Zerwürfelte Geschichten #3 – Der Spatz auf dem Hut

Kurze Erklärung: Bei Zerwürfelte Geschichten spiele ich ein Spiel. Ich würfle mit sechs „Storywürfeln“. Die zeigen dann sechs verschiedene Bilder. Mit denen muss ich oder jemand, den ich – möglicherweise gegen seinen/ihren Willen – nominiert habe, eine Geschichte basteln.

Jedes Symbol muss darin vorkommen. Zentral! Nicht nur am Rande. Auch wenn die Aspekte natürlich ein wenig gedehnt werden können. Damit alles schön stimmig ist. Aber damit es nicht zu einfach wird, gibt es noch den Fantasy-SciFi-Chip. Je nachdem, was der zeigt, muss die Geschichte natürlich dazu passen. Ziellänge: 500-1000 Wörter.  Alles klar? Alles klar.

Die Würfel und der Chip in dieser Runde zeigen das:img_20161125_161510

Also eine Fantasy-Geschichte mit:

  • einer Kopfbedeckung
  • einer fröhlichen Person 
  • einem Vögelchen
  • Regen
  • einer Banane
  • und einer Uhr oder Zeit

Und das ist das Ergebnis:

Der Spatz auf dem Hut

von Florian Born

Regen fällt. Nicht ein paar vereinzelte Tropfen. Das wär ja nicht so schlimm. Nein. Ströme. Wie gibts das überhaupt? Auf einmal. Vor zwei Stunden bin ich mit Kollegen und Kaffee auf der Terrasse gestanden. Bei Sonnenschein.

Arschwetter.

Egal. Weiter.

Wasser spritzt meine Wade hoch, als ich zu fest in eine Pfütze steige. Schaut ja großartig aus dann beim Kunden. Klatschnass. Super professionell. Aber wenigstens hab ich eine Ausrede. Und vielleicht krieg ich ja einen Mitleidsbonus. Mal schauen.

Irgendwo in der Ferne – wie kann ich das überhaupt hören – erklingt die helle Stimme eines Vogels. Beschwert sich vermutlich auch über den Regen. Recht hat er. Sauwetter.

Eine Schulter trifft mich in die Seite. Au. Und noch eine. Wie?! Strömender Regen (auf einmal), sauviele Leute (alle ohne Schirm) und ich im Stress! Ich bin jetzt schon fast zu spät. Auch ohne Regen und Leute. Und ohne schmerzende Schulter wegen dem Arschloch.

Ich schiebe meinen Hut tiefer ins Gesicht, um wenigstens meine Augen vor den Wassermassen zu schützen. Wie viel es hilft, wird sich zeigen. Wahrscheinlich nichts. Auf einmal spüre ich eine Vibration in meiner Hosentasche. Und noch eine. Und noch eine. Ach komm! Jetzt? Wirklich!?

Während ich weiter meinen Weg durch die Massen suche, krame ich mein Smartphone hervor. Schnell schauen, ob es wichtig ist. Fluchend hole ich es aus der Hülle und schaue nur schnell auf die Nachrichtenleiste. Zwei Twitter-Vögel und ein @. Ernsthaft? Deshalb hol ich mein Handy r–

Der Gedanke reißt ab. Mein Fuß gleitet unter mir weg. Der andere sucht Halt, vergeblich. Ich stürze nach hinten, sehe Tropfen wie in Zeitlupe vom Himmel fallen und dann kracht mein Kopf auf den Boden. Schwarz.

* * *

„Fuck…“ Mein Schädel brummt wie Hölle. „Boah… ey…“ Ich schlage langsam die Augen und schaue zur Seite. Die Sonne scheint mir hell ins Gesicht. Ich kneife die Augen wieder zusammen, schaue zur anderen Seite. Die Bäume stehen echt ungünstig. Könnten ruhig drei Meter auf der anderen Seite wachsen. Moment… Bäume?

Ich richte mich langsam auf und schau mich um. Ich bin in dem Park. Der hinter den Bürogebäuden. Über mir zwitschert wieder der Vogel. Der gleiche wie vorher. Nur diesmal nicht so wütend. Eher glücklich. Klar. Scheint ja auch die Sonne. Was zur nächsten Frage führt. Sonne? Und wie dafuq komm ich eigentlich hierher?

Das Zwitschern kommt näher an mich heran und als ich mich umschaue, sitzt da der Vogel auf meinem Hut, einen Meter neben. chirp!

„Was? Was soll das heißen: Ich soll mich entspannen?“

chirp! chirp!

„Du hast gut reden. Alles nicht so schwer. Du bist ein Vogel! Du musst ja eh nichts machen, außer auf deinem Baum sitzen und vor dich hin zwitschern.“

chirp! chirp!

„Ich kann mir eben kein Vorbild an dir nehmen. Ich bin ein Mensch. Ich hab ein bisschen mehr Verantwortung. Ich hab einen Job und eine Wohnung und andere Verpfl-“ Ich bin nicht stolz darauf. Doch erst jetzt dämmert mir, was ich hier mache. „Ich rede mit einem Vogel“, flüstere ich und starre den Piepmatz entgeistert. Der legt nur den Kopf auf die Seite. chirp! chrichirp!

Ich lache. Halb manisch. Halb wegen dem, was der Vogel sagte. Dann nur noch manisch. Ein Vogel. Ich rede mit einem Vogel. Er hat scheinbar recht. Ich hab wirklich einen Vogel. Haha! Vogel…

chirp! Ich stehe auf, setze mir wieder meinen Hut auf den Kopf und folge der Forderung des Spatzen. Er fliegt hoch in einen Baum und schaut wieder auf mich hinunter. chirp charp! Neben ihm ist sein Nest. Oder das, was davon übrig ist. Der Regen hat es fast komplett zerstört. Weggespült. Ein paar Ästchen liegen am Boden. Es ist reparierbar. Aber nicht leicht. Es wird ihn Wochen kosten. Und sein Weibchen wird brüten. Und dann sind da noch die anderen Spatzen, die den Baum hier auch noch wollen.

„Warum teilt ihr ihn nicht einfach?“ chirp. „Verstehe… Ich kann meine Nachbarn auch nicht leiden… Auch genau die Liga.“ chirp. Ich schmunzle. Dann runzle ich die Stirn. Ich weiß immer noch nicht, wie ich hierher gekommen bin. Geschweige denn, wieso ich den Vogel verstehe, oder wieso der Regen aufgehört hat. Zum ersten Mal stelle ich mir die Frage, ob ich träume. Doch bevor ich eine Antwort darauf finden kann, höre ich wieder die Stimme des Vogels. chirp chirp. chirp.

Ich nicke. Natürlich. Kein Traum. So macht das Sinn. Und plötzlich fliegt der Spatz auf mich zu und setzt sich auf meinen Kopf. chirp. Ich nicke wieder. Und dann… Wieder schwarz.

* * *

„Fuck…“ Wieder Kopfschmerz. Schlimmer noch als im Garten des Vogels. Wo und was auch immer der war. Regentropfen prasseln wieder in mein Gesicht und als ich die Augen aufschlage, schauen zwei besorgte Gesichter auf mich hinab. Ich schaue mich um, halte mir dabei den Hinterkopf. Mein Hut liegt wieder ein paar Schritte entfernt. Mitten in einer Pfütze.

„Fuck…“, murmle ich nochmal und beruhige die beiden Passanten, dass es mir gut gehe. Direkt vor mir liegt am Boden eine Bananenschale und wieder muss ich unwillkürlich lachen, so absurd scheint die Situation. Ich taste umher, finde mein Handy neben mir – sogar heil – und meinen Hut hebe ich einfach nur auf. Mein Kopf brummt noch immer, aber es vergeht wie auch im Garten des Vogels.

Der Vogel…

chirp. chirp chirp. Ich höre seine Stimme aus weiter Ferne. Aber kein Sinn liegt darin.

Ich seufze und gliedere mich wieder in den Strom der Menschen ein. Langsamer jetzt. Die etwaigen Vibrationen meines Handys ignoriere ich. Das hat Zeit. Genauso wie das Gespräch mit dem Kunden. Besser so als wieder stürzen. Und was macht es schon, mal etwas zu verpassen. Oder zu spät zu kommen. Es gibt schlimmeres.

Und der Regen fällt. Immer noch in Strömen. Und immer noch schieben sich Massen ohne Schirm durch die Straßen die vor kurzem noch sonnenbeschienen waren. Und trotz meinem schmerzenden Kopf und meinen nassen Klamotten, stiehlt sich ein Lächeln auf mein Gesicht.


Wieder eine Geschichte fertig. Hoffe sie gefällt euch :3 Und falls mal wer Lust hat, selbst eine zu schreiben, haut es mir in die Kommentare und ich melde mich bei euch 😉

© Cover-Image -> Fourth-Star

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