Wilder Weltenbau #2 – Filterblasen

Wieder eine Runde wilder Weltenbau. Heißt: Ich stelle euch eine Welt vor. Ein Wilde Welt. Eine Welt, die aktuell noch keine Geschichte beherbergt. Warum? Weil ich gern Welten baue und es mir nicht reicht, mich auf eine einzelne zu konzentrieren. Deshalb schreib ich sie mir von der Seele. Und binde sie euch auf die Nase. Und los!

Hatten wir das letzte Mal eine Science-Fantasy-Welt mit Western Elementen, so möchte ich euch dieses Mal eine etwas andere Welt vorstellen. Ich nenne sie mal ganz unpoetisch:

Welt der Filterblasen

In dieser Welt leben Menschen stark voneinander getrennt. Allerdings nicht anhand von kulturellen Bestimmungen, also nicht nur, sondern vielmehr nach dem, wie ihre persönliche Einstellung zu verschiedensten Aspekten des Lebens ist. Das liegt daran, dass in dieser Welt die Mächte des Himmels den Kriegen unter den Menschen nicht länger zusehen konnten und deshalb beschlossen, dass man dies nur beenden könne, indem man den Menschen jegliche Möglichkeit entzog, in Konflikt miteinander zu treten.

Dazu erschufen die Götter die Filterblasen und sie blickten in den Kopf eines jeden Menschen und sahen darin, was dieser glaubte, was ihm wichtig war, was er hasste und so weiter. Je nach politischer, kultureller, intellektueller Einstellung nahmen die Mächte des Himmels nun die Menschen und steckten sie in völlig voneinander abgekapselte Blasen der Realität.

filterblasen_welt_1

In diesen Filterblasen fanden sich die Menschen nun ausschließlich von anderen umgeben, die ihre Meinung teilten und so schafften es die Götter tatsächlich, jeglichen Konflikt zu bereinigen.

Heile Welt?

Tatsächlich hörte damit der Krieg lange Zeit auf, doch nicht für immer. Denn durch die Trennung nach Vorstellungen, nach dem, woran man glaubte, wurde die Gesellschaft auf nicht erdenkliche Weise gespalten. Während einige Blasen also von Leuten bewohnt wurden, die einem altruistischen und pazifistischen Weltbild frönten und die auch in der Zeit vor den Filterblasen nie den Konflikt gesucht hatten, so lebten in anderen jene, die den anderen ihr Glück neideten und um ihr eigenes bangten.

filterblasen_welt_2

Damit waren zwar einige Filterblasen bestimmt durch Wachstum an Wissen und Kooperation untereinander, aber in anderen begannen nach kurzem wieder Konflikte um sich zu greifen, denn die Leute sahen weiterhin nicht ihre Gemeinsamkeiten, sondern richteten ihren Blick doch nur wieder auf die Unterschiede zwischen ihnen. Und obwohl sie eigentlich alle gleich sein sollten, herrschte in diesen Blasen bald wieder Krieg untereinander.

Und die Mächte des Himmels mussten sich nun beraten, denn sie hatten nicht gedacht, dass ihr Weg – den Konflikt, den Streit durch Trennung zu verhindern und die Leute nur noch mit jenen Gedanken zu umgeben, die sie auch wirklich hören wollten – wirklich aufgehen würde. Und nicht nur das, denn jene, die in den Blasen voller Konflikt lebten, die in Armut und Angst bangten und hofften und hassten, erkannten eines Tages, dass es nicht nur die ihren Blasen gab, sondern auch andere, in denen aber nicht Krieg und Angst vorherrschten, sondern die geprägt waren von Friede und Reichtum und Wissen.

Und es würde unweigerlich zum Konflikt kommen, wenn nicht die Blasen von den Göttern erschaffen worden wären und die Menschen keine Möglichkeiten hätten, diese irgendwie zu durchdringen. Oder hatten sie die?

Abschließende Gedanken

So ganz ohne Geschichte ist die Welt jetzt doch wieder nicht, aber eine wirkliche fehlt ihr trotzdem noch. Aber jetzt hab ich mir die Welt mal von der Seele geschrieben und mir gehts besser. Der leicht biblische Erzählstil tut mir übrigens leid, aber irgendwie ist mir vorgekommen, dass das recht gut zu der Welt passen würde.

Ich weiß nicht, ob euch dieser Begriff auch mal untergekommen ist in den letzten Wochen – vor allem im Kontext um die US-Wahlen –, aber zumindest meine Timeline hat er geprägt: die Filterblasen. Die beschreiben, dass die Algorithmen von Google, Facebook und Co uns nur noch das zeigen, von dem sie wissen, das es in unser Weltbild passt, egal, wem wir folgen. Warum? Weil die Algorithmen darauf hin trainiert sind, uns immer besser kennenzulernen und natürlich auch, uns eben das zu zeigen, von dem sie glauben, dass es uns gefallen könnte. Eh klar: Wir liken nur das, was uns gefällt und Facebook ist halt der Meinung, wir würden dann mehr davon sehen wollen.

Problem: Wir haben in unserem Weltbild innerhalb dieser Filterblase, die Facebook und Google uns erschaffen irgendwann nur noch die Posts jener Leute und Seiten, die auch unsere Weltanschauung teilen und bekommen ein völlig verzerrtes Bild der Realität. Dieser Begriff der Filterblasen hat mir die Idee für eine Welt gegeben, in der die Menschen ganz ähnlich unterteilt würden, wie wir es online werden. Die Auswirkungen, die das hätte, sind natürlich wesentlich größer als der Ausschnitt, den ich in der Beschreibung der Welt gezeigt habe.

Aber genug des Schwafelns. Schreibt mir lieber in die Kommentare, was ihr persönlich von dem Phänomen der Filterblasen haltet und wie euch meine zweite Wilde Welt gefällt. Und auch, welche Geschichte ihr in dieser Welt erzählen würdet 😉

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wortman sagt:

    Über coole neue Ideen freue ich mich immer wieder 🙂
    Wenn ich das also richtig verstehe, gibt es Blasen in dem der Pazifismus zu 100% gelebt wird, die Lust, Perversion, Krieg, Tod allgemein etc. Im Grunde so etwas wie die 7 Blasen der Todsünde oder die 10 Blasen der Gegengebote gottes oder auch nicht 😉

    Da jeder Mensch mehr oder weniger die 7 Sünden in sich trägt, würde keine dieser welten das wahre Paradies darstellen.
    Die Frage ist, können die Menschen hin und her reisen zwischen den blasen oder bleiben sie unter sich? Wenn sie nicht reisen können, dann sollte man zumindest dieGeschichte erstmal auf eine Blase beschränken. die, von der man sich am Besten etwas vorstellen kann. Hätte den vorteil, man könnte 7 oder 10 bände schreiben 😉

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    1. Florian Born sagt:

      Ich hab mir das ganze vielmehr anhand von politischer Einstellung (Links, Rechts, Liberal, Konservatitv, Grün, etc) gedacht. Und prinzipiell gibt es keine Möglichkeit, zwischen den Blasen zu reisen. Also im Normalfall. Aber einige könnten vielleicht eine Methode finden 🙂

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      1. Wortman sagt:

        Ok… politische Blasen haben wir jetzt schon genug 😉 Das ist nicht meine Welt.

        Gefällt 1 Person

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