Zerwürfelte Geschichten #2 – ein Ausweicher zur Scheibenwelt

Kurze Erklärung: Bei Zerwürfelte Geschichten spiele ich ein Spiel. Ich würfle mit sechs „Storywürfeln“. Die zeigen dann sechs verschiedene Bilder. Mit denen muss ich oder jemand, den ich – möglicherweise gegen seinen/ihren Willen – nominiert habe, eine Geschichte basteln. Diese Person bin dieses Mal offensichtlich ich.

Jedes Symbol muss darin vorkommen. Zentral! Nicht nur am Rande. Auch wenn die Aspekte natürlich ein wenig gedehnt werden können. Damit alles schön stimmig ist. Aber damit es nicht zu einfach wird, gibt es noch den Fantasy-SciFi-Chip. Je nachdem, was der zeigt, muss die Geschichte natürlich dazu passen. Ziellänge: 500-1000 Wörter. Alles klar? Alles klar.

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Nein! Hilfe! Panik! Als Scheibenwelt-Korrespondentin kann ich euch doch nicht mit einer furchtbar missglückten SciFi-Geschichte die Zeit stehlen. Darum bekommt ihr in gewohnter Manier liebevoll zusammen gesammelte Fakten über die Scheibenwelt.

Anm. der Redaktion: Marion hat sich also einer Geschichte entzogen. Deshalb muss sie nun ihre Schade eingestehen. Mit einem GIF: 

Ein Ausweicher zur Scheibenwelt

von Marion Kiribs

Die Würfel haben gesprochen und mir zu den Begriffen Sonne, Pflanze, Vogel, Stift, Leiter und Essen verholfen. In diesem Sinne juble ich euch gleich eine kurze Info zur Spielergilde unter, deren Oberhaupt traditionell durch Würfeln festgelegt wird. Zu ihren verantwortungsvollen Aufgaben zählt auch die Überwachung des Falschspiels, indem sie festlegen wie Würfel und Karten zu manipulieren sind.

Da der Chip auf der SciFi-Seite gelandet ist, darf ich euch dieses Mal auch einige Werke aus Terry Pratchetts Repertoire vorstellen, die diesem Genre zuzuordnen sind. Das aktuellste Beispiel ist die mittlerweile fünfbändige Reihe “Die lange Erde”, die sich aus unzähligen Parallelwelten zusammensetzt. Basierend auf einer Kurzgeschichte, die Pratchett noch vor der Erfindung der Scheibenwelt verfasste, wurde die Serie gemeinsam mit Stephen Baxter umgesetzt, der sie nach Pratchetts Tod weiter führte. In den 1970/80er erschienen außerdem die zwei Science-Fiction-Werke “Strata” und “Die dunkle Seite der Sonne”.

Apropos Sonne…

Die Sonne der Scheibenwelt ist relativ klein und gehorcht einer sehr eigenwilligen Form von Physik. Sie bewegt sich doppelt so schnell wie ihr eigenes Licht, weswegen man sie nur dann dort sieht, wo sie sich wirklich befindet, wenn sie ihr Licht einholt, was zweimal am Tag passiert. Die Philosophen der Scheibenwelt sind der Meinung, dass man das schnelle Licht nicht sehen kann, aber die Bewohnerinnen und Bewohner der Scheibenwelt durch dieses das langsame Licht erkennen können. Dieses ist durch das magische Feld, das die Scheibenwelt umgibt, zäh und fließt morgens nur langsam. Die Sonne folgt einer komplizierten Umlaufbahn, wegen der die Elefanten immer mal wieder ein Bein heben müssen damit sie nicht kollidieren.

Es grünt so grün…

Im Großen und Ganzen lässt sich die Vegetation der Scheibenwelt in zwei Gruppen einteilen; die magischen und nichtmagischen Pflanzen. Ein Beispiel für die erste Kategorie ist das intelligente Birnbaumholz, das bereits seit dem ersten Roman “Die Farben der Magie” durch Zweiblums Truhe bekannt wurde.

Beim nichtmagischen Grünzeug handelt es sich etwa um Kohl oder die Wahoonie (dazu später mehr). Es gibt des weiteren mehrere Lebens- und Erntezyklen: Relativ normal sind annuelle (Ernte nach einem Jahr nach Aussaat), bienne (Ernte nach zwei Jahren nach Aussaat) und perennierende Pflanzen, die immer wieder Früchte tragen. Reannuelle Pflanzen wie die Vulnuss werden hingegen geerntet, bevor sie überhaupt ausgesät wurden, weswegen Wein aus ihr besonders bei Wahrsagern beliebt ist. Für Blumenseelen hat Tod übrigens eine eigene Mini-Sense.

Vom Feld auf den Tisch…

Wie vorher erwähnt, wird auf der Scheibenwelt, genau genommen in der Sto-Ebene, Kohl angebaut. Der ist so beliebt, dass er nicht nur in zahllosen Speisen und als Geschmackssorte von Briefmarken, sondern auch auf dem Wappen von Ankh-Morpork zu finden ist.

Die Wahoonie ist hingegen eine rundherum ekelhafte Frucht, die wegen ihrem furchtbaren Geschmack, Geruch und Aussehen nur von exzentrischen Feinschmeckern verspeist wird, die bereit sind hohe Preise für diese “Delikatesse” zu bezahlen. Sie gehört außerdem zu den Zutaten der extrem scharfen “Potzblitz-Soße” (im englischen Original heißt sie “Wow-Wow-Sauce” und spielt auf die gleichnamige Soße unserer Rundwelt an), die nur mit Schutzhandschuhen serviert werden sollte.

Pfannkuchen und Vögel

In einem älteren Beitrag über die Gilden der Scheibenwelt habe ich den “Pullis Corvorum”-Brauch der Ankh-Morpork’schen Assassinengilde erwähnt, den ich durch das Würfelergebnis nun gerne weiter ausführen werde. Um diese seltsame Tradition einzuhalten, braucht es eine Elster, einen Pfannkuchen und einen Haufen Erstklässler.

Der Küchenchef der Gilde kümmert sich um die ersten beiden und befestigt die Süßspeise an dem Pechvogel (ihr könnt euch dank dieser Formulierung wahrscheinlich schon ausmalen, dass die Geschichte für die Elster nicht gut ausgeht) und nagelt sie an die Tür der Gilde. Dann ruft er die neuen Schüler zu sich, die sich so lange um das Tier “kümmern” bis es stirbt. Dem Schüler, der eine halbwegs logische Erklärung für diesen Brauch finden kann, winkt eine Belohnung. Es überrascht wenig, dass das das letzte Mal vor zwei Jahrhunderten vorkam…

Stift, schreiben, Bücher… ist doch quasi das gleiche

Zu dem lästigen Stift den ich gewürfelt habe, habe ich lange nachgedacht und zumindest keinen direkten Zusammenhang finden können. Natürlich benutzt man auch auf der Scheibenwelt Schreibwerkzeug, aber einen wirklich spannenden Stift gibt es meines Wissens nach nicht (falls euch was einfällt, würde ich mich aber sehr über einen Kommentar freuen).

Darum habe ich den Begriff gedehnt und erzähle euch ein wenig über die Bücher der Scheibenwelt, denen eine besondere Kraft innewohnt. Diese Kraft der Wörter zeigt sich dann, wenn man genug von ihnen ansammelt, so wie es etwa in Bibliotheken oder bei den Massen an nicht zugestellten Briefen im Postamt von Ankh-Morpork der Fall ist/war.

Bekannte Nebenwirkungen sind Irrsinn, die Öffnung ferner Dimensionen und Reisen durch Zeit und Raum. Sollten sich Symptome bemerkbar machen, wenden Sie sich bitte an den Arzt oder Bibliothekar Ihres Vertrauens. Die Kraft macht sich unabhängig von den Inhalten der Bücher bemerkbar, egal ob magisch oder nicht-magisch. Ein paar Highlights der bekannten Scheibenwelt-Literatur habe ich euch dennoch herausgesucht:

  • Wichtige amphibische Zauberformeln in einem literarischen Kontext: ein Vergleich
  • Am Ankh entlang, mit Bogen, Rute und dem Stab-mit-einem-Knauf-am-Ende
  • Das Lexikon-seltsamer-Wörter-die-einem-Tränen-in-die-Augen-treiben
  • Kochen mit Hirn
  • Nekrotelicomnicon für Studenten, mit praktischen Experimenten

Eine Leiter oder besser gesagt keine Leiter mehr…

Zum Thema Bücher passt auch der letzte gewürfelten Begriff; die Leiter. So eine benötigte der Bibliothekar der Unsichtbaren Universität nämlich tagtäglich bei seiner Arbeit, bevor er in “Das Licht der Phantasie” in einen Orang-Utan verwandelt wurde. Zwar kann er sich seitdem nur mehr mit den Lauten “Ugh” und “Iiek” äußern (und wird auch verstanden), ist aber sehr zufrieden mit seinem Zustand und widersetzt sich jedem Versuch die Verwandlung umzukehren.

Ein Orang-Utan zu sein hat nämlich überraschend viele Vorteile: Der Bibliothekar kann besser denn je Orgel spielen, da er nun über zehn weitere praktische Gliedmaßen an seinen Füßen verfügt. Außerdem ist jetzt viel stärker, was ihm beim Kampf mit außer Rand und (Ein-)Band geratenen Zauberbüchern sehr gelegen kommt. Leitern benötigt er bei der Arbeit wie gesagt keine mehr, da er jetzt einfach die Bücherregale hochklettern kann.

Denkt ihr, dass den Würfeln damit Genüge getan wurde? Hinterlasst doch einen Kommentar, falls euch noch etwas zu den Begriffen einfällt!

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wortman sagt:

    Coole Idee. 🙂
    Sind die Würfel gephotoshoped oder gibt es die tatsächlich so?

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  2. Florian Born sagt:

    Die kriegt man bei Flying Tiger 😉

    Gefällt mir

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