Ein (nicht ganz so) kleiner Überblick über Engel – ohne Esoterik aber mit Supernatural GIFs

Bevor ich mich darauf stürze, euch alles, was ich über Engel herausfinden konnte, an die Nase zu binden, lasst mich zuerst eine kleine Einschränkung geben. Es geht in diesem Artikel nicht um Engel im esoterischen Sinn. Sollte sich also jemand deshalb hierher verirrt haben, verabschiede ich mich an dieser Stelle. Adieu! Es geht rein um die mythologische Darstellung der Engel im christlichen biblischen Kanon. Vielleicht mach ich das auch mal für das Judentum und den Islam, aber fürs Erste hab ich mir mal das Christentum und ihre Darstellung der Flattermänner herausgepickt.

Apropos Flattermänner: Tatsächlich werden Engel in der Regel als geschlechtslos dargestellt. Sie sind also wenn man es genau nimmt Flatter-Ken-Puppen. Aber auch nicht immer, denn je nachdem, welcher Darstellung man Glauben schenkt – und hört mich an, ich bitte euch, es gibt viele – behaupten manche, dass Engel eigentlich männlich wären. Andererseits, laut Sach 5,9 gibt es auch weibliche Engel. Da heißt es gewohnt schwülstig:

Als ich aufblickte und hinsah, da traten zwei Frauen hervor und ein Wind füllte ihre Flügel – sie hatten nämlich Flügel wie Storchenflügel – und sie trugen das Fass zwischen Erde und Himmel fort.

Klingt ziemlich nach Flatterfrauen, oder? Zurück zu den dezidierten Flattermännern: Die scheinen es laut dem ersten Korintherbrief 11,10 recht bunt getrieben zu haben, wenn man es richtig deutet. Also mit Menschenfrauen.

Aber zurück zu den weniger seltsamen Dingen, die Engel so treiben. Und zu dem, woher Engel eigentlich kommen. Der Begriff Engel leitet sich aus dem griechischen angelos ἄγγελος ab und bedeutet übersetzt ursprünglich Bote. Was uns wenig überraschend auch zu Hauptaufgabe des Wald-und-Wiesen-Engels führt: Engel sind die Boten zwischen Himmel und Erde.

Ich spreche von Wald-und-Wiesen-Engeln, was ja logischerweise bedeuten muss, das auch noch andere Engel gibt, die mehr am Kasten haben als irgendsoein Normalo. Die gibt es auch. Ich präsentiere:

Die 3 Hierarchien der Engel

First things first. Da wir hier ja vom biblischen Kanon reden, steht über den Engeln noch mal der Obermacker schlechthin. Der Schöpfer aller Welten. Der gütige oder rachsüchtige (je nach Quelle). Der Überschwemmer der Welt und Alles-Liebende. Wir kennen ihn und sagen seinen Namen vermutlich so oft ungerechtigterweise, dass es ihm schon unangenehm wird (looking at you FPÖ). Der eine, der doch drei ist:

Gott.

Er hat das Oberkommando über die Engel und Menschen, aber das macht er nicht alleine. Ihm unterstehen deshalb 9 Chöre an Engeln, die zum leichteren Überblick nochmal in drei Triaden eingeteilt werden. In der ersten Hierarchie und damit direkt unter oder bei Gott sind die

  • Serpahim,
  • Cherubim
  • und Thronoi.

Darunter folgen die

  • Kyriotetes,
  • Dynameis
  • und Exusiai.

Die sind für die großen Konflikte zuständig. Also Himmel gegen Hölle und so weiter. Und dann gibt es noch in der dritten Hierarchie jene Engel, die sich auch wirklich mit uns Menschen befassen. Das sind die

  • Archai,
  • Archangeloi
  • und Angeloi.

Viele viele griechische Wörter waren das jetzt. Deshalb springe ich jetzt auch gleich wie der Held in der Not mit einer Erklärung herbei. Beziehungsweise neun Erklärungen.

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Fangen wir an mit den

Seraphim

Die Seraphim sind die nähesten unter Gott. Das kann mitunter daran liegen, dass sie sich buchstäblich rund um seinen Thron aufhalten und ihre Zeit am liebsten damit verbringen, den Herrn zu preißen und zu auf ihn aufzupassen. Das klingt dann so:

Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heere. / Von seiner Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt.

Sie sind quasi seine Caretakers. Übersetzt bedeutet Seraph so viel wie Brennender, was auch zu ihrer Beschreibung passt. Laut dem sechsten Kapitel des Buchs Jesaja sind Seraphim/fim mächtige Wesen mit sechs Flügeln. Mit zweien Bedecken sie ihr Gesicht, mit zweien ihren Beine und mit zweien fliegen. Wofür sie jetzt also wirklich sechs Flügel brauchen, ist mir zwar ein Rätsel, aber hey: Jedem das seine.

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Cherubim

Unter den Seraphim stehen die Cherubim, die vier Gesichter und vier Flügel bedeckt in Augen haben. Wie genau das funktionieren soll ist mir zwar unklar, aber was solls. Die zweite Klasse der Engel tut dafür auch mehr als Gott anzuschmachten. Ihre Aufgabe ist es, den Baum des Lebens im Garten Eden und den Thron Gottes zu schützen. Bad motherfuckers sozusagen. Ich persönlich würde mich jedenfalls nicht mit ihnen anlegen, insbesondere deshalb, weil laut manchen Quellen Satan als gefallener Cherub gezeigt wird.

Weiter zu den

Thronoi

Wer dachte, die ewig preisenden Seraphim wären schon schräg – ich distanziere mich an dieser Stelle übrigens mit meinem Volk von den Inseln stark von dieser Darstellung –, dem darf ich nun die Thronoi vorstellen. Diese Wesen stellen ein lebendes Symbol von Gottes Macht und Gerechtigkeit dar. So weit so normal. Aber:

Die Thronoi werden dargestellt als ein Rad in einem Rad, deren Felgen von unzähligen Augen bedeckt seien. Zur besseren Vorstellung:

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Laut dem Buch Exekiel sind die Thronoi in ihrer Macht direkt an die Cherubim gekoppelt. Sieht man auch wunderbar verstörend an dem Bild. Es gibt aber übrigens noch andere christliche Darstellungen, nach denen die Thronoi nicht ganz so schräg sind. Die beschreiben sie als alte Männer, die auf den Willen Gottes hören und die Gebete der Menschen überbringen. In dieser Form trifft man sie übrigens auch in der Offenbarung des Johannes.

Kyriotetes

Aber genug von den direkten Fans Gottes und weiter in die zweite Sphäre. Hier werden die Darstellungen schon weitaus konservativer. Zum Glück. Fangen wir mit den Kyriotetes an. Sie werden auch als „Lordships“ bezeichnet und sie quasi die Gouverneure des Himmels und sind damit dafür zuständig, die Kräfte der unteren Ränge der Engel zu regulieren.

Dem Aussehen nach schauen sie klassischen Engeln sehr ähnlich. Das einzige, durch das man sie unterscheiden könne, sind leuchtende Kugeln an ihren Zeptern oder im Griff ihres Schwerts. Oh und sie sind angeblich verdammt gutaussehend.

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Dynameis

Die Dynameis oder Strongholds sind wieder ein wenig schräger. Sie sind anscheinend jene Engel, durch deren Macht, Wunder und göttliche Zeichen auf der Erde geschaffen würden. Sie werden mit großer Macht verbunden und können nicht von ihrem Glauben an Gott und dessen Macht erschüttert werden. Sie sind damit also quasi die Katalysatoren für die Mächte des Himmels.

Exusiai

Sind die Kyriotetes Gouvernöre und die Dynameis Katalysatoren, so sind die Exusiai am ehesten als die Krieger des Himmels zu bezeichnen. Ihre Aufgabe ist es, die himmlischen Streitmächte zu überwachen und die Ordnung des Kosmos aufrecht zu erhalten. Sie haben auch die Aufgabe, böse Geister zu bekämpfen – vor allem, wenn sie mit der Materie unserer Realität herumpfuschen wollen – und diese in kosmische Gefängnisse zu stecken.

Als Krieger sind die Exusiai Gott völlig treu ergeben und manche Quellen behaupten, es hätte nie einen unter ihnen gegeben, der gefallen wäre. Laut manchen Quellen hingegen heißt es dafür, dass Satan der oberste von ihnen gewesen sei vor seinem Fall.

Am Rande: Die Engel, die so allgemein in Supernatural vorkommen, sind am ehesten den Exusiai zuzuordnen.

Archai

Wieder eine Hierarchie fertig. Kommen wir zu den Archai, der ersten Gruppe von Engeln, die sich auch mit den Menschen abgeben. Sie haben die Aufgabe, über Gruppen von Menschen, Nationen und Institutionen zu wachen und haben damit die Aufgaben von Administratoren oder Helfern. Gezeigt werden die Archai gerne mit Krone und Szepter, was zum einen ziemlich königlich wirkt und zum anderen auch ein wenig abgehoben. Verstanden? Abgehoben? Weil sie Engel sind? Haha?

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Ja… Ähm… Es heißt außerdem, dass sie uns Menschen inspirieren und unterrichten sollen und damit Kunst und die Wissenschaften vorantreiben. Ergo: Wissenschaft ist doch irgendwie im Sinne Gottes.

Archangeloi

Die Erzengel oder Archangeloi sind eigentlich nichts anderes als Chief-Angel. Also die mächstigen der normalen Engel. Hier werden auch endlich mal ein paar Namen genannt. Das sind unter anderem Michael, Gabriel, Uriel und Raphael. Wirklich kanonisch von den 7 Erzengeln ist aber auch nur Michael.

Die Aufgabe der Erzengel ist es, dass sie die Wächter von Nationen seien und sich mit den Themen beschäftigen, die in diesen relevant seien. Wir gehen in diesem Fall einfach mal davon aus, dass der Chief in den USA gerade ein Nickerchen gemacht hat…

Laut einer anderen Deutung gibt es übrigens noch die Theorie, dass es nur einen einzigen Erzengel gibt – Michael –, der der höchste aller Engel sein soll. Damit stünde er auch über den Seraphim und Cherubim.

Angeloi

Nun fehlen nur noch die Angeloi. Also die tatsächlichen Wald-und-Wiesen-Engel, die das darstellen, was wir unter Engeln verstehen. Ihre Zahl ist – logisch – am größten und ihre Aufgaben am vielfältigsten. Sie kümmern sich am meisten um die Belange alles Sterblichen, sind Boten Gottes zu den Menschen und werden auch als Schutzengel genutzt.

Bei Schutzengeln wird die Theorie vertreten, dass die Engel während ihrer Existenz nur einen Menschen schützen und nach dessen Tod einfach zu existieren aufhören. Andere Theorien meinen, dass sie eine längere Lebensdauer haben als Menschen und in ihrer Existenz auf mehrere Menschen aufpassen.

Und da wir jetzt endlich die letzte Engelsklasse erledigt haben, haben wir auch das Ende dieses Artikels erreicht.

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Wie gesagt: Ich hab mich hier jetzt mal rein auf den christlich-biblischen Kanon konzentriert. Heißt, ich hab auch sämtliche Literatur wie Paradise Lost und auch die andere monotheistischen Religionen außen vor gelassen. Falls euch das Thema interessiert – also generell klassische Mythologie unserer Welt – haut es mir in die Kommentare. Ich werd in Zukunft auch darauf achten, dass die Artikel nicht mehr so lang werden.

Cover-Image © asonTN

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4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wortman sagt:

    Hier hätte ich auch noch etwas für dich:
    https://wortman.wordpress.com/2008/09/14/die-hierarchie-der-engel/

    Ich finde, Engel sind eine interessante Lebensform, mit der man viel machen kann. Meine zwei sehen wieder anders aus, wenn sie in der welt der Menschen unterwegs sind.

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  2. Zeilenende sagt:

    Vielen Dank für die Fleißarbeit. 🙂
    Ich bin mir aber nicht sicher, ob die Gliederung der Engel in dieser Genauigkeit tatsächlich sooo biblisch ist … Das klingt sehr nach jüdischer Mysterienlehre (die sehr engelsfreudig ist) und Gnosis. Und dann ist irgendjemand hergegangen und hat das Ganze systematisiert und sich Bibelstellen gesucht, die man irgendwie als Engelserscheinungen deuten kann. Ich würde fast wetten, dass die Benennung und Einteilung (hallo? 3×3? Zahlensymbolik?!) irgendwann in der frühmittelalterlichen Mystik entstanden ist.

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    1. Florian Born sagt:

      Liebend gerne. Ja… Wie kanonisch das jetzt wirklich ist, lässt sich nur schwer sagen. Aber andererseits ist die Bibel ja auch das älteste aller Fantasy-Bücher, also kann man wohl ein Auge zudrücken, oder? 😉 😛

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