Zerwürfelte Geschichten #1: Von Schweißtropfen und Kutschern

Kurze Erklärung: Bei Zerwürfelte Geschichten spiele ich ein Spiel. Ich würfle mit sechs „Storywürfeln“. Die zeigen dann sechs verschiedene Bilder. Mit denen muss ich oder jemand, den ich – möglicherweise gegen seinen/ihren Willen – nominiert habe, eine Geschichte basteln.

Jedes Symbol muss darin vorkommen. Zentral! Nicht nur am Rande. Auch wenn die Aspekte natürlich ein wenig gedehnt werden können. Damit alles schön stimmig ist. Aber damit es nicht zu einfach wird, gibt es noch den Fantasy-SciFi-Chip. Je nachdem, was der zeigt, muss die Geschichte natürlich dazu passen. Ziellänge: 500-1000 Wörter.  Alles klar? Alles klar.

Die Würfel und der Chip in dieser Runde zeigen das:

story-wu%cc%88rfel_1

Also eine Fantasy-Geschichte mit:

  • finstererem Gesicht
  • einem Wagen
  • der Sonne
  • Fußspuren
  • einer Explosion
  • einer Katze

Und das ist das Ergebnis:

Von Schweißtropfen und Kutschern

von Florian Born

Denor kauerte sich im Schatten des Busches zusammen, versuchte möglichst wenig seiner Gliedmaßen in die heiße Sommersonne zu halten. Welcher verfluchte Idiot war denn bitte auf die Idee gekommen, die Kompanie in schwarze Lederrüstungen zu stecken? Klar: Die Schwarzen Höllenhunde konnte man schlecht beige Rüstungen tragen lassen, aber mal ehrlich: Warum mussten sich auch unbedingt die schwarzen Höllenhunde sein? Was war denn an braunen Hunden auszusetzen?

Ein leiser Pfiff des Korporals lenkte Denor von dem Schweißrinnsal ab, das sich gerade daran gemacht hatte, seinen Rücken hinunterzukriechen. Die rothaarige Frau bedeutete ihm, über den Busch zu schauen und er folgte ihrem Befehl. Ein Wagen holperte die halb befestigte Straße hinab. Ein einzelner Mann saß auf dem Kutschbock und trieb die beiden alten Gäule gelangweilt an. Ein Strohhut saß auf seinem Kopf, damit die Sonne ihm nicht das Hirn aufbrannte. Kluger Mann. Aber unglücklicher Mann.

Der Korporal wartete noch einen kurzen Moment, dann trat sie aus dem Schatten des Busches heraus. Ein schartiges Kurzschwert in jeder Hand. Denor folgte ihr in kurzem Abstand, die Armbrust im Anschlag.

„Ho, Alter!“ Der Kutscher schreckte bei der Stimme der Frau auf, dann verfinsterte sich seine Miene.

„Ja, ja…“, murmelte er und ehe die beiden Höllenhunde auch nur Anstalten machen mussten, ihm zu drohen, war er schon vom Kutschbock geklettert. „Ich kenn das Spiel. Na los! Nehmt euch, was meine Familie durch den Winter bringen wird. Mir ist es egal.“

Der Korporal lachte leise und ging auf den Wage zu. „Klug Entscheidung, Alterchen…“ Sie griff nach dem Kutschbock und wollte sich nach oben ziehen, da traf sie unvermittelt ein Stock in den Rücken. Sie stürzte zu Boden, doch bevor der Alte weiter auf sie einschlagen konnte, war Denor heran und zielte mit der Armbrust auf seinen Kopf.

„Lass das, alter Mann! Außer zu willst mit Bolzen gespickt werden!“

Sein Blick raste noch einmal kurz zwischen Denor und dem Korporal hin und her, dann ließ er seinen Stab fallen und hastete auf den Waldrand zu. Denor hörte noch für ein paar Momente die Schritte des Mannes im Wald, dann verstummten aber auch diese. Wahrscheinlich hatte er sich in irgendeinem Loch verkrochen und wartete, bis sie abzogen. „Soll ich ihm nach?“

„Nein.“ Der Korporal erhob sich vom Boden und steckte die Kurzschwerter wieder in den Gürtel. Sie rieb sich die Stelle, auf die der Stab des Mannes getroffen war. „Bring lieber den Wagen ins Lager und komm dann zurück. Ich will jeden Augenblick Sonnenlicht ausnutzen.“

„Jawohl, Korporal.“

Denor schwang sich auf den Kutschbock und steuerte ihn in Richtung des Lagers. Die schwarzen Höllenhunde hatten einige Meilen außerhalb der Hauptstadt ihre Zelte aufgeschlagen, versteckt in einem kleineren Wäldchen und nicht weit von einer Handelsroute entfernt. Das war zwar nur eine von vielen Stellungen, aber sie deshalb nicht minder wichtig. Sie brauchten alle Vorräte, die sie bekommen konnten, wenn sie dieses Jahr auch nur den Hauch einer Chance haben wollten, nicht an den Wällen der Stadt aufgerieben zu werden.

Er warf einen Blick auf den Wagen hinter sich und versuchte auszumachen, was sie da jetzt eigentlich erbeutet hatten, doch die Kisten auf der Ladefläche waren alle gut verschlossen und unbeschriftet. Egal. Irgendetwas wertvolles würde der Alte schon transportiert haben.

Denor wollte sich schon umwenden, da bemerkte er auf einmal Pfotenabdrücke im Staub der Ladefläche. Die sahen aus wie von einer großen Katze. Einer großen Katze?!

Abrupt ließ Denor die Zügel schnalzen und trieb die Pferde zu mehr Eile an. Wie hatten sie das übersehen können? Wie hatten sie auf so etwas hereinfallen können?! Egal. Er musste jetzt die Beute ins Lager zurück bringen, am besten bevor der Jäger ihn auftreiben konnte. Die ganze Operation wäre gefährdet, würde er ihm folgen.

Ein hoher Schrei erschallte hinter ihm. Trotz der heißen Sommersonne gefror sein Blut in seinen Adern und noch mehr Schweiß trat aus seiner Haut aus. Hektisch trieb er die Tiere zu noch mehr Eile an und schaffte es nur mit größter Mühe, sie zwischen den Bäumen hindurch durch den Wald zu manövrieren.

Endlich tauchte vor ihm die Palisade auf, die das Lager der Höllenhunde umgab und erleichtert lenkte er den Wagen durch das Tor, das sich nun vor ihm öffnete. Schlitternd kamen die Reifen zum Stehen und ein Wachmann stürzte auf ihn zu. „Denor! Scheiße, Mann! Was ist los! Wo ist der Korporal?!“

„Sie ist tot.“ Denor keuchte zwischen den Worten und seine Augen huschten fast schon fanatisch umher und suchten nach einer Bewegung. „Glaube ich. Ich weiß es nicht. Ein Jäger. Ein Jäger könnte hierher unterwegs sein. Ich glaube nicht, dass ich ihn abschütteln konnte.“

„WAS?!!“ Der Wachmann stürzte davon und Denor lehnte sich am Kutschbock zurück. Nur für einen Moment. Dann wieder ein Schrei und das Geräusch von Fleisch und Blut, das am Waldboden verteilt wurde. Klingen wurden gezogen, Armbrüste abgefeuert und ein lautes Fauchen erscholl. Dann wieder Schreie.

Denor drehte sich auf dem Kutschbock um und spannte seine Armbrust. Es kehrte wieder Stille ein. Aber dieser Bastard musste noch am Leben sein. Dieser Jäger. Ein magischer Spitzel des Königs. Ein Formwandler. Und so wie es aussah, ein mächtiger noch dazu.

Eine plötzliche Bewegung ließ Denor herumfahren und da saß eine große Katze – ein Berglöwe – und starrte ihn aus schmalen Augen an. Er riss die Armbrust hoch, feuerte, doch der Bolzen prallte wirkungslos an einem Felsen ab, vor dem der Jäger gerade noch gestanden war. Das nächste, was Denor wahrnahm, waren lange Krallen, die seine Haut und Muskeln und Adern zerfetzten und er seitlich vom Kutschbock fiel.

Als sein Blick sich trübte, sah er noch, wie der Jäger noch die letzten paar Räuber im Lager der Kompanie niedermachte und dann wieder zum Wagen zurückhetzte. Auf einmal war er wieder der alte Mann und begann die Kisten vom Wagen zu laden und irgendetwas zu murmeln. Magie. Die Krux dieses Landes. Dann fuhr der alte Mann mit dem Wagen davon. Die Kisten blieben zurück.

Das letzte, das Denor fühlte, war ein Rinnsal aus Schweiß – oder war es Blut – das seinen Rücken hinab lief. Das letzte, das er hörte, die Reifen des leeren Wagens, die gemächlich durch den Wald holperten. Das letzte, das er sah, ein greller Lichtblitz um die Kisten herum.


Ende Gelände. Und wie zu erwarten schön blutig, wenn ich sie schreibe.

Und hier noch die obligatorische Aufforderung: Haut mir in die Kommentare, 1) wie euch die Geschichte gefallen hat, 2) was ihr von dem Format haltet und 3) ob wer von euch selbst mal Lust und Laune hätte, mir eine zerwürfelte Geschichte zu schreiben. Vielleicht im Gegensatz zu mir auch eine, die man nicht zu einem Roman erweitern kann 😉

Advertisements

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Björn sagt:

    Hey!

    Zuerst mal finde ich die Idee echt cool! So etwas in der Art kenne ich zwar schon, teilweise noch aus der Schule, aber mit den Bildern, zu denen man sich etwas eigenes ausdenken und sie auslegen kann, wie man will, finde ich viel besser!

    Dann mochte ich deine Geschichte auch sehr! Ich hatte mir beim Bild der Katze schon selber an Menschen gedacht, die sich verwandeln können, also so was wie Werkatzen. Auch von der Länge her und wie du sie geschrieben hast.

    Ich würde auch gern mal probieren, eine kurze Geschichte zu den Würfeln zu schreiben! Kannst ja mal für mich würfeln und mir dann sagen, was bei rauskam!

    Gefällt mir

    1. Florian Born sagt:

      Woohoo! Erstmal danke!

      Und dann noch: hab schon zwei Leute in der pipe, aber ich schreib dir, wenn ich wen brauche 😉

      Gefällt mir

      1. Björn sagt:

        Alles klar, freu mich schon!

        Gefällt mir

Sagt mir eure Meinung!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s