer bewusst zu vermeiden, um den Zuschauer nicht aus der Erlebniswelt des Filmes zu reißen, doch in Fällen, in denen es gut gemacht ist, zeiht es einen nur noch tiefer mit hinein. Denn der film, die Serie, der Charakter, bekommt plötzlich einen Bezug zu unserer Welt und verschmilzt ein Stück weit mit dieser Realität.

    Das zweite, was mir durch den Kopf geht, ist, dass ich Film und Darstellungen von Charakteren dann als besonders gut wahrnehme, wenn ich hinterher kaum noch weiß, wer eigentlich der Schauspieler war. Damit hat der es nämlich geschafft, nicht dem Charakter seinen Stempel aufzudrücken, sondern ganz und gar der Charakter zu werden.

    Das ist so meine Sicht dazu. Und wieder einmal tolles Thema!

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    1. Florian Born sagt:

      Stimme voll zu und bedanke mich 😉

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  3. Bob Loblaw sagt:

    Ein wichtiges Beispiel was hier nicht fehlen darf wäre Last Action Hero. Wo das sogar nen wichtiger Teil der Handlung ist. Ein Junge reist mit Hilfe eines magischen Ticket in seinen Lieblingsfilm. Der Hauptdarsteller des Filmes wird von Arnie gespielt. Um ihn zu beweisen das er nur ein Filmfigur ist geht der Junge mit ihm in eine Videothek(der Film ist schon älter, das waren die Dinge wo man vor Netflix und Itunes legal Filme leihen konnt) um will ihn den Film Terminator zeigen(sein Plan scheitert da in der Filmwelt Stalone den Terminator spielt).

    Lustige Beispiel die dagegen sprechen. Deadpool, hier wird Ryan Reynolds welche die Hauptfigur spielt öfters erwähnt(zählt nicht wirklich, Deadpool bricht nicht nur the 4th Wall er Reisst sie nieder und verbrennt alles was von ihr übrig bleibt). Oder Jay and Silent Bob schlagen zurück. In der Filmreihe spielen Matt Damon und Affleck verschiedene Rollen von kleinen Nebenfiguren bis hin zu Hauptdarstellern. Im genannten Film spielen sie jedoch sich selber, wo sie in einer Szene unter anderem Erwähnen in den vorherigen Teilen mitgepielt zu haben und wie dumm das war.

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    1. Florian Born sagt:

      Das Brechen der 4. Wand ist natürlich immer eine wichtige Ausnahme 🙂

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  4. Zeilenende sagt:

    Grundsätzlich stimme ich dir zu. Filme wie alle erzählerischen Werke erzeugen grundsätzlich eigene Realitäten. Die per se nicht realer oder irrealer sind als unsere Welt. Die wird auch erzählt.
    Aber an einer Kleinigkeit möchte ich deshalb rumnörgeln, die ich aus dem Grund „völlig eigene Realität“ anders sehe:

    „In Good Will Hunting können weder Matt Damon, Ben Affleck, noch Robin Williams als Personen existieren, da sie die Charaktere im Film mimen. “

    Gerade weil Good Will Hunting in einer eigenen Realität spielt, können die genannten Schauspieler als Personen jenseits der Rolle existieren. Wir sehen sie nur nicht. Vielleicht, weil Ben Affleck Müllmann in Kuala Lumpur geworden ist. Sie können durchaus auch Schauspieler sein. Auch erfolgreiche Schauspieler. Sie können anders oder genau so aussehen. Die Tatsache, dass in der Realität von Good Will Hunting eine reale Person namens Sean Maguire existiert, die so aussieht wie eine reale Person unserer Welt namens Robin Williams, schließt nicht aus, dass es in dieser Realität keinen Robin Williams geben kann. Die Verknüpfung ist nicht notwendig (es muss so sein), eben weil „Good Will Hunting“ eine eigene Realität kennt. Das wird deutlicher, wenn man sich klar macht: Es ist zwar so, dass Sean Maguire drüben so ausschaut wie Robin Williams hier. Das ist aber kontingent. Er könnte auch aussehen wie Johannes Heesters, weil der gecastet wurde statt Robin Williams. Der Realität der Figur Sean Maguire tut das keinen Abbruch.
    Das von dir so genannte Easter-Egg-Problem sehe ich übrigens gar nicht: Ohne den Film zu kennen, kann es Millionen Gründe geben, warum der Charakter sich beim Anblick des Gilmore-Girls-Set so verhält. 🙂

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    1. Florian Born sagt:

      Auch ein sehr guter Punkte. Danke für die Anmerkung 🙂

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